Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Stunde mehr Deutsch für Zweitklässler

Sollen fitter in den wichtigsten Fächer werden: Grundschülerinnen und -schüler in Rheinland-Pfalz.
Sollen fitter in den wichtigsten Fächer werden: Grundschülerinnen und -schüler in Rheinland-Pfalz.

Rheinland-pfälzische Grundschulkinder sollen besser Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) weitet deshalb den Unterricht aus und sie will früher gegen mögliche Sprachdefizite ankämpfen. Was das für Eltern bedeutet.

Weil zu viele Grundschulkinder in den elementaren Fähigkeiten, dem Lesen, Schreiben und Rechnen, schlecht sind, will die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) mehr Deutsch unterrichten lassen. Vorgesehen ist auch eine vorgezogene Schulanmeldung. Das kündigte Hubig am Mittwoch in Mainz an.

Nicht erst der Weckruf aus Ludwigshafen rückte die Probleme an den Grundschulen in den Fokus. Die Leiterin der Gräfenau-Grundschule im Stadtteil Hemshof machte Anfang April öffentlich, dass 40 von 120 Erstklässlern das Sitzenbleiben drohe, vor allem wegen zu schlechter Deutschkenntnisse.

Alarmierende Ergebnisse von Bildungsstudien

Bereits im Oktober 2022 ergab die IQB-Bildungsstudie, dass bundesweit 30 Prozent der Viertklässler die Rechtschreibung nicht so beherrschten, wie sie es in dem Alter sollten. In Rheinland-Pfalz lag der Wert bei 27,8 Prozent. In Mathematik schafften 17,7 Prozent die Anforderungen nicht. Im Mai folgte die sogenannte Iglu-Studie, nach der bundesweit ein Viertel der getesteten Viertklässler beim Lesen schwächelt.

In Rheinland-Pfalz sollen die Zweitklässler ab dem neuen Schuljahr 2024/2025 eine Stunde mehr Deutsch haben. Nach den Worten von Bildungsministerin Stefanie Hubig bedeutet das für Halbtagsschulen, dass Kinder an einem Wochentag eine Stunde später, also erst um 13 Uhr nach Hause gehen. Damit werden nach ihren Worten die Empfehlungen der Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz umgesetzt. Derzeit werden in der zweiten Klasse pro Woche sechs Stunden Deutsch und sechs Stunden Mathematik unterrichtet. Aus dem Bildungsministerium heißt es, dass auch in anderen Fächern, etwa in Sachkunde, gelesen und geschrieben werde. Für den erweiterten Unterricht will das Land 80 zusätzliche Lehrkräfte einstellen. Täglich solle eine verbindliche Lesezeit eingeführt werden. An vielen Schulen gebe es bereits jetzt eine tägliche Übungseinheit für die Rechtschreibung und für das Kopfrechnen.

Ein halbes Jahr früher anmelden

Um Kinder, die nicht ausreichend deutsch sprechen, noch vor dem Schulbeginn besser fördern zu können, müssen Eltern den Nachwuchs künftig eineinhalb Jahre vor der Einschulung anmelden, das ist ein halbes Jahr früher als bisher. Für Kinder, die keine Kindertagesstätte besuchen, gibt es bereits jetzt eine verpflichtende Sprachstandserhebung. Wird ein Sprachförderbedarf erkannt, werden die Eltern aufgefordert, ihr Kind in einer Kita anzumelden.

Dort, wo es an Kitaplätzen fehle, seien Jugendämter angehalten, diesen Kindern bevorzugt einen Platz zu geben, sagte Hubig. Die Schule könne die Sprachförderung in der Kindertagesstätte sogar anordnen. In den Kitas gibt es keinen Extra-Unterricht, die Sprache soll alltagsintegriert vermittelt werden. In den vergangenen Jahren seien bei den Sprachstandserhebungen landesweit jeweils etwa 150 Kinder identifiziert worden, die einen Förderbedarf hatten. Zum Vergleich: In einem Grundschuljahrgang sind etwa 25.000 Kinder. Tatsächlich liege der Anteil der Kinder, die mit mangelnden Deutschkenntnissen in die Schule kommen, aber höher, heißt es aus dem Bildungsministerium. Exakte Zahlen gibt es dazu nicht, die Schätzungen gehen von etwa 20 Prozent aus. „Die Perspektive ist, dass bei allen Kindern Sprachstandserhebungen stattfinden“, sagte Hubig. Also auch bei jenen, die bereits eine Kita besuchten. Genaue Zahlen dazu hat das Ministerium auch nicht, es sollen aber mehr als 95 Prozent sein, die zumindest im letzten Jahr vor der Einschulung in eine Kita gehen.

Fremdsprachen erst später

Eine weitere Maßnahme ist, dass der Fremdsprachenunterricht erst ab der dritten Klasse anfange, nicht schon in der ersten. Und die Programme „Lesen macht stark“ und „Mathe macht stark“ sollen auf alle Grundschulen ausgeweitet werden. Außerdem wird das Land das zunächst vom Bund finanzierte Corona-Aufholprogramm auf eigene Kosten weiterlaufen lassen, die Kosten liegen bei 14,5 Millionen Euro pro Jahr. Zusätzlich werden an den fast 60 Grundschulen in sozial herausfordernder Lage in diesem und im nächsten Jahr 2,5 Millionen Euro für die Förderung der Schulsozialarbeit bereitgestellt.

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