Rheinland-Pfalz Das Fahrrad und ich

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Wissen Sie noch, wie Sie zu Ihrem ersten Fahrrad kamen? War es bei einem Kindergeburtstag, der in der Katastrophe endete? Und wissen Sie noch, wer Ihnen anschließend das Radfahren beigebracht hat? War das nicht auf dieser Seitenstraße gewesen, die heute eine fahrraduntaugliche Hauptdurchfahrtsroute ist? Eigentlich vergisst man das im Nachhinein ja nicht. Denn immerhin geht es um etwas, das man angeblich sein ganzes Leben nicht mehr verlernt. So wie das Schreiben oder Schwimmen. Doch für das Fahrradfahren gilt dies offenbar nicht mehr, wenn der Drahtesel mit Elektroantrieb ausgestattet ist. Solche Pedelecs sind der neue Verkaufsschlager und gerade bei Senioren zunehmend beliebt. Mit minimalem Kraftaufwand geht es über Berg und Tal. Scheinbar so wie früher. Doch viele Senioren glauben fatalerweise, dass sie mit dem Fahrradgeschick aus Kindheitstagen auch ihre neuen Pedelecs sicher durch den Verkehr steuern können. Die Schrecksekunde Die Mandelblüte sorgte an der Weinstraße jetzt für den ersten Pedelec-Senioren-Schub der Saison. So auch in einem der vielen idyllischen Weindörfer. Die enge Straße führt bergan Richtung Haardtrand: Zwei Pedelecler sind sehr zügig unterwegs. Zuerst der Mann, direkt dahinter die Frau. Beide in rot-grünen Windjacken, beide mit gelbem Helm, beide mit zufriedenen Mienen in der Frühlingsluft. Der perfekte Partnerlook. Da kommt aus der Seitenstraße ein Auto. Rechts vor links. Eine Schrecksekunde oder mehr. Dann bremst erst der Mann, verzögert schließlich auch die Frau. Um zu verhindern, dass sie mit dem Rad ihres Mannes kollidiert, weicht die Frau abrupt aus, der Vorderreifen prallt gegen einen Blumenkübel. Fast ein Sturz; Entsetzen im Gesicht. Überfordert das Umsatteln vom herkömmlichen Fahrrad auf das Pedelec gerade die Senioren? Ein Pedelec wiegt deutlich mehr und hat einen anderen Schwerpunkt. Das beeinflusst das Fahrverhalten – vor allem in den Kurven und beim Bremsen. Ein Pedelec ist mit Leichtigkeit 25 km/h schnell. Damit muss die Reaktionszeit Schritt halten: Die ist bei Älteren ohnehin länger als bei Jüngeren. Und damit auch der Weg, den das Pedelec rollt, bis reagiert wird. „Zwischen 15 km/h und 25 km/h liegen da Welten“, sagt die Verkehrswacht. In dem Weindorf, am Blumenkübel: Die Frau schnauft tief durch – und schiebt dann erst mal ihr Zweirad. Die Fehleinschätzung Aber: Zu gefährlichen Situationen kommt es nicht nur, weil Senioren auf ihrem motorunterstützen Fahrrad die Risiken unterschätzen. Zu Fehleinschätzungen neigen auch immer wieder die anderen Verkehrsteilnehmern. Eine kurvenreiche Straße in der Innenstadt: Der Golffahrer schert aus, überholt einen Fahrradfahrer. Dass es ein schnelles Pedelec ist, registriert er zunächst nicht. Der Autofahrer braucht aber zum Überholen viel länger als gedacht. In der Kurve kommt ein Wagen entgegen. Der Golf drängt zurück auf die rechte Spur. Das war knapp. Brenzlig für alle. Der Kindergeburtstag Mein erstes Fahrrad bekam ich mit sechs. Zum Geburtstag. Und ohne Stützräder. Es lehnte im Esszimmer an der Wand. Das reizte. Zum Draufsetzen: dann Füße auf die Pedale, an der Wand abstützen und balancieren. „Vorsicht!“ Zu spät. Fahrrad und Geburtstagskind krachten in die Runde am Kaffeetisch. Es folgten die Torpedo-Dreigangschaltung, später ein 10-Gang-Rennrad „Hennes Junkermann“ und danach bis heute ein gebrauchtes Villiger San Bernardino mit sieben Gängen. Grundsolide und – noch – ausreichend. Um Pedelecs mache ich bisher einen weiten Bogen. Sicherheitshalber! | Rolf Schlicher

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