Rheinland-Pfalz Die Arbeit als Zugbegleiter ist oft kein Zuckerschlecken
«Mannheim.» Über zwei Stunden lang diskutierte am Dienstag die rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß (SPD) in Mannheim mit Mitarbeitern der Deutschen Bahn (DB). Hauptthema waren dabei die Belastungen, denen die Zugbegleiter der Deutschen Bahn (DB) ausgesetzt sind.
Anlass für das Gespräch war ein Vorfall während einer Zugfahrt von Worms nach Schifferstadt. Wie mehrfach berichtet, hatte Kazungu-Haß einem DB-Mitarbeiter Rassismus vorgeworfen, nachdem der sie mit ihrer Familie aus der ersten Klasse verweisen wollte, weil er irrtümlich glaubte, sie habe kein Erste-Klasse-Ticket. Erst nachdem Kazungu-Haß ihre Erste-Klasse-Fahrkarte als Landtagsabgeordnete vorgezeigt hatte, erkannte der DB-Mitarbeiter seinen Irrtum. Da stets unstrittig war, dass der DB-Mitarbeiter einen Fehler gemacht hatte und sich Kazungu-Haß und ihre Familie beim Kauf der Tickets völlig korrekt verhalten hatten, hatte sich die DB schnell bei der Landtagsabgeordneten entschuldigt. Frank Klingenhöfer, Vorsitzender der Regionalleitung von DB Regio Mitte mit Sitz in Mannheim, und Kazungu-Haß waren sich dabei gleich einig, dass es außerdem ein Gespräch mit Zugbegleitern aus der Region geben sollte.
Zugbegleiter aus 31 Nationen arbeiten bei DB Regio Mitte
Kazungu-Haß, deren Vater aus Kenia stammt, berichtete am Dienstag von Anfeindungen wegen ihrer Hautfarbe, um ihre harsche Reaktion auf die Szene im Zug, die sie ebenfalls ihrer Hautfarbe zuschrieb, plausibel zu machen. Wenn sie zu hören bekomme „Geh doch nach Hause!“ frage sie sich: „Wohin? Nach Koblenz?“ Dort ist sie geboren und hat auch dort studiert. Klingenhöfer wiederholte noch einmal seine Entschuldigung für den Vorfall. Rassismus werde bei der DB nicht toleriert. Die DB beschäftige allein in der von ihm geleiteten Region Zugbegleiter aus 31 Nationen. In der Pfalz besonders bekannt und wegen seines charmanten Auftretens bei vielen Bahnkunden auch besonders beliebt ist der aus Nigeria stammende Oluwaniyi Aworemi. DB-Arbeitsgebietsleiter Thomas Hippauf sagte, er habe einer muslimischen Zugbegleiterin erlaubt, im Dienst ein Kopftuch zu tragen. Allerdings habe sie die Erfahrung gemacht, dass sich gerade Männer aus islamisch geprägten Ländern manchmal nicht von einer Frau mit Kopftuch kontrollieren lassen wollten.
Eine Zugbegleiterin berichtet, sie sei bespuckt worden
Über ähnliche und noch weit schlimmere Vorfälle berichtete Thomas Löffler, Security-Manager von DB Regio Mitte. Erhebliche Probleme gebe es gerade in der Nähe von Landeserstaufnahmeeinrichtungen. Männer aus islamisch geprägten Ländern ließen oft jeglichen Respekt vor Frauen in Uniform vermissen. Die Fälle von Übergriffen in den Zügen hätten massiv zugenommen. Selbst wenn die Täter dank der immer häufigeren Videokameras in den Zügen identifiziert werden könnten, würden die Verfahren von der Justiz oft eingestellt. Zugbegleiterin Angela Heintz berichtete, viele Schwarzfahrer glaubten, dass die Zugbegleiter ihnen gegenüber letztlich doch nichts ausrichten könnten. Kürzlich sei sie von einer Reisenden bespuckt worden. Kazungu-Haß reagierte betroffen auf diese Erzählungen und sagte, wenn es um die Durchsetzung von Regeln gehe, sei sie durchaus „ein bisschen law and order“ . Zum Schluss hatte die Landtagsabgeordnete eine Geschichte zu erzählen, in der eine Zugbegleiterin sozusagen die Heldenrolle spielte, weil es ihr gelang, eine schwierige Konfliktsituation zu entschärfen. Weniger vorteilhaft war die Rolle eines (nur) Französisch sprechenden Geschäftsreisenden „mit schwarzer Hautfarbe“, der sich weigerte, die für Kazungu-Haß und ihre Familie reservierten Plätze im Zug zu räumen und dabei, so Kazungu-Haß, „den deutschen Michel gegeben“ habe. Die Zugbegleiterin habe mit viel Geschick eine für alle akzeptable Lösung gefunden.