Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel In der Rheinland-Pfalz-CDU ist man erleichtert: Baldauf gewinnt das Duell

Herzliche Gratulation: Der legendäre frühere CDU-Chef Bernhard Vogel (links) und Christian Baldauf.
Herzliche Gratulation: Der legendäre frühere CDU-Chef Bernhard Vogel (links) und Christian Baldauf. Foto: Linzmeier-Mehn

Christian Baldauf ist Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen CDU für die Landtagswahl 2021. Er hat sich auf dem Parteitag in Neustadt souverän gegen Marlon Bröhr durchgesetzt. Wie eine Kampfkandidatur den Christdemokraten Bauchweh bereitet hat.

Fritz Walter muss helfen. Während Christian Baldauf, ein erklärter Anhänger des 1. FC Kaiserslautern, seine Bewerbungsrede hält, steht an der Wand hinter ihm in großen Lettern ein Zitat des Pfälzer Fußballidols zu lesen: „Der Schlüssel zum Erfolg ist Kameradschaft und der Wille, alles für den anderen zu geben.“

Es ist dieser Mannschaftsgeist, den Christian Baldauf beschwört, um die rund 400 Delegierten des Landesparteitags von sich zu überzeugen: Er trete bei der Landtagswahl 2021 an, um SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Amt abzulösen, ruft der 52-Jährige aus Frankenthal kämpferisch. Dafür werde er „alles geben 24 Stunden am Stück“. Und: „Dafür brauche ich euch.“

Christian Baldauf kennt die Landes-CDU. 2006 wurde er nach der bösen Schlappe bei der Landtagswahl Hoffnungsträger seiner Partei, deren Landesvorsitzender und Chef der Landtagsfraktion. 2010 ließ er Julia Klöckner den Platz an der Spitze und begnügte sich fortan mit der Vizeposition. Die Partei hat ihm das nie vergessen. Bei Vorstandswahlen waren für ihn 90 Prozent Zustimmung der Delegierten oft locker drin.

Baldaufs Einsatz und der Dank der Partei

Julia Klöckner scheiterte 2011 an Kurt Beck und 2016 an Malu Dreyer (beide SPD). Als sie vor eineinhalb Jahren als Bundeslandwirtschaftsministerin nach Berlin wechselte, übernahm Baldauf wieder die Führung der Fraktion. Fortan hat er keinen Hehl gemacht aus seinen Ambitionen auch auf die Spitzenkandidatur. Schon im Sommer hat ihn der CDU-Landesvorstand einstimmig als Frontmann für den Urnengang 2021 vorgeschlagen. Dennoch kündigte Ende Oktober Marlon Bröhr, der Landrat aus dem Hunsrück, seine Gegenkandidatur an.

Christian Baldauf streichelt die Seele der CDU. Er lobt namentlich altgediente Parteiarbeiter aus allen Landesteilen. Er umschmeichelt jene, die noch nicht so lange ihr Parteibuch haben: „Wir brauchen euch Jungen.“ Da tut es keinen Abbruch mehr, dass Baldaufs Abrechnung mit der SPD-geführten Landesregierung fast etwas lang und brav gerät. Am Ende stehen knapp über 80 Prozent der Stimmen für ihn als Spitzenkandidaten.

Böse Erinnerungen

Dass es so kommen wird, zeichnet sich im Neustadter Saalbau lange vor der Abstimmung ab. Die CDU will auch an diesem Tag unbedingt vermeiden, dass die bevorstehende Kampfabstimmung irgendwie an vergangene Zeiten dauerhafter Zwietracht erinnert. Überflüssig sei die Bewerbung des Landrats, schimpft ein Delegierter. Personelle Auswahl gehöre zur Demokratie erinnert ein anderer daran, was in Sozialkunde den Schülern beigebracht wird.

Auswahl ist gut, aber die Kampfkandidatur weckt böse Erinnerungen. Fast zwei Jahrzehnte war die rheinland-pfälzische CDU von Grabenkämpfen geschüttelt. Erst in den zurückliegenden zehn Jahren ist es Klöckner und Baldauf gelungen, die Partei zu einen. Begonnen hatte alles, nachdem 1988 ein Parteitag den damaligen Parteichef und Ministerpräsidenten Bernhard Vogel vom Acker gejagt hatte. Vogel ist nach Neustadt gekommen, wird begeistert gefeiert.

Wo Klöckner steht

Landeschefin Julia Klöckner stellt sich gleich in ihrer Eröffnungsrede hinter Baldauf. Den Gegenkandidaten erwähnt sie als „weiteres Talent“, aber nicht mit Namen. Erst später besinnt sich Klöckner und findet auch ein paar warme Worte für den „lieben Marlon“. Der neue Generalsekretär Gerd Schreiner wird mit mehr als 94 Prozent der Stimmen gewählt. Geschlossenheit pur. Den Antrag aus dem Hunsrück, statt der Delegierten des Landesparteitags sollten alle Mitglieder über den Spitzenkandidaten abstimmen, bügeln die Delegierten mit übergroßer Mehrheit weg.

Als Marlon Bröhr zur Vorstellung ans Rednerpult tritt, weiß er schon, was ihm die Stunde schlagen wird. Er zeichnet ein Bild von einer CDU, wie er sie sich vorstellt: Sie sollte „keine bessere SPD“ sein, an die AfD verlorene Wähler zurückgewinnen, den Kontakt zur Jugend nicht verlieren, ein eigenes Konzept für eine Energiewende vorlegen und für eine bessere Finanzausstattung der Kommunen sorgen. Und warum sollten die Delegierten ihn statt Baldauf wählen? Der Landrat zählt seine Erfolge im heimatlichen Landkreis auf und seine Wahlergebnisse jeweils weit über 60 Prozent, die er bisher bei Direktwahlen eingefahren hat.

Für Marlon Bröhr reicht es zum Achtungserfolg. Nach der Wahl versichern die beiden Kontrahenten, dass sie im bevorstehenden Kampf um die Mainzer Staatskanzlei gemeinsam auf das große Ziel hinarbeiten wollen. Ihr Signal: Kampfkandidatur geht auch ohne anhaltenden Streit. Erleichterung macht sich breit im Neustadter Saalbau.

Der unterlegene Kandidat Marlon Bröhr (links) gratuliert dem Sieger Christian Baldauf – vor dem Augen des früheren CDU-Ministerp
Der unterlegene Kandidat Marlon Bröhr (links) gratuliert dem Sieger Christian Baldauf – vor dem Augen des früheren CDU-Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (Mitte). Foto: Linzmeier-Mehn
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