Ludwigshafen / Bad Ems
Häftlinge in Rheinland-Pfalz: Viele mit Vorstrafen
Elf Justizvollzugsanstalten betreibt das Land, vier davon – Frankenthal, Ludwigshafen, Schifferstadt und Zweibrücken – in der Pfalz. Erstmals seit 2019 ist die Anzahl der dort Inhaftierten in diesem Jahr wieder über 3000 gestiegen: 3063 Menschen – 2816 Männer und 247 Frauen – verbüßen nach Angaben des Statistischen Landesamts Freiheits- und Jugendstrafen, befinden sich in Sicherungsverwahrung (57) oder sitzen bis zu einer möglichen Verurteilung in Untersuchungshaft (637). In den zurückliegenden fünf Jahren lag die Gesamtanzahl der Gefangenen zwischen 2752 (2022) und 2952 (2020).
Durchaus spannend in den jährlich zum Stichtag 31. März erhobenen Daten: Deutlich mehr als die Hälfte der Insassen (61 Prozent) sind nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten und den Angaben zufolge zuvor bereits rechtskräftig zu Freiheitsstrafe, Strafarrest, Geldstrafe oder Jugendstrafe verurteilt gewesen. Die Anzahl derjenigen, die nach Verbüßung einer Haftstrafe in Sicherungsverwahrung bleiben, weil sie weiter als gefährlich gelten, liegt in Rheinland-Pfalz in der jüngeren Vergangenheit zwischen 50 und knapp 60.
Raub, Diebstahl und Betrug
Warum sitzen die Veurteilten Straftäter ein? EIn gutes Drittel (36 Prozent) hat laut der Behörde mit Sitz in Bad Ems (Rhein-Lahn-Kreis) ein Vermögens- oder Eigentumsdelikt begangen – etwa Raub, Diebstahl und Betrug. Ein weiteres Drittel (33 Prozent) hat sich eines Verbrechens schuldig gemacht, bei dem andere Menschen getötet, verletzt oder sexuell misshandelt worden. Rund 20 Prozent der Gefangenen haben Straftaten mit Zusammenhang mit Drogen auf dem Kerbholz. Fast 200 Personen sitzen laut Landesamt wegen Mordes oder Totschlags sowie dem Versuch eines Tötungsdelikts hinter Gittern: 179 Männer und 20 Frauen.
Wie lange müssen die Straftäter in Haft bleiben? Die meisten unter den Verurteilten verbüßen eine Freiheitsstrafe unter einem Jahr (895), gefolgt von denjenigen mit Strafen zwischen zwei und fünf Jahren (689). Zwischen einem und zwei Jahren sitzen 537 Menschen ein. Zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt sind 101 der Gefangenen. Auf unbestimmte Dauer in Haft bleiben laut der Statistik 694 Gefangene. Das können beispielsweise Fälle sein, in denen aufgrund verschiedener Delikte noch keine Gesamtstrafe gebildet wurde.
Sechs Männer über 80 Jahre alt
Interessant ist auch ein Blick auf die Altersstruktur der Insassen in den Justizvollzugsanstalten: Insgesamt dominiert nach den Zahlen des Landes die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen (952, 31 Prozent). 20 bis 30 Jahre alt sind ein knappes Viertel der Gefangenen (746). Unter 21 Jahre alt sind 176 Häftlinge. Bemerkenswert: In rheinland-pfälzischen Gefängnissen sitzen auch Senioren. Zwischen 60 und 70 Jahren alt sind 130 Männer und Frauen, zwischen 70 und 80 Jahren sind es 41. Auch sechs Männer, die 80 Jahre und älter sind, leben in einer rheinland-pfälzischen JVA.
Keine Angaben macht das Statistische Landesamt zur Herkunft der in Haft befindlichen Straftäter. In den Zahlen, die das Justizministerium zu 2024 vor rheinland-pfälzischen Strafgerichten gefällten Urteilen im Sommer vorgelegt hat, wird der Anteil der verurteilten Ausländer und Staatenlosen mit 35 Prozent angegeben.