Zweibrücken
Marold Wosnitza: Vom Unbekannten zum dienstältesten Oberbürgermeister
Dieser Sieg fiel deutlich aus. Das ist aber nicht das Einzige, was bemerkenswert ist. Wosnitza ist der erste Zweibücker OB seit 35 Jahren, der für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde, und der erste, dem dies in einer Direktwahl gelang. Der 60-Jährige möchte seine zweite Amtszeit voll ausschöpfen, bis 2034 OB bleiben und erst danach in Ruhestand gehen. Dann hat er Zweibrücken so lange geführt wie kein anderer Oberbürgermeister in den vergangenen 100 Jahren.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Erziehungswissenschaftler und frühere Professor an der Hochschule in Aachen bis ins Jahr 2018 in seiner Heimatstadt Zweibrücken weitgehend unbekannt und schon gar nicht als Politiker aufgefallen war. „Marold wer?“, hieß es damals. Wosnitza hatte sich in Sportvereinen engagiert, und er war Vorsitzender des Stadtverbands für Sport, aber in die SPD war er erst 2016 eingetreten. Dass ihm der typische Stallgeruch fehlte, war einigen Parteigenossen zunächst suspekt, doch als er im Sommer 2018 nominiert wurde, fiel die Entscheidung einstimmig.
Turbo-Wahlkampf wegen vorgezogenem Termin
Viel Zeit, den Kandidaten bekannt zu machen, blieb nicht: Zwei Wochen vor der Kandidatenkür war der schwer erkrankte Amtsinhaber Kurt Pirmann gestorben, und plötzlich musste die für Herbst 2019 ins Auge gefasste OB-Wahl um ein Jahr vorgezogen werden. Für die SPD bedeutete das: zweieinhalb Monate Turbo-Wahlkampf mit einem weitgehend unbekannten Kandidaten gegen CDU-Bürgermeister Christian Gauf, der nicht nur mehr politische Erfahrung hatte, sondern auch um Längen bekannter war. Doch Wosnitza lag nicht nur im ersten Wahlgang vorne, sondern gewann auch die Stichwahl.
Dass er 2026 tatsächlich wiedergewählt würde, war nicht sicher. Längst hatte sich der politische Wind in der einstigen SPD-Hochburg gedreht. Wosnitza war einen Monat im Amt, da ließ die CDU die jahrzehntealte große Koalition mit den Sozialdemokraten im Stadtrat platzen. Mit der Kommunalwahl 2024 wurde es für den OB noch einmal schwerer, sich Mehrheiten zu besorgen. Schließlich wurde die AfD bei der Bundestagswahl 2025 stärkste Partei in der Stadt.
Schlechte Stimmung in der Stadt
Als die RHEINPFALZ vor der Wahl eine repräsentative Meinungsumfrage in Auftrag gab, zeigte sich: In Zweibrücken ist die Stimmung so schlecht wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zu viel ging in Wosnitzas erster Amtszeit nicht voran. Große Unternehmen stehen vor einer unsicheren Zukunft. Projekte hängen in juristischen Streitereien fest. In der Innenstadt stehen viele Läden leer. Manchen war der jünger wirkende OB auch einfach zu leger. „Lustlos und langsam“ nannte ihn der CDU-Sprecher im Stadtrat einmal. Die Erfolge, die es gab, schien der OB nicht richtig zu vermitteln.
Doch Wosnitza, der als Stadtchef eher ruhig und zurückhaltend agiert, zeigte, dass er auch anders kann: Im Wahlkampf gab er sich kämpferisch, zuversichtlich, anpackend. Und er konnte Erfolge vermelden. Etwa dass der Internetriese Amazon nun doch seine neue, aber leerstehende Halle im Süden der Stadt nutzen und 1000 Arbeitsplätze schaffen will.
Wohlfühlstadt versprochen
Zu Wosnitzas vier großen Themen zählen neben Wirtschaft und Bildung auch Mobilität und Energie. Er möchte den Stadtbusverkehr reformieren und die Stadt stärker mit erneuerbaren Energien versorgen. Zweibrücken im Jahr 2035 beschrieb er gegenüber der RHEINPFALZ so: „Nach weiteren acht Jahren OB Wosnitza ist Zweibrücken eine sichere, klimaneutrale Wohlfühlstadt, in der ein solidarisches Miteinander herrscht.“