Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Für ein paar Gramm Platin – an Autos wird immer häufiger der Kat geklaut

Katalysator am Unterboden eines Opel Astra.
Katalysator am Unterboden eines Opel Astra.

Kriminelle haben es auf die Edelmetalle abgesehen, die in den Abgasreinigern stecken. Eine offizielle Statistik dazu gibt es nicht, aber RHEINPFALZ-Recherchen zeigen: In der Pfalz schlagen die Kat-Diebe besonders häufig zu.

Ihren Opel Astra hatte die 71-jährige Frau auf dem Wurstmarkt-Parkplatz in Bad Dürkheim abgestellt. Was passierte, als sie mit dem Wagen wieder losfahren wollte, schilderte die Polizei später so: „Die Frau hörte einen ohrenbetäubenden Krach und wunderte sich, warum ihr Opel wie ein Panzer klingt.“ Das Auto wurde in eine Werkstatt geschleppt, wo man schnell feststellte, dass der Katalysator ausgebaut worden war.

Früher wurden Autoradios gestohlen, dann Navis. Heute sind es offenbar die Kats. Nahezu wöchentlich werden bei der Polizei in der Pfalz solche Diebstähle angezeigt. Rund 60 Vorgänge waren es in diesem Jahr bereits bis Ende Oktober. Und: Bei einer Anzeige geht es mitunter gleich um mehrere Fälle.

Auch eine Auswertung des ADAC zeigt, dass der Katalysator-Klau ein Phänomen jüngeren Datums ist. In der ersten neun Monaten des Jahres wurden die ADAC-Pannenhelfer 240 Mal gerufen, weil an Fahrzeugen Katalysatoren ausgebaut worden waren. 2017 waren es nur 38 Fälle, im vergangenen Jahr bereits 169. Und das sind nur die Schäden, die der ADAC-Straßenwacht gemeldet werden. Das tatsächliche Ausmaß des Kat-Klaus ist deshalb viel größer.

Das machen die Täter mit ihrer Beute

Der keramische Kat-Kern ist mit den Edelmetallen Platin, Palladium und Rhodium beschichtet. Die teuren Stoffe ermöglichen erst die Umwandlung der Giftstoffe in unschädliche Gase. Die „Platingruppenmetalle“ (PGM) machen insgesamt bis zu drei Gramm aus. „Es ist zu vermuten, dass die Täter entweder die in den Katalysatoren enthaltenen Edelmetalle verwerten oder die ausgebauten Katalysatoren auf dem Ersatzteilmarkt veräußern“, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz, Michael Hummel.

Der ADAC führt die wachsende Anzahl der geklauten Katalysatoren auf den hohen Preis der darin verbauten Rohstoffe zurück. Aufgrund immer strengerer Abgasvorschriften benötigten die Fahrzeughersteller teilweise immer mehr Platin, um mit noch besseren Katalysatoren umweltfreundlichere Fahrzeuge produzieren zu können. ADAC-Sprecher Andreas Hölzel: „Die entwendeten Katalysatoren lassen sich recyceln; das so gewonnene Platin kann anschließend den Herstellern der Katalysatoren wieder angeboten werden.“

Die durchschnittlich drei Gramm Edelmetall, die in einem Kat stecken, sind zwischen 150 bis 200 Euro wert. Nach Erkenntnissen des ADAC haben es die Täter vor allem auf das Platin abgesehen: „Wir vermuten, dass Palladium und Rhodium eine eher untergeordnete Rolle spielen, weil diese in Katalysatoren viel weniger zum Einsatz kommen.“ Deren Preis liege zwar höher als der von Platin, aber deren Menge sei in der Regel sehr gering, sagt Hölzel. Platin werde dagegen schon seit Jahrzehnten in Katalysatoren verwendet.

Das sind die Tatorte der Kat-Diebe

Immer wieder schlagen Täter nachts beispielsweise bei Autos zu, die in Wohngebieten geparkt sind. Tatorte in der Pfalz waren zuletzt beispielsweise Germersheim, Kaiserslautern, Ludwigshafen, Frankenthal und Neustadt. Aber auch in kleineren Gemeinden ist man vor dem Kat-Klau nicht sicher: In Lemberg (Kreis Südwestpfalz) wurde beispielsweise an einem 3er BMW der Katalysator abgetrennt, der in der Einfahrt eines Anwesens abgestellt war.

