Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Landtagswahl: Diakoniechef fordert Politik zu mehr Hilfe für Arme auf

Unter gesellschaftlicher Spaltung leidet auch die Demokratie – davon ist Pfarrer Albrecht Bähr überzeugt.
Unter gesellschaftlicher Spaltung leidet auch die Demokratie – davon ist Pfarrer Albrecht Bähr überzeugt.

Vor der Landtagswahl ermahnt Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr die Politik: Sie solle sich mehr um Hilfsbedürftige in der Gesellschaft kümmern.

Die Belange armer und hilfsbedürftiger Menschen stärker in den Fokus zu nehmen und Hilfsangebote für sie finanziell abzusichern. Mit diese Forderung wendet sich Albrecht Bähr, Landesdiakoniepfarrer und Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtsverbände in Rheinland, vor der Landtagswahl an die Politik.

Nach Bährs Eindruck spielt die Situation der Schwachen in der Gesellschaft im Wahlkampf nur in Bezug auf Gesundheitsversorgung und Pflege eine Rolle. Der Chef der Diakonie Pfalz mahnt insbesondere für die ambulanten Beratungsstellen Handlungsbedarf an: Die Angebote, beispielsweise für Suchtkranke oder überschuldete Menschen, würden nur mit einem Sockelbetrag von 20 Prozent aus Landesmitteln, einem gewissen Betrag von den Kommunen und einem variablen Anteil etwa aus Erträgen der Sparkassen finanziert. Die Betreiber müssten insofern hohe Deckungsbeiträge für den Erhalt der Beratungsstellen selbst aufbringen.

Albrecht Bähr stellt seinen Appell auch in den Zusammenhang mit derzeit laufenden politischen Debatten, wie der vom CDU-Wirtschaftsrat angestoßenen um „Lifestyle-Teilzeit“ und Leistungsbereitschaft von Arbeitnehmern allgemein. Er erkenne darin einen Trend, einer „weniger empathischen Gesellschaft“ das Wort zu reden, so der Landespfarrer für Diakonie.

Mehr Schuldenprobleme in Mittelschicht

Dabei habe der Bedarf an Hilfe eher zu- als abgenommen: Schuldenprobleme etwa beträfen nach seinem Eindruck und dem anderer Verbände innerhalb der LIGA immer häufiger auch die untere Mittelschicht, die dann die nächste Rate für Haus oder Wohnung nicht mehr zahlen könnten – eine Folge unter anderem erhöhter Energiekosten. Erhöht habe sich auch die Anzahl psychischer Erkrankungen – mit Folgen für ganze Familien. Gleiches gelte für Inobhutnahmen von Kindern.

Seiner Wahrnehmung nach würden die Hilfsbedürftigen zwischen Kommunen und Land ausgespielt, sagt Bähr. Ziel der Politik insgesamt müsse aber sein, soziale Sicherheit zu schaffen. „Darunter leidet die Demokratie“, betont der Diakoniechef wenige Tage vor der Landtagswahl am 22. März. Offenbar werde von den Parteien nicht ausreichend ernstgenommen, dass die Freie Wohlfahrtspflege mit 180.000 Mitarbeiter einen bedeutenden Faktor darstelle.

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