Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Zeitplan für Hochstraßenabriss steht auf der Kippe

Mit Schirm und Helm: OB Jutta Steinruck und Stefan Feldmann von der Abrissfirma Moß beim Rundgang auf der Hochstraßenbaustelle.
Mit Schirm und Helm: OB Jutta Steinruck und Stefan Feldmann von der Abrissfirma Moß beim Rundgang auf der Hochstraßenbaustelle.

Es bleibt dabei: Mit dem Abriss der Pilzhochstraße in Ludwigshafen , dem maroden 500-Meter-Teilstück der Hochstraße Süd (B 37)), geht’s nur sehr schleppend voran. Verzögerten Probleme bei der Materialbeschaffung zuletzt einen zügigen Fortschritt, so sind es jetzt Schwierigkeiten beim Aufbau der Abstützkonstruktion.

Es ist ein Bild mit Symbolkraft: Die Verantwortlichen stehen im Regen. Als Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und Stefan Feldmann, Technischer Leiter der Abrissfirma Moß, die Baustelle betreten, schüttet es aus Kübeln. In ihrem Schlepptau: ein großes Medienaufgebot. Doch eine wesentliche Frage, die immer wieder gestellt wird, können sie nicht beantworten: Ist der ambitionierte Zeitplan für den Abriss zu halten? Bis Ende Juni zum Stadtfest soll die Trasse aus dem Stadtbild verschwunden sein. Daran, betont Steinruck, soll trotz aller widrigen Umstände festgehalten werden. Sie sagt aber auch: „Versprechen kann ich das nicht.“

Derzeit werden parallel vier Stütztürme gefertigt

Warum es berechtigte Zweifel daran gibt, dass die Brücke bis zum Sommer in Gänze gefallen ist, versucht Feldmann zu erläutern. Seiner Schilderung zufolge ist nicht der eigentliche Abriss das Problem. „Das haben wir schon tausendmal gemacht.“ Das heikelste Kapitel ist die aufwendige Abstützkonstruktion, die verhindern soll, dass die Pilzhochstraße während des schrittweisen Rückbaus unkontrolliert einstürzt. Erste Stützen, von denen jede etwa 20 Tonnen wiegt, sollten schon in der Vorwoche ferngesteuert unter die Brücke geschoben werden. Doch daraus wurde nichts.

Stattdessen werden derzeit parallel vier dieser Türme gefertigt, um zu testen, ob sie wirklich ihren Zweck erfüllen. Sie bestehen aus jeweils 24 Baumstämmen – vier quadratisch angeordnete Sechserbündel –, die durch massive Betonzahnräder und Stahlelemente stabil zusammengehalten werden. „Die Dinger hat noch kein Mensch gebaut, das sind Unikate, das ist alles Handarbeit, das ist keine Serienproduktion“, sagt Feldmann.

Stürmisches Wetter als Zeitfresser

Der Prototyp am Firmensitz in Lingen im Emsland sei in einer Halle unter optimalen Bedingungen gebaut worden. Das heißt auch: mit halbwegs trockenen Stämmen. Jene vor Ort sind klitschnass. Hunderte Löcher für Gewinde in sie zu treiben, sei „eine tierische Quälerei“, so Feldmann. Mehrere Bohrmaschinen hätten bereits ihren Geist aufgegeben. Das bisweilen stürmische und regnerische Wetter sei insofern ein weiterer Faktor, der viel Zeit koste. Zumal die Firma auf die Gesundheit ihrer aktuell 30 Mitarbeiter vor Ort achten und entsprechende Vorkehrungen treffen müsse, betont Feldmann.

„Keine künstliche Hektik“

Zum ursprünglichen Abriss-Zeitplan meint er daher unmissverständlich: „Es wäre kontraproduktiv, jetzt eine künstliche Hektik reinzubringen. Dafür ist das Projekt zu komplex und das Risiko für die Kollegen einfach zu groß.“ Der Aufbau der Stützen müsse exakt justiert und dem jeweiligen Standort angepasst werden. Zur Sicherheit des Untergrunds wiederum müssten 4000 Baggermatratzen passgenau zugeschnitten werden.

„Den Mut verlieren wir nicht“

Gut 80 der wieder verwendbaren Stütztürme sind für den ersten Bauabschnitt in Sichtweite des seit 22. November stillgelegten Nahverkehrsknotenpunkts Berliner Platz notwendig, 120 sind es insgesamt. 2500 Baumstämme, 900 Tonnen Stahl und 600 Tonnen Beton werden dafür unterm Strich verarbeitet. „Wir tun das Menschenmöglichste. Den Mut verlieren wir nicht“, sagt Feldmann. Die Stadt und die Anwohner, versichert er, werde seine Firma jedenfalls nicht im Regen stehen lassen.

Einwurf: Bohrende Fragen

Medienvertreter können manchmal richtige Nervensägen sein, stellen sie doch unentwegt bohrende Fragen – berechtigterweise, wenn diese auch den Menschen auf den Nägeln brennen. Natürlich interessiert neben den Anwohnern die ganze Region, wann bei der Pilzhochstraße mit einem Abrissende zu rechnen ist. Dass die Politik den Rückbau schnell über die Bühne bringen will, ist einerseits logisch. Schließlich kann man damit punkten. Zum Bumerang werden solche Prognosen andererseits, wenn sie partout nicht einzuhalten sind. Nach den erklärbaren Verzögerungen der jüngsten Vergangenheit zeichnet sich ab, dass der komplette Abriss des schwer beschädigten Teilstücks der Hochstraße Süd bis Ende Juni nicht zu stemmen sein wird. Viel wichtiger ist ohnehin, dass der erste Abschnitt rasch über die Bühne geht, damit der Nahverkehr am Berliner Platz wieder fließen kann. Das scheint (noch) realistisch, alles andere nicht. Das sollten die Verantwortlichen genau so kommunizieren – bevor wieder ein paar Nervensägen unentwegt nachbohren, warum es mit dem ursprünglichen Zeitplan dann doch nicht geklappt hat.

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