Rheinland-Pfalz Kein Auftragsmörder

Ob häufig oder rar, jeder Familienname besitzt einen individuellen Klang. Kennern erzählen Namen ganze Geschichten: Wo ihre Träger herstammen, welche Berufe und Vorlieben die Vorfahren hatten oder wie sie aussahen. RHEINPFALZ-Leser können sich von den Namenforschern der Akademie der Wissenschaften in Mainz Fragen zum Familiennamen beantworten lassen.
Viele Namen erinnern uns an bekannte Wörter. Das verführt dazu, sie auch in diesem Sinne interpretieren zu wollen. Allerdings haben Familiennamen eine besondere Entwicklung mitgemacht, die dazu führen kann, dass ihre Form häufig nur auf den ersten Blick einfach erklärbar ist. In Wirklichkeit basiert so mancher scheinbar selbsterklärende Name auf historischen oder dialektalen Sprachzuständen oder auf fremdsprachigem Sprachmaterial und ist in seiner heutigen Form „missverständlich“. Am Beispiel der Namen Austerschmidt, Klima und Killmeyer zeigen die Namenforscherinnen Lena Späth und Rita Heuser, was bei der Deutung der Namen alles eine Rolle spielen kann und wieso viele Namenscherze auf einem Missverständnis beruhen. Robert Austerschmidt aus Speyer schreibt: „Mein Nachname kommt aus Ostwestfalen, in der Gegend um Delbrück herum (mein Vater stammt von dort). Ich würde annehmen, dass es eine Verhärtung von ,aus der Schmiede’ ist. Mein Vater meint aber, dass es auch die ,Schmiede im Osten’ sein könne, da Osten dort als ,Austen’ gesprochen würde.“ Die Antwort: Tatsächlich ist die Benennung für einen Schmied, der von einem bestimmten Orientierungspunkt aus östlich angesiedelt war (etwa östlich des Dorfes oder im östlichen Teil innerhalb des Dorfs) am wahrscheinlichsten. Der Familienname ist mit 31 Telefonanschlüssen (das entspricht etwa 87 Namenträgern) im Raum Delbrück verbreitet. Dort, im westniederdeutschen Sprachraum, hat es eine Lautentwicklung von „o“ zu „au“ gegeben, sodass aus „Ost-“ „Aust-“ geworden ist. Die in der Zuschrift ebenfalls angesprochene Deutung im Sinne von „aus der Schmiede“ für eine Person, die in oder bei einer Schmiede wohnt, ist eher auszuschließen. Auch hier hilft der Blick in die sprachliche Vergangenheit und es gibt eine lautliche Erklärung: Im westniederdeutschen Sprachraum entstandene Namen mit der Präposition „aus“ müssten gemäß der im Mittelalter dort herrschenden Aussprache mit „Ut-“ beginnen, nicht mit „Aus-“. Damit handelt es sich bei diesem Namen um einen lokalisierten Berufsnamen für einen Schmied. Albert Killmeyer aus Albersweiler (Kreis Südliche Weinstraße) würde gerne Klarheit darüber erhalten, ob einer seiner Vorfahren etwa tatsächlich als Killer (von englisch „to kill“) bezeichnet wurde und dies in seinen Familiennamen eingegangen ist. Die Antwort: Der Familienname Killmeyer ist mit sechs Telefonanschlüssen vertreten, die sich hauptsächlich in Albersweiler finden. Die Varianten Killmaier, Killmayer und Killmeier sind bundesweit fast 100-mal im Telefonbuch verzeichnet und haben ihren Verbreitungsschwerpunkt zentral in Baden-Württemberg um die Stadt Hechingen herum. Wahrscheinlich gehört der pfälzische Familienname zu den schwäbischen Verwandten. Es gibt mehrere Deutungsmöglichkeiten: Zum einen kann es sich um eine spezifisch oberdeutsche Form von Kirchmeyer handeln (oberdeutsch Kilche = Kirche). So leitet sich zum Beispiel der Siedlungsname Killer bei Burladingen von Kirchweiler ab. Der Kirchmeier ist der Pächter und Bewirtschafter von Kirchengut oder der Verwalter von kirchlichem Vermögen. Zum anderen kann es sich um eine Zusammensetzung aus dem Rufnamen Kill (verkürzt aus Killian) und der Berufsbezeichnung Meier handeln. Es handelte sich bei den Vorfahren also keinesfalls um Auftragsmörder, sondern um Bauern, die im Auftrag des Grundherren, beispielsweise der Kirche, Verwaltungsaufgaben wahrnahmen. Maria Helfferich aus Neustadt möchte eine Auskunft zu ihrem Geburtsnamen Klima. Sie kommt aus der ehemaligen Tschechoslowakei und kennt den Namen auch aus Österreich. Die Antwort: In den Zeiten des viel diskutierten Klimawandels wird die Leserin wahrscheinlich noch öfter auf ihren Namen angesprochen, dabei ist sie auf keinen Fall für das Wetter verantwortlich. Hinter dem Namen verbirgt sich der tschechische (auch polnische) Rufname Klima, eine Kurzform zu Kliment/Klimant, einer slawischen Variante von Clemens. Der Rufname geht auf lateinisch clemens (mild, gütig, gnädig) zurück und fand aufgrund der Verehrung des heiligen Clemens in ganz Europa Verbreitung. Dieser war als römischer Gemeindevorsteher einer der Nachfolger des Petrus und gehört zu den Apostolischen Vätern, den wichtigsten christlichen Schriftstellern des 1. und 2. Jahrhunderts nach Christi, die in der Tradition der Apostel standen. Der Familienname Klíma ist in Tschechien 3939-mal belegt, in Polen kommt Klima 2207-mal, in Österreich mit 324 Telefonanschlüssen vor. In Deutschland gibt es 597 Telefonanschlüsse (etwa 1670 Namenträger), die verstreut vorkommen. Unser Wort Klima, das die Gesamtheit der das Wetter betreffenden atmosphärischen Vorgänge bezeichnet, geht auf das Altgriechische zurück und bedeutet ursprünglich Neigung, Krümmung (des Sonnenstandes). Info —Unsere Anschrift: RHEINPFALZ, Redaktion Südwest, Kennwort „Woher kommt mein Name?“, Amtsstraße 5-11, 67059 Ludwigshafen. E-Mail: Familienname@rheinpfalz.de. Bitte schreiben Sie Ihre komplette Adresse und Telefonnummer dazu. —Internet: www.namenforschung.net