Rheinland-Pfalz
Dreyer: Kliniken für Corona-Patienten gut gerüstet
Die rheinland-pfälzischen Krankenhäuser erwarten noch in diesem Monat eine größere Anzahl von Covid-19-Patienten als im Frühjahr, aber sie seien besser auf die Situation vorbereitet. Das sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Mittwoch in Mainz. Aktuell werden den Angaben nach 456 Betroffene in den Kliniken behandelt, davon 88 auf der Intensivstation, von denen 72 beatmet würden. Binnen eines Monats habe sich damit die Anzahl der Beatmungspatienten um den Faktor acht erhöht, sagte die Mainzer Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD).
Deutschlandweit erwartet Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, in den nächsten Tagen, dass der Spitzenwert der ersten Welle von 2900 Patienten auf den Intensivstationen erreicht werde. Für Rheinland-Pfalz korrigiert Gaß allerdings seine Prognose vom Wochenende. Im November erwartet er eine Spitzenbelegung von bis zu 300 Intensivpatienten im Zusammenhang mit Corona. Im RHEINPFALZ-Interview hatte er noch von 400 Patienten gesprochen. Gaß ist seit 2008 Geschäftsführer des Landeskrankenhauses Rheinland-Pfalz mit Sitz in Andernach und gehört zum Beraterteam der Landesregierung.
Über die Altersstruktur der Betroffenen liegen der Landesregierung keine konkreten Daten vor, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Nach seiner Erfahrung seien die Patienten im Sommer deutlich jünger gewesen als zu Beginn der Pandemie. Inzwischen steige der Altersdurchschnitt aber wieder an, sagte der Vorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Norbert Pfeiffer.
Ausreichend Beatmungsgeräte vorhanden
Laut Bätzing-Lichtenthäler sind in Rheinland-Pfalz ausreichend Intensivbetten und Beatmungsgeräte vorhanden, 478 Geräte sind demnach ausgeliefert, 33 weitere werden es Ende des Jahres sein. Es gebe auch genügend geschultes Personal, sagte die Ministerin. Im Frühjahr waren 2100 Pflegekräfte qualifiziert worden, um auf den Intensivstationen eingesetzt werden zu können. Weitere 1500 Fortbildungen würden derzeit angeboten. Für Auffrischungskurse stelle das Land 2,5 Millionen Euro zur Verfügung.
Anders als im Frühjahr werden die Krankenhäuser dort, wo planbare Operationen oder Untersuchungen verschoben werden müssen, stufenweise vorgehen und besser mit den Betroffenen kommunizieren, sagte Gaß. Ebenso wie Dreyer forderte er, dass der Bund wieder Geld für die Bereithaltung von Betten zahlen solle. Ende September war eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Krankenhäusern ausgelaufen.
Frankreich und Belgien hätten bereits Hilfe aus Rheinland-Pfalz angefordert, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Wie viele französische Patienten bereits in rheinland-pfälzischen Kliniken behandelt werden, könne sie nicht sagen. Aus Belgien sei bisher noch niemand da.
Mehrere Corona-Todesfälle in Pfälzer Seniorenheimen
Seit Beginn der Pandemie sind in Rheinland-Pfalz 307 Personen im Kontext mit einer Coronavirus-Infektion gestorben (Stand Mittwoch, 14.30 Uhr). Während es in den Sommermonaten nur wenige Todesfälle in diesem Zusammenhang gegeben hatte, nahm die Anzahl der Verstorbenen seit Anfang Oktober wieder deutlich zu. In diesem Zeitraum verzeichnete das Landesuntersuchungsamt 52 Todesfälle – ein Großteil davon in der Altersgruppe der über 70-Jährigen, ein kleiner Teil in den Altersgruppen der 60- bis 69-Jährigen beziehungsweise der 50- bis 59-Jährigen.
In der Pfalz waren zuletzt mehrere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion in Senioren- und Altenheimen zu beklagen. Im städtischen Alten- und Pflegeheim in Ludwigshafen-Gartenstadt sind seit Freitag drei Bewohner verstorben, zuletzt eine 83-jährige Frau. In dem Heim mit 170 Bewohnern und 50 Mitarbeitern gibt es derzeit 15 infizierte Insassen und sieben erkrankte Mitarbeiter.
Ein Schwerpunkt der dramatisch gestiegenen Infektions-Fälle im Kreis Germersheim ist laut Kreisverwaltung aktuell die Senioren-Einrichtung in Bellheim mit 121 Bewohnern. Dort gibt es inzwischen 20 positive Tests bei Bewohnern, sieben positive Tests bei Mitarbeitern. Zwei Bewohner des Heims sind inzwischen im Krankenhaus verstorben.
Zweibrücken vorerst kein Risikogebiet mehr
Mit Ausnahme von Zweibrücken sind in Rheinland-Pfalz weiterhin alle Landkreise und kreisfreien Städte als Risikogebiet eingestuft: Bei mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen befindet sich eine Kommune nach dem Corona-Aktionsplan des Landes in der Alarmstufe „Rot“. Zweibrücken rutschte am Mittwoch mit einem 7-Tage-Inzidenzwert von 43,9 wieder unter diese Schwelle. Die Stadt war seit 18. Oktober als Corona-Risikogebiet ausgewiesen. Ansonsten ist die Pfalz aber weiterhin stark betroffen: Am höchsten ist in Rheinland-Pfalz der 7-Tage-Inzidenzwert aktuell im Landkreis Germersheim mit 182,2. Danach folgen der Landkreis Kaiserslautern mit 177,4 und die Stadt Ludwigshafen mit 159,6.
Landesweit geht die Ausbreitung des Coronavirus vorerst weitgehend ungebremst weiter. Die Anzahl der Neuinfektionen stieg innerhalb von 24 Stunden nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes um 926 Fälle. Aktuell sind damit in Rheinland-Pfalz erstmals mehr als 10.000 Menschen mit dem Virus infiziert: 10.105 sind es genau (Vortag: 9372).
Überlastetes Testzentrum
Chaotische Zustände herrschten am Dienstag im Corona-Testzentrum in Kaiserslautern. Etliche Menschen, die vom Gesundheitsamt oder Hausarzt zum Test angemeldet waren, mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. Die Helfer vor Ort waren völlig überfordert, schlossen um 18.30 Uhr das Testzentrum ab, ohne alle bedient zu haben. Über 100 Menschen seien ohne Überweisung gekommen, das habe zu den Problemen geführt, räumte die Stadtverwaltung ein, die für den Folgetag Besserung versprach.
Weitere Absage für Advent
In Frankenthal wurde wegen der steigenden Infektionszahlen der für die Zeit vom 23. November bis 29. Dezember geplante Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz abgesagt.
Mehr zur aktuellen Entwicklung der Corona-Infektionen in der Pfalz steht hier.