Rheinland-Pfalz Falls Sie 1000 Euro finden ...

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Die „Johannisnacht“ in Mainz ist eines der großen Volksfeste in Rheinland-Pfalz. Vier Tage wird bei dem Rummel zu Ehren von Johannes Gutenberg gefeiert, rund 500.000 Besucher sind dabei. So auch am vergangenen Wochenende. Drei Frauen werden genau diese „Johannisnacht“ so schnell nicht vergessen. Die erste ist eine 24-jährige Mainzerin, die gegen 18 Uhr eine der Toiletten am Rheinufer aufsuchte. Auf der Ablage fand sie eine Geldbörse, die deutlich mehr als 1000 Euro enthielt. Der vorherige Nutzer der Toilette musste das Portemonnaie wohl dort hingelegt und dann vergessen haben. Einen Hinweis auf den Besitzer des Geldbeutels gab es nicht, die 23-Jährige lieferte deshalb ihren Fund bei der Polizei ab. Der Normalfall? Oder eher die seltene Ausnahme? Denken nicht die meisten, wenn ein hoher Geldbetrag in einem verlorenen Portemonnaie ist, schwinden die Chancen rapide, dass es ein Finder zurück gibt? Doch offensichtlich sind wir ehrlicher als wir glauben. Das haben zumindest gerade Forscher aus der Schweiz und den USA herausgefunden. In 355 Städten in 40 Ländern stellten sie die Ehrlichkeit der Menschen auf die Probe. Zum Einsatz kamen rund 17.000 Geldbörsen, teils mit Schlüsseln und Geldbeträgen in verschiedener Höhe. Was damit passierte, schildert Christian Zünd von der Universität Zürich im Nachhinein so: „Wir sind zum Empfang gegangen von einem Hotel oder einer Bank oder was Ähnlichem und haben das da als Fund abgegeben.“ Die Portemonnaies enthielten Visitenkarten mit einer Adresse – ob versucht wurde, das vermeintlich verlorene Stück dort abzuliefern, war nun die spannende Frage. Das überraschende Ergebnis: Je mehr Geld in den Brieftaschen war, um so häufiger wurde der Besitzer kontaktiert. War gar keine Barschaft enthalten, kamen die Geldbeutel deutlich seltener zurück. Beispiel Stuttgart: Dort landeten nur 42 Prozent der Börsen ohne Geld bei der Person auf der Visitenkarte, mit Geld waren es 61 Prozent. Der aktuelle Fall aus Mainz legt nahe, dort wäre die Studie wohl zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Oder in Kaiserslautern: Dort hatte im April eine 45-Jährige ein Mäppchen mit 1000 Euro im Stadtgebiet verloren. Ein 51-jähriger Mann entdeckte es und brachte das Fundstück zur Polizei. Anhand einer Quittung konnte die Polizei die Besitzerin ermitteln. Im Fall der Mainzer Geldbörse ist dazu erheblich mehr Detektivarbeit erforderlich. Die zweite Frau, die diese Johannisnacht so schnell nicht vergessen wird, spielt dabei eine entscheidende Rolle: eine 22-jährige Praktikantin bei der Polizei, im ersten Lehrjahr und auf ihrer allerersten Station: Wie gesagt, in der Geldbörse gab es keinen Hinweis auf den Besitzer. Das Einzige, was die Praktikantin entdeckt, war der Brillenpass einer Optikerkette mit Kundennummer. Die Ermittlungen ergeben schließlich einen Namen, aber ohne Adresse. Weitere Recherchen. Dann eine Handynummer: Es meldet sich eine junge Frau – wie sich herausstellt die Tochter der Geldbörsenbesitzerin. Doch warum werden ausgerechnet Portemonnaies mit viel Geld häufiger zurückgegeben? Weshalb sind die Finder da besonders ehrlich? Wissenschaftler Christian Zünd: „Was sich gezeigt hat, ist, wenn da kein Geld drin ist, dann fühlt sich das nicht wie Stehlen an. Wenn da etwas über zehn Euro drin sind, fühlt sich das plötzlich bereits wie Stehlen an. Wenn da deutlich mehr Geld drin ist, so gegen 100 Euro, dann fühlt sich das so richtig wie Stehlen an – und die Leute mögen es nicht, wenn sie sich als Diebe fühlen müssen.“ Trotz solcher wissenschaftlicher Erkenntnisse: Die Besitzerin des Geldbeutels aus der Mainzer Toilette hatte kaum noch daran geglaubt, ihre über 1000 Euro wieder zu bekommen. Die 39-jährige Betreiberin eines Imbissstandes auf dem Johannisfest habe ihre Tageseinnahmen eigentlich schon abgeschrieben gehabt, sagte ein Polizeisprecher. Doch dann kam alles anders. Ein Glücksfall. Ob es nach alldem jetzt ratsam ist, immer besonders viel Bares in der Brieftasche zu haben? Besser nicht. Denn eine Garantie, dass Finder ehrlich sind, gibt es nicht ... | Rolf Schlicher

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