Rheinland-Pfalz Juwel der „Kleinen Residenz“

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KIRCHHEIMBOLANDEN. Noch gut zweieinhalb Wochen ist die Landesgartenschau in Landau geöffnet. Über 700.000 Besucher haben sich schon umgesehen, den neuen Südpark begutachtet, der nach der Großveranstaltung erhalten bleiben wird. In loser Folge stellen wir auch andere Gärten in der Pfalz vor. Bekannte und weniger bekannte, vergessene und solche, die den Herzen der Pfälzer besonders nahe stehen. Heute: der Schlossgarten in Kirchheimbolanden.

Er ist schmuck, nein, noch mehr. Er ist ein ganz besonderes Schmuckstück der „Kleinen Residenz“ im Norden der Pfalz: der Schlossgarten. Aber das grüne Idyll an der Alleestraße, umgeben von einer hohen Sandsteinmauer, steht auch für ein Stück Stadtgeschichte Kirchheimbolandens. Doch es ist in die Jahre gekommen, hat ein paar Blessuren erlitten. Darüber können selbst die achtsam restaurierten Parktore, deren sich der rührige Förderkreis angenommen hat, nicht hinwegtäuschen. Nicht nur die Wege, die durch den historisch so bedeutsamen Park führen, müssen dringend saniert werden. Zu lange wurden sie mit viel zu schweren Fahrzeugen immer wieder befahren. Alleine für die Reparatur werden die Kosten auf fast 500.000 Euro geschätzt, die von der Stadt ohne Hilfe des Landes wohl kaum zu schultern sind. Umsonst wird es auch den historischen Weg durch den im Norden liegenden Weinberg nicht geben, den sich Mitglieder des Förderkreises seit langem schon wünschen. Von Rosen und Lavendel soll er einst gesäumt gewesen sein. Hier und da gäbe es darüber hinaus noch einiges zu tun, wollte man dem stellenweise ein wenig düster anmutenden Landschaftspark zu neuem Licht verhelfen. Das bedeutet aber nicht, sich deshalb von dem wunderschönen alten Baumbestand lösen zu müssen. Im Gegenteil. Die von einem Pilz befallene große alte Eiche nahe des Eingangs wurde auf gutachterliches Anraten erst neulich ganz speziell behandelt, um sie nur ja zu retten. Hilfreich wäre alleine schon, glaubt Gudrun Bauer, Gründungsmitglied im Förderkreis Schlossgarten, wenn wenigstens das Niedriggehölz professionell großzügig ausgeputzt würde, um dem Park wieder seine Lichtachsen zu geben: „Der Schlossgarten bekäme so eine ganz neue Weite.“ Elmar Koeller sieht es nicht anders. Der Vorsitzende des Schlossgartenvereins hat sich fest vorgenommen, alles zu unternehmen, um die herausragende Bedeutung der Anlage entsprechend herauszustellen. Dies soll auf vielfältige Art geschehen. Beispielsweise mit musikalischen Events, die auf der kleinen Bühne oben an der Neumayerstraße immer mehr Publikum anziehen. Solche Veranstaltungen helfen, den Park mehr und mehr ins Bewusstsein der Menschen zurückholen. Freiwillige Arbeitseinsätze sind für den Förderkreis ebenso Pflicht. Auch denkt Koeller über Angebote zu Führungen nach und möchte in absehbarer Zeit auch einen Parkführer herausgeben. Der könnte dann vor allem an den Wochenenden im Besucherzentrum im Kelterhaus angeboten werden. Die Räumlichkeiten hat der Förderkreis mit viel Liebe zum Detail ausstaffiert und freut sich über jeden Besucher, der am Sonntag sogar einen selbst gebackenen Kuchen zum leckeren Kaffee angeboten bekommt. Doch wer den Schlossgarten in seiner kulturhistorischen Bedeutung verstehen möchte, der muss die Geschichte dieses Parks kennen. