Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Wald in der Wüste: Pfälzer Professor will die Sahara begrünen

Auf einer Fläche so groß wie Rheinland-Pfalz soll in der Sahara ein Wald entstehen.
Auf einer Fläche so groß wie Rheinland-Pfalz soll in der Sahara ein Wald entstehen.

Millionen Bäume in der Wüste, um ein Viertel des deutschen CO2-Ausstoßes zu binden. Keine Utopie, wenn es nach dem Pfälzer Peter Heck geht.

Es klingt verrückt, zu verrückt, um wahr zu sein: Ein gigantischer Wald mitten in der Wüste. Auf einer Fläche fast so groß wie Rheinland-Pfalz. Doch genau das will der Pfälzer Professor Peter Heck vom Umwelt-Campus Birkenfeld in der Westpfalz mit seinem „Sahara Renaissance Project“ verwirklichen. Bäume pflanzen, Arbeitsplätze schaffen und CO2 Emissionen binden.

Wie die Vision entstand?

Er sei immer gern nach Marokko gereist, sagt Peter Heck, und habe „dort gesehen, wie gut Bäume in der Wüste gedeihen. Ich habe mich oft gefragt, warum wir das nicht auf größerer Fläche machen.“ Zumal Heck schon lange Transformationskonzepte für Kommunen und die Industrie erarbeitet und merkt, „wie oft es an der Bürokratie scheitert.“ Der 62-Jährige will lieber darum lieber selbst anpacken und in Mauretanien mit seinem Team jährlich sechs Millionen Bäume produzieren und aussetzen.

So soll die Sahara grüner werden

Zunächst ist in Mauretanien der Bau einer Entsalzungsanlage geplant, die über Windturbinen „zu 98 Prozent klimaneutral“ betrieben werden soll, sagt Peter Heck. Über ein System aus Wasserleitungen und Pumpen im Boden werde das Wasser dann tiefer in die Wüste geleitet, wo es Bäume und Pflanzen bewässert.

Entsalzenes Meereswasser soll den Wald in der Sahara zum Grünen bringen.
Entsalzenes Meereswasser soll den Wald in der Sahara zum Grünen bringen.

Anfang 2026 soll mit dem ersten Teil des Projekts begonnen werden: der Entsalzungsanlage und der Pflanzung von Bäumen auf den ersten 50 Hektar. Später sollen bis zu zwei Millionen Hektar bepflanzt werden. Dazu hat Heck mit Mauretanien schon eine Vereinbarung getroffen: Das Land stellt dem „Sahara Renaissance Project“ dabei die zwei Millionen Hektar über einen Zeitraum von 90 Jahre zur Verfügung.

Welche Bäume werden gepflanzt?

„Bäume, die in der Sahara schon stehen“, sagt Heck. Denn ihm ist wichtig, „das Ökosystem nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.“ Deshalb will er Eukalyptus, Prosopis, Akazie und Ölbäume pflanzen, die schnell wachsen, an Wüstenstürme und das harte Klima angepasst sind. Und die vor allem eines können: viel CO2 binden.

Das Projekt umfasst aber auch kleine landwirtschaftliche Felder für Zwiebeln, Mais und Kichererbsen, als Nahrungsquelle für die Bevölkerung vor Ort.

Wie viel CO2 kann der Wald in Sahara binden?

Nach Peter Hecks Berechnungen können die Bäume dort ein Drittel bis ein Viertel des jährlichen deutschen CO2 Ausstoßes binden. Der 62-Jährige sagt deshalb auch Sätze wie: „Das wird für das Klima international wie regional eine Bedeutung haben.“

Professor Peter Heck vom Umwelt-Campus Birkenfeld will die Wüste begrünen und dabei CO-2 Emissionen binden.
Professor Peter Heck vom Umwelt-Campus Birkenfeld will die Wüste begrünen und dabei CO-2 Emissionen binden.

Doch ist es ethisch vertretbar, als reiches Land in ein ärmeres zu gehen, um dort seine Treibhausgase zu kompensieren?

Heck formuliert es so: „Den Klimawandel als Menschheitsproblem lösen wir nicht mit ideologischen Diskussionen.“ Zudem gehe es ihm noch um etwas anderes. Er will Fluchtursachen bekämpfen.

So will Heck die Mauretanier einbinden

Den Wald sollen die Mauretanier bewirtschaften, sagt Heck. „Es ist ihr Land. Und wir brauchen sie auch: Es braucht Menschen, die Pumpen und Bäumen pflegen, die Setzlinge vermehren oder Zwiebeln und Mais anbauen. Wir schätzen, dass wir bei zwei Millionen Hektar, die zu bewirtschaften sind, 400 Tausend Arbeitskräfte brauchen. Das schafft Perspektiven für die Menschen vor Ort.“

Viele in der Region leben unterhalb der Armutsgrenze. „Durch Krieg und Hunger wird Mauretanien auch verstärkt zur Anlaufstelle für Geflüchtete aus Mali oder dem südlichen Afrika“, sagt Heck. „Wenn wir wollen, dass sie dort bleiben und nicht weiter nach Europa ziehen, brauchen sie Perspektiven.“

Was das alles kostet?

In der ersten Phase, in der zunächst 50 Hektar bepflanzt werden, rechnet Heck mit einem Investitionsbedarf von acht Millionen Euro, in den weiteren Phasen wird er mehrere Milliarden Euro brauchen. Viel Geld, aber ganz unmöglich ist das nicht, denn Heck hat dafür schon einen Investor in Luxemburg gefunden, wie er sagt.

Eine Utopie oder doch ganz realistisch: So schätzt ein Experte das Projekt ein

Forscher wie Thomas Hickler vom Klimaforschungszentrum Senckenberg halten Hecks Pläne für machbar. „Dass das endlich jemand probiert, freut mich total“, sagt Hickler. „Der Gedanke ist in der Wissenschaft nicht neu, nur finanziell schwer umzusetzen gewesen.“ Auch er glaubt an die Strahlkraft des Projekts, „wenn es gelingt, Meerwasser nachhaltig zu entsalzen“. Dann „wäre das Wasserproblem in Trockengebieten nämlich auch mehr oder weniger gelöst.“

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