Rheinland-Pfalz Hassattacke auf Bürgermeister?

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«Böhl-Iggelheim.» Seit 2004 regiert der Pfälzer Dieter Gummer das badische Hockenheim, doch einen privaten Lebensmittelpunkt behielt er im heimischen Böhl-Iggelheim. Dort hat ihn ein Unbekannter am Montag gezielt niedergeschlagen und schwer verletzt. Ermittler fragen sich nun, ob sie es wieder mit einer politisch motivierten Attacke auf einen kommunalen Amtsträger zu tun haben.

Es ist etwa 20.30 Uhr am Montagabend, als ein Mann auf die Klingel eines Anwesens in Böhl-Iggelheim (Rhein-Pfalz-Kreis) drückt und behauptet, dass er den Hausherrn sprechen will. Doch als Dieter Gummer deshalb herauskommt, streckt ihn urplötzlich ein Faustschlag zu Boden. Mit dem Kopf, so beschreiben es später die Behörden, stürzt der 67-Jährige auf den harten Untergrund seines eigenen Hofes. Schwer verletzt muss er anschließend ins Krankenhaus eingeliefert werden – während der Angreifer Polizeistreifen entwischt. Nun fragen sich Ermittler, was den Täter angetrieben hat. Im Raum steht dabei der Verdacht, dass sie es mit einer weiteren politisch motivierten Attacke auf einen kommunalen Amtsinhaber zu tun haben könnten. Gummer machte eine Verwaltungslehre bei der Ludwigshafener Stadtverwaltung, wechselte 1993 als Geschäftsführender Beamter nach Haßloch, leitete ab 2001 das protestantische Kirchenverwaltungsamt in Mannheim – und seit 2004 regiert er das badische Hockenheim, wo er auch einen offiziellen Wohnsitz hat. Doch seine Amtszeit als Verwaltungschef der 22.000-Einwohner-Kommune – dass sie als Große Kreisstadt eingestuft ist, beschert ihm nach der baden-württembergischen Gemeindeordnung sogar den Titel eines Oberbürgermeisters – neigt sich ihrem Ende zu. An diesem Sonntag wird im zweiten Anlauf Gummers Nachfolger gewählt, weil der Sozialdemokrat aus Altersgründen in Pension geht. Bei seinem letzten Neujahrsempfang im Januar allerdings hat er versprochen: Er werde sich auch künftig in Hockenheim sehen lassen. Dabei hat er sich trotz seines Amtes einen privaten Lebensmittelpunkt auf der anderen Rheinseite bewahrt. Seine Familie lebt weiterhin in Böhl-Iggelheim, er verbringt dort einen großen Teil seiner Freizeit. Und wer das weiß, kann Gummer auch leicht aufspüren: Während es zu seiner Hockenheimer Wohnung keinen Online-Eintrag gibt, steht seine Pfälzer Adresse im Telefonbuch. Doch eine heiße Spur in Richtung Kommunalpolitik scheint es nach der Attacke vom Montagabend auf den ersten Blick trotzdem nicht zu geben. Denn Gummer gilt als besonnener und vermittelnder Rathaus-Chef. Außerdem gibt es in Hockenheim keine großen Konflikte, die mit Zornausbrüchen hemmungsloser Wutbürger rechnen ließen. Und Drohbotschaften waren auch nicht eingegangen, sagt ein Stadt-Sprecher. Andererseits gehört es zum Tagesgeschäft öffentlicher Verwaltungen, dass sie Entscheidungen treffen, die Betroffene nicht akzeptieren wollen. Und Sicherheitsexperten beklagen derzeit ein Klima, in dem sich Einzelne schnell in ihre Wut hineinsteigern. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat daher gerade angekündigt, verstärkt gegen verwaltungsfeindlichen Hass aus dem rechten Lager anzukämpfen. Dass auch die Attacke auf Gummer aus dieser Ecke kam, scheint derzeit allerdings unwahrscheinlich. Die Polizei sagt: Auf die Klingel in Böhl-Iggelheim drückte ein etwa 40-Jähriger mit dunkler Hautfarbe, der Deutsch mit leichtem Akzent sprach.

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