Intensivstation
Corona-Lage in den Kliniken: Wie dramatisch ist die Lage wirklich?
Wie sehr die Lage sich täglich ändern kann, zeigte sich am Donnerstagmorgen besonders eindrücklich in Grünstadt (Landkreis Bad Dürkheim). Dort konnten nach Angaben des Kreiskrankenhauses gleich drei geheilte Corona-Patienten entlassen werden. Aktuell sei lediglich ein einziger der fünf Covid-19-Patienten auf der Intensivstation, so der Chefarzt der Inneren Abteilung, Hans Münke. Am Montag aber waren demnach noch doppelt so viele Covid-Patienten behandelt worden. Münke warnt zugleich: „Alles nur eine Momentaufnahme.“
„Schlimmer als zum Jahreswechsel“
Denn insgesamt steigt mit den Inzidenzwerten landesweit die Auslastung der Intensivstationen – wenn auch regional sehr unterschiedlich. Das Ludwigshafener Klinikum hatte bereits zu Wochenbeginn Alarm geschlagen mit seiner vollen Intensivstation. Am Donnerstagnachmittag bezeichnete Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther die Situation unverändert als „sehr angespannt“. Kurzfristig würden zwar immer „ein, zwei Betten frei“ – von den 50 Intensivbetten sind aber 19 von Covid-Patienten belegt: 38 Prozent. Ein Anteil, der deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 25 Prozent liegt. Laut Günther ist es aktuell sogar „etwas schlimmer“ als zum Jahreswechsel, da die Kranken deutlich länger liegen.
Unter dem Maximum der zweiten Welle
Auch das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium spricht von einer „ernsten Lage“, vor allem im Kliniknetzwerk Rheinpfalz um das Zentrum Ludwigshafen. Auch das Vincentius-Krankenhaus in Speyer meint: „Die Situation verschärft sich immer mehr.“ Allgemein heißt es aber, sei die Situation auf den Intensivstationen des Landes „beherrschbar“, die Versorgung aller an Corona Erkrankten sichergestellt. Das bestätigen etwa die von den Diakonissen betriebenen Häuser in Bad Dürkheim und Speyer oder auch die beiden Krankenhäuser im Kreis Germersheim sowie das Krankenhaus in Pirmasens. Landesweit gibt es derzeit mehr Covid-Fälle auf den Intensivstationen (164) als zum Maximum der ersten Infektionswelle vor einem Jahr (120), jedoch weniger als zum Jahreswechsel (244). Und im Ländervergleich sieht es in Rheinland-Pfalz durchaus gut aus. Derzeit sind laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) in Rheinland-Pfalz noch 21 Prozent der Intensivbetten frei: 228 von 1080.
Pandemie nicht allein Ursache
Im Westpfalz-Klinikum mit seinen Standorten Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen wird dieser freie Anteil mit 15 Prozent nicht erreicht: Das liegt jedoch nicht nur an der Pandemie, sondern auch an einer deutlichen Zunahme von Nicht-Covid-Kranken. Nur knapp elf Prozent der Intensivbetten seien durch Corona-Patienten belegt. „Patienten, deren Behandlungen in der ersten und zweiten Welle aufgeschoben wurden, werden jetzt vermehrt behandlungs- und intensivpflichtig“, sagt etwa Stefan Hofer, Chefarzt für Intensivmedizin in Kaiserslautern. „Patienten sind im Vergleich zu den ersten beiden Wellen deutlich jünger und kränker.“
Auch wenn planbare Operationen erneut auf Anordnung des Landes verschoben werden, um die Intensivstationen zu entlasten, sollten Personen mit akuten Beschwerden nicht zögern, sich in Behandlung zu begeben, raten Ärzte.
