Pfalz
Lachgas-Kartuschen im Restmüll: Der große Knall?
Trends sind in Deutschland gewöhnlich dort als Erstes zu bewundern, wo die Republik so hip, so bunt, so durchgeknallt ist wie sonst nirgendwo: Berlin. In diesem konkreten Fall ist das brandneue Phänomen verschiedenen Berichten zufolge aber bereits dort angekommen, wo Avantgarde für viele noch eine Ausstattungsvariante bei Mercedes ist: Ostwestfalen-Lippe.
Es geht um Lachgas, das ob seiner kurzzeitig berauschenden Wirkung eine rasante Karriere als leicht verfügbare und nicht allzu teure Partydroge gemacht hat. Verkauft wird es in bunt bedruckten Kartuschen. Und die landen in der „Party- und Drogenhauptstadt“, wie die „Berliner Morgenpost“ formuliert, offenbar in zunehmender Zahl im Restmüll. Jenseits aller gesundheitlichen Folgen für Konsumenten führt das zu einem weiteren Phänomen: Die Behälter gelangen mit anderem Unrat in die Müllverbrennung – und dann knallt’s. Schäden an den Anlagen und Unterbrechungen des Betriebs seien die Konsequenz, berichten die Berliner Stadtreinigung und weitere Entsorgungsunternehmen – unter anderem im beschaulichen Ostwestfalen.
Keine „signifikanten Effekte“
Da liegt die Vermutung nahe, das Thema sollte auch im nicht weniger beschaulichen Rheinland-Pfalz und seiner direkten Nachbarschaft ein großer Knaller sein – Nachfrage bei vier Betreibern von Müllverbrennungsanlagen. Im Gemeinschaftsmüllheizkraftwerk Ludwigshafen, wo Restabfall aus vielen Städten und Gemeinden der Vorderpfalz landet, ist die Welt offenbar noch in Ordnung. Es gebe „keine Probleme mit Lachgasflaschen“, erklärt eine Sprecherin. Ähnlich die Rückmeldung der MVV Energie AG: Es gebe „bis heute keinerlei Anlagenausfälle oder nennenswerte Schäden“, heißt es aus Mannheim. In der Quadratestadt, die in der Region dem Ruf einer Partymetropole vielleicht noch am nächsten kommt, gebe es Funde von Kartuschen, aber keine „signifikanten Effekte“. Immerhin: „Dennoch beobachten wir diese Entwicklung fortlaufend.“
Auch in Mainz gibt es zumindest Problembewusstsein, gepaart mit kommunikativem Geschick. Vorfälle, „die auf explosive Materialien im Restmüll zurückzuführen sind“, nähmen zu, schreibt eine Sprecherin der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) AG. Ob die freilich von Lachgas-Kartuschen verursacht würden, das lasse sich „nicht eindeutig bestätigen“. Angesichts der Schäden und lästiger Unterbrechungen im laufenden Betrieb, „ist uns eine ordnungsgemäße Entsorgung von Druckbehältern (...) ein großes Anliegen“. Ob die Betreiberin der Pirmasenser Müllheizverbrennungsanlage, die Energy from Waste GmbH, die RHEINPFALZ-Lachgas-Anfrage für einen Scherz gehalten hat? Keine Ahnung, eine Antwort gab es von dort jedenfalls bis dato nicht. Rumms!