Kommentar
Freie Wähler: Streit ist sprunghaft
Die Freien Wähler haben es nach ihrem Einzug in den rheinland-pfälzischen Landtag nicht einmal für die Dauer einer einzigen Legislaturperiode geschafft, sich als ernstzunehmende Kraft in der Landespolitik zu behaupten. Deshalb ist das Experiment, das die Partei mit der erneuten Kandidatur von Joachim Streit startet, fragwürdig.
Es wehte ein frischer Wind
Der frische Wind, den Streit 2021 als guter Redner durch das Parlament wehen ließ, der Fleiß und die Akribie von Stephan Wefelscheid im Untersuchungsausschuss „Flutkatastrophe“ waren eine Bereicherung. Streit, der lange als erfolgreicher Landrat in Bitburg-Prüm ans Gestalten, ans Machen gewohnt war, tat sich aber schon relativ bald schwer auf der harten Oppositionsbank im Landtag. Er suchte in der Partei und auf der europäischen Bühne neue Herausforderungen. Damit zeigte er sich sprunghaft. Streit wechselte nach Brüssel, wohl wissend, dass der Laden in Mainz auseinanderzufallen drohte, wenn er als Autorität und als Führungskraft fehlte.
Unerfahrenheit der Gruppe
Die sicher nicht einfache Persönlichkeit Wefelscheids und die Unerfahrenheit der Gruppe begünstigten den Bruch. Unter der Leitung von Helge Schwab ist es ruhiger, aber mit ihrer landespolitischen Arbeit entwickeln die Freien Wähler keine Strahlkraft mehr. Weder inhaltlich noch in der Präsentation.
Sicher kann Joachim Streit zur alten, neuen Strahlkraft verhelfen. Aber was machen die Freien Wähler, wenn es wieder nur für die Opposition reicht? Ein Mann reicht nicht, um Politik zu machen.