Ludwigshafen
Ludwigshafener Hochstraßenabriss: Ein Experte erklärt, was die Arbeiten so kompliziert macht
Herr Feldmann, was macht den Bau der Stützkonstruktion so schwierig?
Die Dinger hat noch kein Mensch gebaut. Das sind alles Unikate, die per Handarbeit vor Ort entstehen. Jede dieser Stützen wiegt um die 20 Tonnen, allein die Betonzahnräder wiegen fünf und die Hölzer sechs Tonnen. Hinzu kommen noch knapp zehn Tonnen Stahl.
An Ihrem Firmenstandort in Lingen im Emsland haben Sie doch Prototypen gebaut.
Ja, aber in einer Halle und mit halbwegs trockenen Stämmen, also unter völlig anderen Bedingungen. Pro Turm müssen wir hier 90 Löcher bohren und jeweils genau den Gegebenheiten anpassen, weil die Höhen je nach Untergrund unterschiedlich sind. Das heißt, jede Bohrung, die wir beim einem Turm messen, kann beim nächsten schon wieder anders sein. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Es sind ja 80 Stützen, die wir für den ersten Abschnitt an der Mundenheimer Straße benötigen. Das ist keine Serienproduktion.
Wie gehen Sie vor?
Wir errichten gerade an vier Stellen parallel solche Abstützkonstruktionen und lernen von einem Fall für den nächsten. Möglicherweise können wir Schablonen anfertigen, die uns bei den Folgearbeiten helfen. Dann geht alles etwas schneller. Der Abriss an sich wird nicht das Problem sein. Das haben wir gefühlt schon tausendmal gemacht.
Der Abriss soll bis zum Stadtfest Ende Juni über die Bühne sein. Ist dieser Zeitplan noch einzuhalten?
Schwer zu sagen: Wir haben bis jetzt noch keine einzige Stützkonstruktion ferngesteuert unter die Brücke gefahren. Hier liegen fast 4000 Baggermatratzen als Sicherung für den Untergrund. Und die müssen wir noch passgenau zuschneiden, denn jeder dieser Stütztürme muss gerade stehen. Es wäre kontraproduktiv, jetzt eine künstliche Hektik reinzubringen. Dafür ist das Projekt zu komplex und das Risiko für die Kollegen einfach zu groß. Wir müssen mit den Prüfstatikern in aller Ruhe Lösungen finden. Für unsere Prototypen haben wir einen Tag gebraucht, hier sind es mehrere Tage. Aber es macht natürlich auch Spaß, so etwas zu entwickeln. Wir haben hier Fachleute, Schlosser und Zimmermänner, die wirklich jeden Arbeitsschritt durchdenken und sich die Frage stellen, wie welcher Vorgang optimiert werden kann. Diese Kombination macht das Ganze so spannend, aber auch schwierig.
Und jetzt funkt noch das stürmische Regenwetter dazwischen.
Das ist zwar für den März nicht wahnsinnig überraschend, aber das macht die Arbeit insofern noch herausfordernder, weil wir hier mit vielen elektrischen Geräten arbeiten, von denen wegen der Nässe schon einige kaputtgegangen sind, insbesondere Bohrmaschinen, die wir nachordern müssen. Das kriegt man zwar organisatorisch hin, es kostet aber Zeit. In feuchte Stämme zu bohren, ist eine tierische Quälerei. Inzwischen greifen wir auf massivere Bohrmaschinen zurück. Zudem ist es noch sehr windig. Das heißt, jede Plane, die wir spannen, fliegt hier durch die Gegend. Wir brauchen Regenkleidung für die Kollegen und müssen natürlich verstärkt auf deren Gesundheit achten, damit sie sich nicht erkälten.
Wie gehen Sie damit um, dass Ihre Arbeiten hier täglich unter Beobachtung stehen?
Das öffentliche, aber auch das politische Interesse, diese ganze Brisanz rund um den Hochstraßenabriss, ist tatsächlich etwas Neues für uns. Wir versuchen unabhängig davon, unseren Job zu machen. Wir tun das Menschenmöglichste. Den Mut verlieren wir jedenfalls nicht.
Björn Berlenbach, Leiter der städtischen Tiefbausparte, sagt, man muss sich das Prozedere rund um den Bau der Stützen wie bei einem Billy-Regal von Ikea vorstellen. Man lernt aus Fehlern immer ein bisschen dazu, bis es letztlich steht.
Das Billy-Regal trägt leider nicht so viel Last, sonst würden wir es hier aufbauen (lacht). Aber vom Grundsatz her hat er natürlich Recht. Es geht um schrittweises Lernen. Die Konstruktionen, die wir demnächst einsetzen, können ja wir später an anderer Stelle wieder verwenden.