Rheinland-Pfalz Ein Wunschzettel für den Pfälzerwald
«BAD DÜRKHEIM.» Wie soll das Biosphärenreservat Pfälzerwald in den nächsten zehn Jahren weiterentwickelt werden? Dazu hatte der Bezirksverband Pfalz Vertreter von Gemeinden, Verbänden, Behörden und Organisationen gestern zu einer gemeinsamen Ideensammlung ins Bad Dürkheimer Pfalzmuseum für Naturkunde eingeladen. Der Wunschzettel ist lang.
Als Diskussionsgrundlage präsentierte das Biosphären-Team um Friedericke Weber den Dialog-Teilnehmern einen Entwurf des Strategiepapiers: Bewährtes wie grenzüberschreitende Bauernmärkte oder Beweidungsprojekte, die verhindern, dass reizvolle Wiesentäler zuwachsen, sollen fortgesetzt werden. Neue Impulse wird es in der Zusammenarbeit mit den Kommunen geben. Außerdem werden Bildungsarbeit, Forschung und Kommunikation verstärkt. Zudem soll das „Handlungsprogramm für 2019 bis 2028“ laut Weber nicht mehr so kleinteilig wie das Vorläuferpapier ausfallen. Vielmehr werde ein grobes Raster vorgegeben und nach drei Jahren geprüft, ob es noch aktuell ist. Allerdings umfasst der erste Entwurf bereits fünf DIN-A4-Seiten. „Wo bleibt die Dachmarke für den Pfälzerwald?“, war in der Diskussion eine der ersten Teilnehmer-Fragen. „Welche Rolle sollen Natursport-Aktivitäten wie Wandern, Klettern, Reiten oder Kanufahren künftig im Pfälzerwald spielen?“, war ein weiteres Thema. „Der Hauptwirtschafter im Pfälzerwald ist der Forst“, warf Heinz Schlapkohl vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein. „Dieser schwierige Akteur hat auch beim Naturschutz das Sagen“, werde aber in dem Papier kaum angesprochen. Ruth Ratter, Bezirkstagsmitglied der Grünen, warb dafür, von fossilen Brennstoffen wegzukommen und stattdessen die E-Mobilität voran zu bringen. Und ein Teilnehmer wollte wissen: Welche Rolle beansprucht das Biosphärenreservat für sich? Der Bezirksverband Pfalz als Träger des Biosphärenreservates „muss die Schaltzentrale aller Aktivitäten sein“, sagte der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder (CDU) zu Letzterem. „Er muss nicht der Macher sein, aber er muss Bescheid wissen.“ Vieles laufe nebeneinander her. Für eine Strategie seien aber Informationen nötig. Dies gelte auch für die touristischen Aktivitäten. Da laufe vor Ort viel Gutes. „Wenn es aber darum geht, über den Kirchturm hinauszuschauen, wird die Luft dünn.“ Der Erlebnistag an der Weinstraße ziehe alljährlich Hunderttausende Besucher an. Eine ähnliche Wirkung wäre wohl auch mit einem Pfälzerwald-Erlebnistag zu erzielen. Doch dazu brauche es die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Das Thema Dachmarke hat sich nach Wieders Worten als „komplex“ erwiesen, dennoch werde weiter daran gearbeitet. Notwendig seien regionale Partner, die Produkte zuverlässig über einen längeren Zeitraum und in ausreichender Menge in die Regale des Handels stellen können. Einen lange gehegten Punkt auf dem Wunschzettel kann der Bezirkstagsvorsitzende wohl abhaken: Aus dem Mainzer Verkehrsministerium sei signalisiert worden, dass in absehbarer Zeit an den Schildern am Ortseingang ein Zusatz angebracht werden darf. Darauf soll, wie in der Rhön längst geschehen, hingewiesen werden, dass man sich hier im Biosphärenreservat Pfälzerwald befindet. Davon versprechen sich die Befürworter einen höheren Bekanntheitsgrad. Und wie geht es weiter? – Für den nächsten Montag ist von 10 bis 16 Uhr eine weitere Dialogveranstaltung im Hauensteiner Bürgerhaus angesetzt. Danach wird das Team des Biosphärenreservates die Ergebnisse aufarbeiten. Am 3. Dezember wird in der Pfalzakademie in Lambrecht von 14 Uhr bis 17.30 Uhr über die Ergebnisse informiert. Dann wird das neue Handlungsprogramm fertiggestellt und den Gremien des Bezirksverbandes zur Entscheidung vorgelegt. Das letzte Wort hat das Mainzer Umweltministerium – schließlich soll das Land mit Fördermitteln wesentlich zur Finanzierung der Ideen beitragen.