Rheinland-Pfalz Im Schneckentempo in die Pfalz

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NEUSTADT (jüm). Gourmets haben sie zum Essen gern, Gartenbesitzer sind über ihre Anwesenheit meist weniger begeistert. In jedem Fall zieht die Weinbergschnecke mit ihrem stattlichen Gehäuse die Blicke auf sich. Mittlerweile lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Neben der alteingesessenen Art scheint ihre kleinere Schwester, die Gefleckte Weinbergschnecke, aus dem Mittelmeerraum auf dem Vormarsch zu sein. Die Pollichia sammelt entsprechende Beobachtungen.

Bereits vor sieben Jahren hatten RHEINPFALZ-Leser der Fachwelt neue Erkenntnisse beschert: Nach einem in der Zeitung veröffentlichten Meldeaufruf der Pollichia gingen Dutzende von Fotos der Gefleckten Weinbergschnecke ein. Damit war der Nachweis erbracht, dass diese an ein Leben im Mittelmeerraum angepasste Art inzwischen in weiten Teilen der Vorderpfalz vorkommt. Sogar in einigen Bereichen des Pfälzerwaldes krochen solche Weichtiere mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Helix aspersa durchs Unterholz. Bis dahin war vergleichsweise wenig über die Verbreitung der Gefleckten Weinbergschnecke in der Pfalz bekannt, erläutert Annalena Schotthöfer, die Leiterin des rheinland-pfälzischen Artenfinder-Meldeportals die Bedeutung dieser Beobachtungen. Nun aber war klar, dass Helix aspersa stabile Bestände in der Vorderpfalz aufweist und sich anschickt, auch den Pfälzerwald zu besiedeln. „Ohne die Unterstützung der RHEINPFALZ-Leser hätten wir das nicht herausgefunden“, fügt Pollichia-Geschäftsführer Oliver Röller hinzu. Schließlich habe es nach dem Aufruf im Jahre 2007 viele Meldungen von Helix aspersa aus privaten Gärten gegeben. Und die sind für professionelle Naturforscher normalerweise nicht zugänglich. Jetzt bitten die Experten die RHEINPFALZ-Leser erneut um Hinweise zur Gefleckten Weinbergschnecke. Dank der günstigen Klimaverhältnisse dürfte sich der wärmeliebende Zuwanderer weiter ausgebreitet haben. Es könnte aber auch sein, dass ihm ein relativ kalter Winter zu schaffen gemacht hat. Der Grund: Die Gefleckte Weinbergschnecke bildet anders als die heimische Gewöhnliche Weinbergschnecke (Helix pomatia) keinen dicken Kalkdeckel aus, mit dem sie ihr Gehäuse „winterfest“ machen kann. Sie überzieht die Öffnung lediglich mit einem Schleimhäutchen. Unterscheiden lässt sich die Gefleckte von der Gewöhnlichen Weinbergschnecke am Gehäuse: Bei der heimischen Art erreicht es einen Durchmesser von 30 bis 50 Millimeter, der Zuwanderer bringt es im Schnitt auf 25 bis 35 Millimeter. Am auffälligsten ist der Unterschied bei der Zeichnung: Die Gehäuseoberfläche der Gefleckten Weinbergschnecke weist „narbenartige, gelbe Runzelungen auf“, erklärt Schotthöfer. Die dunklen Streifen, die den Gehäusewindungen folgen, sind durch hellere gelbliche Zickzack-Streifen unterbrochen. Bei der alteingesessenen Art Helix pomatia gibt es zwar auch hellere Exemplare mit dunklen Streifen auf den Windungen. Die sind aber nie zackig unterbrochen, außerdem ist das Gehäuse nicht gelblich, sondern bräunlich gefärbt. Übrigens: Gemeinsam ist beiden Arten, dass sie unter Naturschutz stehen. Wer glaubt, ein Exemplar der Gefleckten Weinbergschnecke gesichtet zu haben, kann ein Foto-Datei (250 bis 500 Kilobyte genügen) mit Angabe des Funddatums und -ortes auf zwei Wegen übermitteln. Zum einen besteht die Möglichkeit, Meldungen per Mail an roeller@pollichia.de zu schicken. Zum anderen können die Beobachtungen im Artenfinder-Portal unter der Internetadresse www.artenfinder.rlp.de eingetragen werden. Dort werden alle Meldungen registriert und sind dann auch jederzeit einzusehen. Wer noch keinen Meldezugang besitzt, kann sich auf der Artenfinder-Internetseite unter der Rubrik „Tipps für Einsteiger“ informieren, wie das funktioniert. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein gefundenes leeres Gehäuse der Gefleckten Weinbergschnecke an die Pollichia-Geschäftsstelle in der Bismarckstraße 33 in 67433 Neustadt zu schicken.

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