Rheinland-Pfalz Ein Hoch auf die Tasse!
Die Pfälzer Kampagne für den Mehrwegbecher allein kann die Müllflut nicht stoppen
Überall liegt Müll. Das nervt. Viele Leute lassen ihren Dreck einfach fallen oder werfen ihn aus dem Auto. Beim Blick entlang von Pfälzer Straßen und Bahngleisen ist Fremdschämen angesagt. Die Mitarbeiter der Ludwigshafener Großbäckerei Görtz gehen mit gutem Beispiel voran und sammeln jeden Montag den Dreck ein, der sich auf dem Rheingönheimer Gelände rund um die Hauptfiliale ansammelt. Weil sie der Anblick stört. Sie säubern den eigenen Parkplatz und die angrenzenden Straßen. Zehn bis 15 randvoll mit Verpackungen, Flaschen und Dosen gefüllte Müllsäcke kämen da jedes Mal zusammen, hat Geschäftsführer Peter Görtz am Rande eines Runden Tischs zum Thema Einwegbecher erzählt. Die Verpackungen stammen laut Görtz hauptsächlich von Fast-Food-Ketten. Das gilt offenbar auch für den Großteil der gut 20 weggeworfenen Becher, die sich in den Säcken jedesmal finden. Viele Burgerfans kennen da offenbar keine Gnade, wenn sie ihren Abfall loswerden wollen.
Mehrweg-Becher sollen es richten
Aber auch die Becher der Kaffeetrinker türmen sich in Mülleimern und landen auf der Straße. Die Bäcker können dafür nichts. Sie verkaufen ihren Kaffee am liebsten vor Ort in Tassen und ärgern sich, dass der Fokus bei der Kampagne „Die Pfalz macht mobil gegen Einwegbecher“ so stark auf sie gerichtet ist. Rund 70 Prozent des Kaffees, der in Großbäckereien über die Theke geht, wird nach wie vor aus Porzellantassen getrunken. Das ist auch gut so. Noch mehr wäre noch besser. Kaffee ist ein Genussmittel, und wer ihn trinkt, sollte sich eine echte Pause in der Bäckerei oder im Café gönnen. Sitzend. Doch der „Coffee-to-go“, der Kaffee zum Mitnehmen, ist voll angesagt. Er lässt seinen Träger so unabkömmlich erscheinen. Diesem Trend, aber auch der allgemeinen Verpackungswut des Handels und dem plastikumhüllten Pausensnack etwas entgegenzusetzen, traut sich niemand so richtig. Um einen ersten Schritt zu machen und den EU-Vorgaben zuvorzukommen, hat das Mainzer Umweltministerium eine Kampagne für den Mehrwegbecher angestoßen. Die Pfälzer Kommunen sollen es nun richten, in dem sie Bäckereien, Cafés und Tankstellen dazu animieren, sich an einem Mehrwegsystem zu beteiligen. Einige machen schon mit. Klimaschutzbeauftragte in Städten und Kreisen kümmern sich um das Projekt und organisieren Runde Tische. Wenn dafür Geld da ist, dann bestimmt doch auch für ein paar weitere Straßenkehrer?
Verantwortung liegt auch beim Kunden
Mannheim vermarktet bereits offensiv einen schicken Mehrwegbecher, der vier Euro kostet, langlebig ist und viele Spülgänge aushält. Wie oft dieser Becher tatsächlich mehrfach genutzt wird, ist unklar. Landau beteiligt sich an einem Pfandsystem des Start-Up-Unternehmens Recup, das seine Mehrwegbecher auch an Standorten in der Pfalz zurücknimmt. Aber eben nur dort, wo die Firma präsent ist. Die Cafeterien der Landauer Universität haben diese Becher bereits angeschafft. Doch Unternehmen mit vielen Niederlassungen ist dieses System, das einen Euro pro Tag und Standort kostet, vermutlich zu teuer. Am Runden Tisch in Ludwigshafen fand jedenfalls der hochwertigere Mannheimer Becher etwas mehr Anklang als das Pfandsystem. Entscheiden müssen eh die Unternehmer. Klar ist aber eins: Der Mehrwegbecher allein kann die Welt nicht retten, die Müllflut nicht stoppen. Zumal er ja seit Jahren auf dem Markt ist und längst in vielen Schränken steht. Man muss ihn nur benutzen. Und genau daran hapert es. Nur ganz wenige „Coffee-to-go“-Trinker bringen ihren Becher mit, obwohl ihn die Bäckereien klaglos befüllen. Ihn oft sogar spülen, wenn er dreckig ist. Also: Entweder Becher mitbringen oder gemütlich hinsetzen. Und etwas an der eigenen Lebensweise ändern. Egal, wie Sie es handhaben: Ein Hoch auf Glas und Tasse!