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ ihn Fürst Carl-August von Nassau-Weilburg mit dem neuen Schloss, dem Ballhaus und der Hofkirche errichten, beziehungsweise anlegen. Es war jene Zeit, als der Fürst Kirchheimbolanden zur „Kleinen Residenz“ erkoren hat. Am Anfang waren es vor allem die nach französischem Vorbild streng geometrischen Formen, in die der Schlossgarten „gegossen“ schien. Doch schon bald glich der Park viel eher den Vorstellungen eines englischen Landschaftsgartens jener Zeit. Nachdem die französische Revolution – so erzählt Gudrun Bauer gerne – den letzten Fürsten 1793 vertrieben hatte, erklärte die Besatzungsmacht das Schloss und alles, was damals dazu gehörte, zum nationalen Eigentum. Damit traten ab 1806 verschiedene Privatbesitzer auf den Plan, zu denen auch der bekannte klassizistische Münchner Hofbaumeister Leo von Klenze gehörte. 1844 schlug schließlich der Winterborner Landwirt Friedrich Brunck im Buch der Schlossgarten-Geschichte ein ganz neues Kapitel auf. Er fällte Bäume, mit deren Holz er Geschäfte machte. Sohn Heinrich, Doktor der Chemie und Vorstand der BASF, übernahm 1888 das Areal. Das Gärtnerhaus verwandelte er in eine stattliche Villa, in der er lebte. Von all seinen Auslandsreisen brachte Brunck Sämlinge und kleine Bäume mit, die einen Platz in seinem Park fanden. Einst wuchsen über 60 verschiedene Eichenarten im Schlossgarten. „Viele von ihnen sind heute noch übrig“, erzählt beim gemeinsamen Rundgang Elmar Koeller. Neben spanischen Tannen gibt es dort einen Perlschnurbaum oder auch eine Atlas-Zeder, um nur wenige Exemplare zu nennen, die unterstreichen können, warum der Schlossgarten zu den bedeutendsten Landschaftsgärten im Südwesten zählt. Bruncks Erben waren es, die den gesamten Schlossgarten in die Dr.-Heinrich-von-Brunck-Gedächtnisstiftung einbrachten, eine Stiftung der BASF. Vor fast einem Jahrzehnt ging dann der Park in städtischen Besitz über. War er doch schon immer ein bedeutsamer Teil dieser Stadt. Will man dem Ensemble rund um das Schloss angemessen Rechnung tragen, darf der Terrassengarten nicht unerwähnt bleiben, der vor etwa 250 Jahren im Hang zwischen Schloss und Ballhaus angelegt, irgendwann zugeschüttet wurde und jetzt mit viel Aufwand reaktiviert wird. Der Erhalt eines so bedeutenden Zeugnisses der Gartenkunst des 18. und 19. Jahrhunderts ist eine Aufgabe für Generationen. Volker André Bouffier hat in dem Buch „Beiträge zur Gehölzkunde“ die Situation vom späten Barock bis in die Gegenwart so beschrieben: „Es sollte der Stadt Kirchheimbolanden auch eine hohe Verpflichtung sein, die von ihm einst zusammengetragenen zahlreichen Gehölze und Gehölz-Sammlungen als Teil des Gesamtkunstwerks Schlosspark Kirchheimbolanden wieder aufzubauen und zu pflegen und nicht, wie bisher zum großen Teil geschehen, durch Allerweltsgehölze zu ersetzen.“ Was der Schlossgartenverein dazu beitragen kann, wird er tun. So wie er in den zurückliegenden Jahren alles getan hat, damit der Schatz Schlossgarten nur ja als Juwel im Bewusstsein verankert bleibt. Info —Weitere Informationen unter www.kirchheimbolanden.de —Nächste Folge: Japanischer Garten in Kaiserslautern. —Bisher in der Serie erschienen: Rosengarten Zweibrücken (17. Oktober 2014), Adenauerpark Speyer (23. Oktober 2014), Park der Kurklinik Gleisweiler (30. Oktober 2014), Park der Sinne Dannenfels (15. November 2014), Schlossgarten Trippstadt (9. Januar), Bad Dürkheimer Kurpark (19. März), Strecktalpark Pirmasens (10. April), Gienanth-Park Eisenberg (11. August).

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