Rheinland-Pfalz Joachim Streit im Interview: Wie er die Freien Wähler retten möchte
War es im EU-Parlament so langweilig? Oder mussten Sie angesichts der Querelen in Partei und Fraktion, die inzwischen nur noch den Status einer parlamentarischen Gruppe besitzt, als Spitzenkandidat zurückkehren und Ihr politisches Lebenswerk retten?
Also politisches Lebenswerk ist schon ein hoher Ansatz. Aber ja: Es ist mein Baby. Von daher sind die Freien Wähler Rheinland-Pfalz auch meine Liebe, und ich würde vieles aufgeben, wenn die Freien Wähler wieder in den Landtag kämen. Als der Streit nach meinem Weggang in der Fraktion losbrach, haben die beiden Alten in der Fraktion die anderen vier erpresst: Wenn es nicht so läuft, wie wir wollen, dann verlassen wir die Fraktion. Die Jungen haben sich nicht erpressen lassen – was richtig war. Ich habe damals im Oktober 2024 gesagt: Wenn ihr mich braucht, ich stehe zur Verfügung. Und die Partei hat gesagt: Ja, wir wollen dich als Spitzenkandidat haben – und hier bin ich.
Also war es eine Art Liebeskummer?
Genau. Es ist echter Liebeskummer. Wann schafft man es schon mal, eine neue Partei in einen Landtag zu führen? Europaparlament ist auch toll – eine internationale Institution mit vielen Menschen. Ich habe viel in dem Jahr gelernt, viele Menschen kennengelernt, man ist schnell per Du. Das ist natürlich auch ein Wissen, das man jetzt mitbringen kann. Außerdem war ich Bürgermeister, Landrat, früher selbstständiger, Unternehmer, dann Landtag und Europaparlament. Wer von den Kandidaten kann schon sagen, dass er den Staat so von innen kennt wie Joachim Streit?
Warum braucht es die Freien Wähler im Landtag?
Vielfach gehen Kommunalpolitiker in die Opferrolle und sagen: Ich kann ja nichts ändern. Es ist zu wenig Geld, was aus Mainz und Berlin kommt, und gleichzeitig kommen Vorschriften und neue Gesetze, die uns zu Ausgaben verpflichten. Und in diese Larmoyanz, in diese Klage wollen wir nicht einstimmen. Von daher ist es ganz, ganz wichtig, dass man sich aufmacht und die Parlamente erobert. Freie Wähler sind insofern ideologiefrei. (...) Es ist wichtig, den Leuten eine Alternative anzubieten in der heutigen Zeit. Viele sind mit den etablierten Regierungsparteien nicht zufrieden und streben dann in die Extreme – rechts wie links. Das wollen wir Freien Wähler nicht, sondern wir wollen eine bürgerliche Mitte als Alternative anbieten und dann auch dafür kämpfen, dass Kommunen eine bessere Finanzausstattung erhalten. Damit gewinnt man wieder Menschen für die Demokratie. (...)
Video-Interview
Die Landtagswahl am 22. März rückt näher: Sechs Tage vorher kommen die beiden aussichtsreichsten Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten, Alexander Schweitzer (SPD) und Gordon Schnieder (CDU), auf Einladung der RHEINPFALZ zum Diskutieren aufs Hambacher Schloss in Neustadt. Vorher hat die Redaktion die Spitzenkandidaten der Parteien, die Chancen auf Mandate im künftigen rheinland-pfälzischen Landtag haben, zum Interview getroffen. Aufgezeichnet wurden die Gespräche im Studio des Offenen Kanals in Ludwigshafen.