Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Diagnose Depression: Ein Betroffener berichtet

Menschen mit Depressionen spüren häufig ein Gefühl großer Hoffnungslosigkeit. So beschreibt es auch der Betroffene Nico Koch. Er
Menschen mit Depressionen spüren häufig ein Gefühl großer Hoffnungslosigkeit. So beschreibt es auch der Betroffene Nico Koch. Er möchte anonym bleiben, deshalb wurde sein Name geändert.

Im ersten Teil dieser Mini-Serie berichtet ein Betroffener von seinem Leben mit einer depressiven Störung. Im Gespräch mit Vanessa Betz beschreibt er, wie sich eine Depression für ihn anfühlt, welche Methoden ihm in so einer Situation helfen und was Angehörige tun können.

Herr Koch (Name von der Redaktion geändert), vielen Dank, dass Sie mit uns über ihre Depressionen sprechen. Können Sie beschreiben, wie sich eine depressive Phase für Sie anfühlt?
Ich würde das Wort Depression für mich mit absoluter Hoffnungslosigkeit übersetzen. Also ein Zustand, in dem ich extrem viel grüble und da auch nicht mehr rauskomme. Ich sorge dann nicht mehr für mich, vernachlässige zum Beispiel komplett das Essen, weil ich keinen Sinn mehr darin sehe.

Haben Sie für solche Phasen eine Methode gefunden, die Ihnen hilft, da wieder rauszukommen?
Man kann eine Depression natürlich auch ambulant bekämpfen, also zum Beispiel einmal wöchentlich zu einem Therapeuten gehen. Das kommt darauf an, wie schwer die depressive Phase ist. Bei mir war allerdings ein stationärer Aufenthalt absolut nötig, um mir da wieder rauszuhelfen. Ich hatte bisher drei depressive Episoden und war jeweils sechs bis zehn Wochen in einer Klinik. Das erste Mal war vor dreieinhalb Jahren. Meine letzte Phase ist erst rund vier Wochen her.

Und was tun Sie jetzt nach der Klinik, um eine erneute depressive Phase zu verhindern?
Um sowas von vornherein zu vermeiden, hilft es auf jeden Fall, sich eine Struktur zu schaffen oder sich dabei helfen zu lassen. Wenn ich merke, dass ich wieder ins Grübeln komme, hilft mir auch Fahrrad fahren oder mit Freunden oder Familie darüber zu reden, wenn es mir schlecht geht.

Haben Sie denn einen Ratschlag für die Angehörigen von Menschen mit Depressionen?
Ich würde raten, die Person damit zu konfrontieren, wenn man das Gefühl hat, dass sie nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu helfen. Eine Möglichkeit ist auch, selbst auf die Suche nach Hilfe zu gehen. Man kann sich zum Beispiel bei so einem Netzwerk wie dem Bündnis gegen Depressionen Vorderpfalz melden oder sich direkt bei einem Therapeuten Maßnahmen beibringen lassen, wie man damit umgehen kann. Ansonsten ist aber das Wichtigste, dass man weiterhin für die Person da ist. Auch wenn sie zum Beispiel wie ich nur am Grübeln ist.

Können Sie dieses Grübeln näher beschreiben? Was sind das für Gedanken, die Sie haben, wenn Sie in so einem Gedankenkarussell sind?
Bei mir waren es jeweils Trennungen, die zu den depressiven Phasen geführt haben. Dann ging es natürlich um Fragen wie: „Warum ist die Beziehung gescheitert? Liegt es an mir? Wie verhält sich die andere Person jetzt gerade?“ Man stellt sich so viele Fragen und denkt und man kommt aber zu keinem Ergebnis. Daran erkennt man dann, dass man grübelt: Man denkt nach, aber es führt zu nichts.

Das ist dann der erste Schritt rein in diese Hoffnungslosigkeit, durch die Sie auch ihren Appetit verlieren?
Genau, ich habe mir immer wieder die Fragen gestellt rund um meine Beziehungen, die halt gescheitert sind und mich nur noch damit befasst. Da ist kein Platz mehr gewesen für Essen zum Beispiel. Man glaubt in so Momenten auch gar nicht mehr daran, dass es besser werden kann. Und dann denkt man natürlich auch: ,Warum soll ich jetzt noch für mich sorgen irgendwie? Es führt ja zu nichts.’ In dem Moment, in dem man diese Hoffnungslosigkeit spürt, ist man fest davon überzeugt, dass sich dieser Zustand nicht ändern wird. Hier kann ich aber auch Mut machen: Ich musste das selbst ein paar Mal erleben, aber: Es wird irgendwann wieder besser. Das zu wissen, hilft sehr.

Würden Sie denn von sich selbst sagen, dass Sie jetzt von der Depression „geheilt“ sind?
Meine Ärztin hat mir gesagt, dass es einen biologischen Anteil der Depressionen gibt und einen therapeutischen Anteil. Und der biologische Anteil wurde sozusagen jetzt geheilt. Jetzt gibt es natürlich noch den therapeutischen Anteil bei mir. Dass der Auslöser immer Trennungen gewesen sind, hat natürlich Gründe, die wahrscheinlich in der Kindheit zu verorten sind. Und da gilt es jetzt für mich noch weiter in einer ambulanten Therapie daran zu arbeiten, dass mich die nächste Trennung, die es ja wahrscheinlich irgendwann wieder geben wird, nicht wieder in so einen Zustand bringt.

Also resilienter zu werden?
Genau, gegen so etwas resilienter, also widerstandsfähiger zu werden. Aber gerade bin ich in einer Phase, in der ich mein Leben selbstständig auf die Reihe kriege. Daran merke ich schon, dass es gerade in Ordnung ist. Und ich bin auf jeden Fall gewillt, das jetzt weiterzuführen und mutig weiterzumachen.

 

Zum Podcast

Dieses Interview ist ein Ausschnitt aus einer neuen Folge von „Wissen, was läuft“, dem RHEINPFALZ-Podcast. Zum gesamten Gespräch über das Leben mit Depressionen kommen Sie hier:

An dieser Stelle finden Sie unseren aktuellen Podcast via Podigee.

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Die Serie

Ungefähr jeder fünfte Mensch erkrankt laut Studien im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer Depression. In der Mini-Serie „Diagnose Depression“ sprechen wir mit Betroffenen, Angehörigen und Ärzten über das Thema. Das soll zur Aufklärung über das komplexe Krankheitsbild beitragen. Dieses Ziel hat auch das neu gegründete Bündnis gegen Depressionen Vorderpfalz. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss verschiedener Initiatoren aus der Region, wie dem Pfalzklinikum in Klingenmünster und dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Die Auftaktveranstaltung ist am 10.Oktober ab 18 Uhr in der Stadthalle in Speyer. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, die Teilnahme ist kostenlos und lädt Betroffene, Angehörige und Fachleute dazu ein, ins Gespräch zu kommen. Weitere Infos im Internet unter www.buendnis-depression-vorderpfalz.de.

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