Corona-Tests an Schulen
Landeselternsprecher: „Die Eltern haben Angst“
Die bis vergangenen Freitag gültige Teststrategie des Landes für die Schulen hat offenbar viele Eltern alarmiert. „Was soll man zu dem Hin und Her in Rheinland-Pfalz sagen? Bei niedrigen Inzidenzen wurde vor den Herbstferien beschlossen, dass nach einer zweiwöchigen Übergangszeit in den Schulen nur noch einmal die Woche getestet wird. Dann sind die Zahlen in die Höhe geschossen. Die Eltern haben Angst“, sagte Landeselternsprecher Reiner Schladweiler der RHEINPFALZ am SONNTAG. Er kritisiert, dass das Land in den vergangenen zwei Wochen an seinem Testkonzept festgehalten hat.
Land: Wollten nicht sparen
Das SPD-geführte Bildungsministerium in Mainz erklärte auf Anfrage, die Entscheidung, ab 8. November nur noch einmal pro Woche anlasslos zu testen, sei Anfang Oktober auch nach Rücksprache mit Experten gefallen. Keineswegs habe das Land sparen wollen. Bisher seien 80 Millionen Euro in die Teststrategie für Schulen investiert worden. Das Land werde dafür in den nächsten Monaten zusätzlich einen mindestens siebenstelligen Euro-Betrag bereitstellen.
Auf Grundlage der kommende Woche in Kraft tretenden neuen Corona-Verordnung des Landes rutschen wohl alle Kommunen in Warnstufe zwei. Die rund 522.000 Schüler werden dann wieder zweimal pro Woche getestet. Sollten Städte oder Kreise in Warnstufe drei kommen, wird dreimal pro Woche getestet. Bei einem Infektionsfall müssen sich die Mitglieder einer Lerngruppe über fünf Tage täglich testen und im selben Zeitraum im Unterricht Masken tragen. Eine allgemeine Maskenpflicht am Platz gab es in den letzten Wochen nicht.
Drei Tests pro Woche im Nachbarland
In Baden-Württembergs Schulen wird dreimal pro Woche getestet. Das Ministerium in Mainz begründet die unterschiedlichen Teststrategien damit, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im Nachbarbundesland mit einem Wert von 421 (Stand Freitag) knapp doppelt so hoch sei wie in Rheinland-Pfalz (213, Stand Samstag). Hier sei nicht mal jeder 100. Corona-Infizierte ein Schüler. Das zeige, dass die Hygienekonzepte an den Schulen sehr gut funktionierten.
Dass Elternausschüsse und Fördervereine in den vergangenen Wochen eigenständig Tests besorgt haben, um den Testrhythmus an Schulen zu erhöhen, sei nicht notwendig gewesen, so das Ministerium. Damit übernähmen die Institutionen „folglich nicht eine Aufgabe des Landes, sondern sorgen neben den umfassenden Maßnahmen des Landes aus eigenem Antrieb für den nach ihrer Ansicht notwendigen Gesundheitsschutz“.
„Auch Genesene und Geimpfte testen“
Schladweiler ist noch immer nicht zufrieden, denn der Landeselternbeirat hatte drei Tests die Woche gefordert. Er verlangt außerdem, dass auch genesene und geimpfte Lehrer und Schüler flächendeckend getestet werden. 95 Prozent der Lehrer seien vollständig geimpft, trotzdem nehme die Zahl derer zu, die positiv getestet würden, so Schladweiler. „Die Ungeimpften, die sich nicht testen, sind ein großer Risikofaktor.“
