Rheinland-Pfalz Glückloser Lucky

Ein strammer Kerl: Luchs Lucky Anfang Februar nach seinem Kurzbesuch im Wildpark Kaiserslautern.
Ein strammer Kerl: Luchs Lucky Anfang Februar nach seinem Kurzbesuch im Wildpark Kaiserslautern.

«TRIPPSTADT.»Der Luchs mit dem auffälligen Knick im rechten Ohr ist tot: Als Lucky am Montagabend im Elmsteiner Tal einem Reh nachjagte, wurde er von einem Auto erfasst und getötet, teilte Sylvia Idelberger, die Leiterin des Pfälzer Luchsprojektes, gestern in Trippstadt mit. Am Fahrzeug entstand Blechschaden, der Fahrer blieb unverletzt.

Das Reh und unmittelbar dahinter die Katze seien plötzlich bei Helmbach auf die Landstraße gesprungen, berichtete der Fahrer. Offensichtlich versuchte Lucky Beute zu machen. Ein Mitarbeiter des Forstamtes Johanniskreuz informierte das Trippstadter Luchs-Team über den Wildunfall. Vor Ort konnte nur noch der Tod beider Tiere festgestellt werden. Das Luchs-Männchen wurde vier Jahre alt. Ende Juli 2016 war Lucky aus der Slowakei, wo er als verwaistes Jungtier aufgefunden worden war, in die Pfalz gebracht worden. Er gehörte zur ersten Generation des Projektes, mit dem die „Pinselohren“ im Pfälzerwald nach ihrer Ausrottung im 19. Jahrhundert wieder heimisch werden sollen. Das Tier sorgte in seinem kurzen Leben mehrfach für Schlagzeilen. Knapp drei Monate nach seinem unfreiwilligen Umzug von der Slowakei in die Pfalz suchte Lucky zwei Nutztier-Herden im südwestpfälzischen Schwarzbachtal heim: Vier Ziegen und neun Schaflämmer riss er dort. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Pferche noch nicht an allen Seiten durch Elektrozäune gesichert. Der Halter wurde gemäß dem rheinland-pfälzischen Luchs-Managementplan entschädigt. Im folgenden Jahr zeugte Lucky zusammen mit dem Weibchen Kaja die Sprösslinge Filou und Palu. Sie waren der erste Nachwuchs des Wiederansiedlungsprojektes. 2018 hatte das Männchen sogar dreifachen Nachwuchs, dieses Mal mit dem Weibchen Rosa. Anfang Februar dieses Jahres befand sich Lucky wieder auf Freiersfüßen. Dieses Mal brach er auf der Suche nach einer Partnerin sogar in den Kaiserslauterer Wildpark ein. Am nächsten Morgen entdeckten die Tierpfleger plötzlich drei Katzen in dem Gehege, in dem nur zwei Exemplare auf der Verpflegungsliste stehen. Während Kofu, der angestammte Luchs-Mann, humpelte, hatte es sich Lucky neben dem Gehege-Weibchen Chiara gemütlich gemacht. Folgen hatte dieses Rendezvous nicht, wie Sylvia Idelberger gestern informierte: Die für Luchse übliche Tragzeit von 70 Tagen ist längst vorbei, Nachwuchs ist aus dieser Kurzbeziehung also nicht hervorgegangen. Bisher sind durch das Wiederansiedlungs-Projekt der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz 16 Pinselohren aus der Schweiz und der Slowakei in den Pfälzerwald gebracht worden. Vier weitere Tiere sollen, wie geplant, noch umziehen. Zwei junge Luchs-Weibchen verunglückten kurz nach ihrer Freilassung, ein Luchs-Männchen wanderte in die Vogesen ab. Damit leben nach dem Tod von Lucky noch zwölf der 16 von der Stiftung umgesiedelten Tiere. Bisher haben diese „Neu-Bürger“ in vier Würfen für mindestens sieben Jungtiere gesorgt.

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