Rheinland-Pfalz
Einkaufen mit Frischebox statt Einwegtüte
Lebensmittelkontrolle erlaubt zwei Varianten an Frischetheken – Auch im Supermarkt Müll reduzieren
„Jetzt neu – Box mitbringen und Umwelt schonen!“. Seit einem halben Jahr können Kunden der Edekamärkte Schneider in Neustadt und Hochdorf-Assenheim (Rhein-Pfalz-Kreis) ihre eigenen Vorratsdosen mitbringen und sich Wurst, Käse, Fleisch oder Fisch unverpackt hineinlegen lassen. Andere Supermärkte haben nachgezogen. In der Pfalz ist es auch bei Globus möglich, an der Frischetheke auf Einwickelpapier und Plastiktüten zu verzichten. „Mir ist es wichtig, Müll zu reduzieren“, sagt Dominik Schneider, Inhaber der beiden Edeka-Märkte in Neustadt und Hochdorf-Assenheim. Natürlich sei das Ganze nur ein erster Schritt, doch er hoffe auf viele Nachahmer. Einige Märkte hätten sich angeschlossen, aber noch habe sich das umweltfreundliche System an den Wursttheken nicht durchgesetzt.
"Freuen uns über jeden, der mitmacht"
„Bei den Kunden kommt das Angebot gut an“, so Schneider. Bislang seien es allerdings erst maximal zwei Prozent der Einkäufer, die eigene Frischhaltedosen dabei hätten. Der Marktinhaber geht aber davon aus, dass die Nutzerquote weiter steigen wird, denn die Reaktionen seien durchweg positiv. „Leute sehen das Schild und bringen beim nächsten Einkauf eine Box mit“, sagt Schneider. „Das Ganze wird sich noch in den Köpfen verankern.“ Der bebilderte Hinweis auf der Theke soll Hemmschwellen bei den Kunden abbauen, sie für das Umweltprojekt gewinnen. „Mein Team freut sich über jeden, der mitmacht“, so Schneider. Nach Angaben des Marktinhabers musste das System mit der Lebensmittelkontrolle und mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden, damit die Vorschriften erfüllt werden. Vor kurzem war der zuständige Lebensmittelkontrolleur in Neustadt, um sich davon zu überzeugen, dass alles hygienisch einwandfrei abläuft. Das bestätigt Sina Müller, Sprecherin der Kreisverwaltung Bad Dürkheim, auf Anfrage: „Alles war in Ordnung. Es können keine Keime übertragen werden.“
Der Trick mit dem Tablett
Nach Auskunft der Dürkheimer Lebensmittelkontrolle werden derzeit bundesweit zwei Varianten getestet, um die hygienisch unbedenkliche Übergabe von Wurst, Fleisch, Käse oder Fisch zu gewährleisten: betriebseigene Mehrwegdosen aus Plastik gegen Pfand oder Serviertabletts, auf denen die von Kunden mitgebrachten Behälter gestellt werden. In Neustadt und Hochdorf wird die zweite Variante praktiziert: Die Mitarbeiter stellen ein Tablett auf die Theke, der Kunde platziert darauf seine geöffnete Box. Das Tablett bleibt auf der Theke stehen, die Wurst wird auf einem Papier abgewogen und unverpackt in die Dose gelegt. Dabei darf das Personal den Behälter nicht berühren. Der Kunde schließt die Dose selbst, erhält das Etikett und klebt es auf den Deckel. Das Tablett bleibt immer hinter der Glastheke. Somit ist laut Lebensmittelkontrolle sichergestellt, dass die Kundendose keinerlei Berührungspunkte mit den Gerätschaften oder Arbeitsflächen des Betriebes hat. Dem Kunden wird eine hygienisch einwandfreie Ware verkauft, der Markt erfüllt seine Sorgfaltspflicht im Umgang mit empfindlichen Lebensmitteln und schützt sich so vor Reklamationen. An diesem Verfahren ist nach Ansicht der Fachleute nichts zu beanstanden.
Die andere Methode: Pfand-Mehrwegboxen
Dies bestätigt auch das Gesundheitsamt in Ludwigshafen. Bei einer routinemäßigen Betriebskontrolle im Hochdorfer Markt sei genau besprochen worden, wie mit den mitgebrachten Behältern umgegangen werden müsse, sagt Kornelia Barnewald, Sprecherin der Kreisverwaltung. Wichtig sei, dass das Serviertablett nach der Übergabe wieder gereinigt werde. Wie viele Edekamärkte in der Pfalz die Variante mit dem Tablett umsetzen, ist bei Edeka Südwest nicht bekannt. Jeder Inhaber, sagt eine Unternehmenssprecherin, könne selbst entscheiden, wie umweltfreundlich sein Markt sei. „Auch unsere mehrfach verwendbaren Obst- und Gemüsenetze stehen allen zu Verfügung.“ Mittlerweile könnten die Supermärkte gegen Pfand auch eine Mehrwegbox aus Plastik ausgeben. Vorreiter war hier im vergangenen Jahr ein Edekamarkt in Norddeutschland. Kunden können dort so eine Dose an der Frischetheke kaufen. Beim nächsten Einkauf wandert die leere Dose in eine Sammelbox und wird gegen eine neue ausgetauscht. Die zurückgegebenen Dosen werden in der Filiale gereinigt. Christian Deutscher von Edeka Südwest findet diese Variante weniger praktikabel als das Tablett. „Der Kunde kann die Box doch selbst spülen. Beim nächsten Gebrauch wird sie auch auf das Tablett gestellt und wieder von uns gefüllt.“ Dies erscheine ihm umweltfreundlicher.
Wasgau: Methoden nicht sauber genug
Auf Nachfrage bei der Globuszentrale in Karlsruhe sagt Sprecherin Tanja Stopper, dass mittlerweile alle Märkte in der Pfalz mitgebrachte Behälter an den Frischtheken annehmen. Auch bei Globus wird ein Serviertablett benutzt. Bei der Wasgau AG Pirmasens wird momentan ein Konzept für die Pfälzer Supermärkte erarbeitet. Das Unternehmen lehnt es bislang aus hygienischen Gründen ab, Wurst, Fleisch oder Käse in mitgebrachte Dosen zu füllen. Man habe sich das angesehen, finde aber die Methode der anderen Supermärkte nicht sauber genug. Außerdem wolle man Kunden Wartezeiten ersparen, hieß es dazu in Pirmasens. Die Wasgau AG glaubt nicht, dass tatsächlich Ressourcen mit dem Angebot eingespart werden können.