Rheinland-Pfalz LBM versichert: Keine Gefahr für Hitze-Platzer auf Pfälzer Autobahnen

Fahrbahn-Platzer in der Sommerhitze: Gefährdet sind Autobahnen mit alten Beton-Platten, in der Pfalz geht es um Abschnitte der A
Fahrbahn-Platzer in der Sommerhitze: Gefährdet sind Autobahnen mit alten Beton-Platten, in der Pfalz geht es um Abschnitte der A 6 und der A 63. Doch für sie gibt das Land inzwischen trotzdem Entwarnung.

Von einem „Blow up“ sprechen Fachleute, wenn bei großer Hitze Beton-Fahrbahnen urplötzlich zerplatzen. Anfällig sind Platten, wenn sie vor mehr als 30 Jahren verlegt wurden. Abschnitte mit solchem Uralt-Belag haben auch Pfälzer Autobahnen. Doch der Landesbetrieb Mobilität versichert: Die Gefahr ist trotzdem abgewendet.

Einen halben Meter hoch war der Schutthügel, der sich quer über die Fahrbahn zog und einen Motorradfahrer in den Tod stürzen ließ: Die niederbayerische A 94 hatte sich in der Juni-Hitze des Jahres 2013 an einer Stelle urplötzlich aufgewölbt und war zerbrochen. Anfällig für derartige „Blow ups“ sind Beton-Pisten, wenn sie schon relativ alt sind. Denn früher wurden Platten verbaut, die nur 22 Zentimeter dick sind. Seit etwa 30 Jahren hingegen sind ein paar Zentimeter mehr die Norm, die Bruchsicherheit auch bei hohen Temperaturen garantieren soll. Doch noch immer rollt der Verkehr auch über Autobahnen mit dünnerem Beton-Belag. In der Koblenzer Zentrale des Landesbetriebs Mobilität (LBM) sind für ganz Rheinland-Pfalz etwa 160 Kilometer als derartiger Altbestand eingestuft, in der Pfalz zählen A-6-Abschnitte zwischen Kaiserslautern und Frankenthal sowie Teile der A 63 zwischen Winnweiler und Kirchheimbolanden dazu. Meldungen über außergewöhnliche Schäden haben in den vergangenen Tagen aber trotzdem nur Straßenbaubehörden der Nachbar-Bundesländer veröffentlichen müssen.

Tempo-60-Schilder auf der A6

Auf der A6 bei Mannheim-Sandhofen etwa ist die Fahrbahn in Richtung Saarbrücken zwar nicht aufgeplatzt, aber sie hat sich „stark verformt und verdrückt“. So etwas kann bei Asphalt-Belag passieren. Denn den lässt große Hitze weicher werden. Und wenn dann viele schwere Lastwagen über ihn donnern, bleiben schnell Wülste und Spurrillen zurück. Auf den letzten badischen Autobahn-Kilometern vor der Grenze zur Pfalz sind daher erst einmal Tempo-60-Schilder und Warnhinweise aufgestellt worden. Und nun werden auch Spuren gesperrt. Denn heute Morgen um 6 Uhr sollen Arbeiter anrücken und einen neuen Belag aufbringen, der die Dellen ausgleicht. Immerhin: Die Planer gehen davon aus, dass sie das binnen 23 Stunden schaffen können. Mit deutlich größerem, aber noch nicht genau bestimmbaren Aufwand rechnet hingegen offenbar die saarländische Straßenbau-Behörde, die ein Problem auf der Saarbrücker Stadtautobahn lösen muss: Auf einem 200 Meter langen Abschnitt der A 620 ist jetzt die Überholspur gesperrt, weil sich dort am Dienstagabend pickelartige Blasen aufgewölbt haben.

Brücken- statt Hitzeschaden

Doch als eigentlichen Hitzeschaden will der Landesbetrieb für Straßenbau diese Asphalt-Akne gar nicht eingestuft sehen. Denn die führt er vor allem auf den Umstand zurück, dass die Autobahn an der betroffenen Stelle die Saar überquert. Also vermuten Fachleute, dass zwischen der Brückenkonstruktion und dem Fahrbahnbelag die Abdichtungen versagten. Demnach wäre dort Wasser eingedrungen, das sich ansammelte und jetzt verdunstet ist. Wärme hätte mithin auch eine Rolle gespielt, aber für die Straßenbauer handelt es sich doch in erster Linie um einen „spezifischen Brückenschaden“. Außerdem pocht ein Behördensprecher darauf, dass die Beulen nichts mit den berüchtigten „Blow ups“ zu tun haben: Vor diesen gefährlichen Hitze-Platzern sei das Saarland schon allein deshalb gefeit, weil es nie Beton-Straßen gebaut habe. Doch auch in Rheinland-Pfalz muss offiziellen Angaben zufolge kein Auto- oder Motorradfahrer mehr damit rechnen, dass sich vor ihm urplötzlich ein Schutthügel quer über die Fahrbahn ziehen könnte. Denn auch Uralt-Abschnitte mit dünner und daher eigentlich anfälliger Fahrbahn auf Zement-Basis lassen sich entschärfen. Zum Beispiel, indem zwischendurch immer wieder kurze Streifen aus Asphalt eingebaut werden. Die Idee dahinter: Wenn der in großer Hitze etwas weicher wird, fängt er den Druck der Betonplatten ab, die sich gerade ausdehnen. Mit solchen und weiteren Eingriffen sind nach LBM-Angaben in den vergangenen zwei Jahren alle rheinland-pfälzischen Autobahnen mit „Blow up“-Risiko nachbehandelt worden. Weshalb eine Sprecherin der Koblenzer Behördenzentrale nun versichert: „Es ist keine direkte Gefährdung mehr gegeben.“

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