Doch die Täter operieren auch gerne an ganz bestimmten Orten:

Autohändler: Vergangene Woche brachen unbekannte Täter in Münchweiler (Kreis Südwestpfalz) in das umzäunte Betriebsgelände eines Autohändlers ein. Mit einem firmeneigenen Wagenheber wurden die Fahrzeuge, zwei 190er Mercedes-Benz und ein Mazda SUV, angehoben, jeweils ein Rad abmontiert und die Katalysatoren abgetrennt. Bei einem Autohändler im Mannheimer Stadtteil Käfertal wurden in einer Nacht gar gleich an 20 Fahrzeugen die Katalysatoren abgesägt. Auch einen Autohändler in Frankenthal traf es mehrfach – der Schaden: rund 8000 Euro.

Mitfahrer-Parkplätze: In Kaiserslautern erwischte es auf dem Mitfahrer-Parkplatz im PRE-Park im September einen 21 Jahre alten VW Passat. Auf dem Mitfahrer-Parkplatz neben der A 62 in Freisen (Kreis St. Wendel) wurde gleich an mehreren Autos die Katalysatoren abgeflext.

Firmenparkplätze: Mitten am Tag wurde im September auf dem Parkplatz einer Firma in Meisenheim (Kreis Bad Kreuznach) der Kat eines Audi A4 herausgetrennt.

Das sind die bevorzugten Autotypen

Nach Angaben des ADAC machen sich die Kat-Diebe vor allem an älteren Modellen von Opel Astra – so wie im Fall der Seniorin in Bad Dürkheim – und VW Polo zu schaffen. Warum ausgerechnet diese beiden Fahrzeugmarken bevorzugt werden, dazu hat der ADAC keine Erklärung. „Unsere Techniker wissen nur zu berichten, dass man an die Katalysatoren älterer Fahrzeuge sehr viel leichter rankommt als bei neueren“, sagt ADAC-Sprecher Hölzel. Bei Fahrzeugen neueren Baujahrs sei der Ausbau des Kats sehr zeitaufwendig und komme daher kaum in Frage.

Das konnte die Polizei bisher ermitteln

Verglichen mit den anderen Landesteilen von Rheinland-Pfalz sind die Kat-Diebe in der Pfalz besonders häufig aktiv. Im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz gab es bis Ende Oktober 20 Anzeigen wegen Katalysator-Diebstählen. Beim Polizeipräsidium Koblenz kann man sich nur an einen Fall erinnern. Der Sprecher des Präsidiums Trier wies darauf hin, dass das „Diebesgut Katalysator“ in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nicht explizit erfasst werde und er deshalb auch keine valide Zahlen nennen könne. Doch man darf vermuten: Wenn es im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Trier fast wöchentlich einen Fall von Katalysator-Diebstahl gäbe, wie dies in der Pfalz der Fall ist, wäre das der Pressestelle bestimmt aufgefallen.

Fahndungserfolge gibt es bei diesem Delikt so gut wie keine. Aufgrund fehlender Individualnummern gestalte sich die Zuordnung aufgefundener oder sichergestellter Katalysatoren schwierig, nennt der Westpfälzer Polizeisprecher Michael Hummel dafür einen der Gründe. Dazu kommt: Beobachtungen von Zeugen sind rar; was vermutlich daran liegt, dass die Diebe für ihre Taten nicht viel Zeit brauchen. Nachdem in Pirmasens mal wieder zwei Fälle angezeigt wurden, hieß es bei der Polizei: „Die Katalysatoren sind mittels Akkuflex fachgerecht vom Auspufftrakt abgetrennt worden; das Ganze dürfte jeweils nicht länger als eine Minute gedauert haben.“

Das ist der Schaden bei betroffenen Autofahrern

Wer wie die 71-jährige Frau in Bad Dürkheim nach einem Kat-Diebstahl in die Werkstatt muss, sollte mit Reparaturkosten von 500 bis 1200 Euro rechnen. Mitunter auch mehr. Denn nicht alle Kat-Diebe sind Profis. In St. Ingbert hatten unbekannte Täter im Oktober mehrfach vergeblich versucht, an einem Mitsubishi Lancer den Katalysator auszubauen. Ergebnis laut Polizei: „Hierbei wurde das Fahrzeug erheblich beschädigt.“

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