Rheinland-Pfalz Experte: Leitung geleert und gespült

Unglücksstelle: Verformte Leitungen im Rohrgraben.
Unglücksstelle: Verformte Leitungen im Rohrgraben.

«Frankenthal.»Im Prozess um das tödliche BASF-Unglück hat am Dienstag ein für Arbeitssicherheit zuständiger Aniliner über die Vorschriften des Konzerns bei Tätigkeiten auf dem Werksgelände als Zeuge berichtet. Er sagte aus, dass an der Arbeitsstelle in einem Rohrgraben die entsprechende Leitung geleert war und sich der Chemiekonzern an die Vorgaben gehalten habe.

Um die Sicherheit bei Arbeiten an Anlagen in der BASF zu gewährleisten, gibt es ein Erlaubnisscheinsystem, das gestern ausführlich vorgestellt wurde. Bei der Gefährdungsbeurteilung gehe es darum, wie gearbeitet werde, was dabei passieren könne und wie man sich vor Risiken schützen könne, sagte der 58-Jährige, der fast 20 Jahre als Fachkraft für Arbeitssicherheit in der Anilin tätig ist. Das Scheinsystem der BASF sei von der Gewerbeaufsichtsbehörde in Neustadt genehmigt. Der Zeuge sagte aus, dass vor den Arbeiten in einem Rohrgraben im Nordhafen die entsprechende Propylen-Leitung geleert und gespült worden sei. Zudem habe es eine Probebohrung gegeben, um sich zu vergewissern, dass die Leitung tatsächlich leer war, bevor die Arbeiten Mitte Oktober 2016 begannen. „Ich hätte vor dem Unglück die Arbeiten als nicht so kritisch eingestuft“, sagte der BASF-Mitarbeiter. An dem Rohr hätten an zwei Stellen zwei Trupps gearbeitet, die jeweils aus einem Schweißer, einem Schlosser und einem Brandsicherungsposten bestanden. Auch die Sicherungsposten stammten von einer externen Firma, seien aber geschult gewesen. Nach einer Einweisung durch BASF-Mitarbeiter vor Ort habe der Vorarbeiter der Fremdfirma die Tätigkeiten zu überwachen. Von Seiten der BASF habe es stichprobenartige Kontrollen gegeben. Es habe keine Verpflichtung gegeben, dass ein BASF-Mitarbeiter die ganze Zeit neben den Arbeitern stehen musste, sagte der Zeuge auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft. Die BASF müsse als Betreiber sicherstellen, dass an ihren Anlagen von Fachfirmen gefahrlos gearbeitet werden könne. Für den ordnungsgemäßen Ablauf der Arbeiten sei die Aufsicht der beauftragten Firma verantwortlich. Bei unvorhergesehenen Ereignissen müssten die Arbeiten sofort eingestellt werden, der Sicherungsposten habe sofort den BASF-Betrieb zu informieren, so der Zeuge. Die Eltern eines Werkfeuermanns, der wie ein Kollege bei dem Unglück ums Leben gekommen ist, treten im Prozess als Nebenkläger auf. Ihr Anwalt spekulierte, ob bei den Rohrarbeiten im Nordhafen alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Der BASF-Arbeitschutzexperte verwies darauf, dass vor dem Unglück am 17. Oktober 2016 die Trupps der Fremdfirma schon an zwei Arbeitstagen zuvor in dem Rohrgraben eingesetzt waren. Dabei sei alles richtig gelaufen. Wie es trotzdem zu dem Unglück kommen konnte, wurde bisher im Prozess nicht deutlich. Die Anklage macht einen 63-jährigen Schweißer alleine verantwortlich für die Katastrophe, die fünf Todesopfer forderte und bei der 40 Menschen teils schwer verletzt worden sind. Der als Leasingkraft für die Fremdfirma tätige Mann soll ein gefülltes statt das leere Rohr angeschnitten und so das Unglück ausgelöst haben. Der Angeklagte will sich erst am Ende des Verfahrens zu den Vorwürfen äußern. Vor dem Prozess hatte er den Ermittlern gesagt, er könne sich nicht erklären, wie ihm so ein Fehler unterlaufen konnte. Am gestrigen fünften Verhandlungstag verdichteten sich die Hinweise, dass es Nachlässigkeiten bei der Verlängerung des Arbeitsscheins für den Einsatz der Fremdfirma gegeben haben könnte. Doch bisher ist fraglich, ob dies eine Rolle bei dem Unglück gespielt hat. Die BASF hat nach Angaben des Arbeitschutzexperten nach dem Unglück ihre Vorschriften für Reparaturen an Rohrleitungen geändert. Reichten damals noch Markierungen mit Kreide oder Filzstiften aus, so werde heute eine Banderole auf das Rohr geklebt, an dem gearbeitet wird. BASF-Mitarbeiter und die ausführenden Handwerker müssten auf der Banderole unterschreiben. Außerdem dürften nur noch funkenarme Werkzeuge eingesetzt werden. Dies soll verhindern, dass sich so ein Unglück noch einmal ereignen kann. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

x