Corona-Impfungen
Heim in Zweibrücken: „Wir warten auf grünes Licht“
„Andere haben Weihnachten gefeiert, wir haben geschuftet“, sagt Raphaël Baumann. Deshalb konnte der Leiter des Johann-Hinrich-Wichern-Hauses in Zweibrücken am Sonntag um 16 Uhr nach Mainz melden: „Wir sind impfbereit.“ Doch auf eine klare Ansage, dass es in seinem großen Altenheim in Trägerschaft der Diakonissen mit zusammen rund 300 Bewohnern und Beschäftigten losgehen kann, wartete er am Montag vergeblich. Auch ein zweites Heim in der Stadt ist bereit. Da Zweibrücken am Stichtag des 16. Dezember mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 97 den landesweit niedrigsten Wert aufwies, hat die Stadt nach einer Maßgabe des Gesundheitsministeriums in Mainz keinen Vorrang. Den haben vielmehr andere Kommunen, die damals über dem Landesdurchschnitt von 169,6 lagen: unter anderem Ludwigshafen, Speyer, Frankenthal oder der Landkreis Germersheim. Viele Heime dort sind aber nicht so weit. In Ludwigshafen war am Sonntagabend erst eines von zwölf impfbereit. In dem einen erhielten am Montag über 100 Menschen den Piks gegen das Virus.
Hohe Impfbereitschaft – auch beim Personal
Baumann in Zweibrücken hat Verständnis dafür, dass es die Priorität Inzidenz gibt. Jetzt aber, da genügend Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer vorhanden ist, müsse ein Umdenken stattfinden, Inzidenzwerte allein dürften nicht ausschlaggebend sein, sagt der 60-Jährige, der seit 17 Jahren das Heim leitet. „Wir hätten gern grünes Licht.“ 95 Prozent der 141 Bewohner wollten sich spritzen lassen und 70 Prozent der 161 Beschäftigten. Er ist stolz auf diese hohe Impfbereitschaft und sein Team.
Als er am 17. Dezember die Aufforderung erhielt, sein Heim fürs Impfen registrieren zu lassen, hat er gleich reagiert und sich ans Deutsche Rote Kreuz gewandt, das die Impfungen in Rheinland-Pfalz im Auftrag des Landes umsetzt. Der Koordinator des DRK hat den Zweibrücker Arzt Christoph Gensch eingeschaltet. Und der ist nicht nur Freiwilliger in einem mobilen Impfteam, sondern auch gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Man kennt sich, ist gut vernetzt. Gensch, 42, stand mit vier weiteren jungen Medizinern bereit für die Aufklärung über den Impfstoff im Heim.
Acht Ordner voll zum Lesen und Unterschreiben
Am 23. Dezember fiel der elektronische Startschuss für das Heim. Baumann druckte stundenlang Papier aus, es füllte am Ende acht Ordner, wie er sagt. Zehn Seiten pro Impfling. In einer „riesigen Telefonaktion“ hat er Angehörige und gesetzliche Betreuer zusammengetrommelt, auch Personal. Die Zustimmung zur freiwilligen Impfung muss aus rechtlichen Gründen persönlich vor Ort erfolgen. Viel Arbeit an den Feiertagen.
Andere Heime kamen offenbar nicht so gut klar wie in Zweibrücken. Das Gesundheitsministerium wies die Frage nach Fehlern auf Anfrage zurück. Die Impfkampagne sei schließlich ein „Riesenakt“ und man erst am Anfang. Wann Städte wie Zweibrücken mit wenig Neuinfektionen, aber Heimen in den Startlöchern, drankommen, wusste man in Mainz am Montagabend nicht.