Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Frage des Alters: Die goldenen Spitzen der Großen Bartfledermaus

Ab dem Alter von etwa sieben Jahren färben sich die Spitzen des Fells der Großen Bartfledermaus gold.
Ab dem Alter von etwa sieben Jahren färben sich die Spitzen des Fells der Großen Bartfledermaus gold. Foto: NABU/Christian Stein

Serie „Pfälzer Spitzen“ (12): Bei einer Körpergröße von lediglich fünf Zentimetern ist der Name der Großen Bartfledermaus nicht gerade Programm. Ein Markenzeichen dieser Fledermaus, die auch in der Pfalz heimisch ist: Die Spitzen ihres Fells färben sich mit zunehmendem Alter gold.

Während menschliche Haare mit zunehmenden Lebensjahren an Farbe verlieren und grau und weiß werden, altert die Große Bartfledermaus in Würde: Ihr Deckhaar färbt sich gold. „Diese goldenen Spitzen bilden sich aber erst bei Tieren aus, die etwa sieben Jahre alt sind, vorher ist das Haar braun“, erklärt Heinz Wissing. Der 81-jährige Landauer gilt als einer der Fledermausexperten in der Pfalz. Gemeinsam mit Hans König hat der ehemalige Lehrer für Biologie und Geografie 2007 das Buch „Die Fledermäuse der Pfalz: Ergebnisse einer 30-jährigen Erfassung“ herausgegeben. Sein Wissen über die geflügelten Säugetiere hat sich Wissing in unzähliger Fachliteratur angelesen und auf nächtlichen Expeditionen durch die Pfälzer Wälder selbst erarbeitet.

Nicht einfach zu unterscheiden

Auch mit der Großen Bartfledermaus hat sich der Südpfälzer beschäftigt. Und die sei von ihrer Schwester – der Kleinen Bartfledermaus – gar nicht so einfach zu unterscheiden. „Dass es sich um zwei Arten handelt, ist erst seit 1970 bekannt. Die Unterschiede sind nur schwer zu erkennen“, sagt Wissing. Ein Merkmal, in dem sich die beiden Fledermausarten unterscheiden, ist der Innenbereich der Ohren, der bei der Großen Bartfledermaus hell und bei der Kleinen dunkel gefärbt ist. Außerdem unterscheiden sich die Tiere auch an den Zähnen. „Bei der Größe braucht man schon eine Lupe, um die Unterschiede zu sehen. Und bei lebenden Fledermäusen ist es quasi unmöglich – zumal besonders die Kleine Bartfledermaus ziemlich bissig sein kann“, berichtet der Landauer schmunzelnd.

In Rheinland-Pfalz wurde die Große Bartfledermaus oder Brandtfledermaus (Myotis brandtii) erstmals im Jahr 1987 nachgewiesen. Wie viele Exemplare in der Pfalz leben, lässt sich laut Wissing allerdings nicht genau sagen. Generell sei es schwierig, die Anzahl von verschiedenen Fledermausarten zu bestimmen. „Das sind heimliche Tiere. Und so viele Spinner, die nachts mit der Taschenlampe durch den Wald laufen und versuchen sie aufzuspüren, gibt’s nicht“, sagt der Experte und schmunzelt.

Zwei Wochenstuben in der Pfalz

Bestätigen lasse sich allerdings, dass es in der Pfalz zwei Wochenstuben der Großen Bartfledermaus gibt, in denen mehrere Weibchen ihre Jungen zur Welt bringen: in Dannenfels am Donnersberg und in einem Pumpenhäuschen in der Hördter Rheinaue im Landkreis Germersheim. „Die Männchen werden in diesen Quartieren normalweise nicht geduldet“, berichtet Wissing. Die erledigten ihre Aufgabe bereits davor. „Die Männchen begatten die Weibchen kurz vor oder während der Winterschlafphase. Die Spermien werden über den Winter konserviert, der Eisprung findet erst danach statt.“ In dem Pumpenhäuschen am Rhein versammelten sich jährlich schätzungsweise zwischen 50 und 60 Weibchen, am Donnersberg seien es eher weniger. Auch in den Wochenstuben sei es nur schwer möglich, eine genaue Anzahl der Tiere auszumachen. „Fledermäuse sind sehr soziale Tiere. Sie hängen oft ganz dicht nebeneinander. Das macht es schwierig, sie zu zählen – vor allem im Dunklen.“

Unabhängig von den Wochenstuben ließen sich einzelne Exemplare aber durchaus in der ganzen Pfalz finden. „Wir haben unter anderem Bartfledermäuse in Obermoschel, bei Bad Bergzabern, Ilbesheim, Schweix, Ludwigshafen, Speyer und im Elmsteiner Tal gesichtet“, berichtet der 81-Jährige. Fledermäuse seien sehr ortstreu und kehrten oft zu bekannten Plätzen zurück. „In Dahn nutzen Fledermäuse zum Beispiel seit Jahrhunderten eine Kirche als Winterquartier“, informiert Wissing.

Insekten auf der Speisekarte

Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz bevorzugt die Große Bartfledermaus als Lebensraum vor allem Mischwälder, in denen es Gewässer gibt. Dort findet sie laut Wissing auch viele Insekten, die ganz oben auf ihrem Speiseplan stehen. „Die Bartfledermaus frisst vor allem Schmetterlinge, Spinnen, Schnaken oder Fliegen. Davon gibt es in feuchten Bereichen viele.“

Die Säugetiere könnten zwar auch manchmal tagsüber gesichtet werden, meistens seien sie aber in der Dämmerung oder nachts auf der Jagd. „Wenn es noch nicht so dunkel ist, kann man sie auch ganz gut sehen.“ Erkennen könne man Fledermäuse an ihrem Flugstil. „Die fliegen nicht so gerade wie ein Vogel, sondern machen viele schnelle Kehrwendungen.“

Die Serie

Der 1. FC Kaiserslautern spielt nach dem Abstieg auch in der neuen Saison in der Dritten Liga – auf Erstliga-Spitzenfußball müssen die Pfälzer also erst einmal weiter verzichten. Doch es gibt genügend Spitzenmäßiges in der Pfalz zu entdecken. In der Serie „Pfälzer Spitzen“ werfen wir einen Blick darauf. Zuletzt erschienen:

„Schwer auf Zack“ – der Hauensteiner Kastanienschuh (15. August); „Feingefühl für Schärfe“ – die Damastmesser aus Maikammer sind bei Sammlern und Küchenchefs heiß begehrt (6. April 2019); „Spitze gegen die Protestanten“ – wie sich in Speyer die Baumeister Konkurrenz machten (1. Februar 2019).

Der Landauer Heinz Wissing ist Experte für Fledermäuse.
Der Landauer Heinz Wissing ist Experte für Fledermäuse. Foto: soma
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