Bundestagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel CDU ärgert sich über schwarz-blauen Balken

Lange Gesichter bei der SPD in Mainz, als gegen 18 Uhr die ersten Prognosen eintrudeln.
Lange Gesichter bei der SPD in Mainz, als gegen 18 Uhr die ersten Prognosen eintrudeln.

Euphorie stellt sich bei CDU und SPD in Mainz nicht ein. Die AfD feiert mit Rotkäppchen-Sekt. Die Wahlparty der FDP wird vom Tod von Herbert Mertin überschattet

Richtiger Applaus brandet bei der CDU in Mainz erst auf, als Bundesgeneralsekretär Carsten Linnemann kurz nach 18 Uhr via ARD sagt, dass Friedrich Merz Kanzler wird. Ob sich die Partei der Bürde der kommenden Aufgabe bewusst ist oder ob sich die Freude nicht so recht einstellt, weil der Balken in den Wahlgrafiken unter der Marke von 30 Prozent stehen bleibt? Das bleibt offen. Die Stimmung in der Straußwirtschaft in der Nähe des Mainzer Fußballstadions ist gut, aber nicht euphorisch. Zur Wahlparty ist der Landes- und Fraktionschef Gordon Schnieder aus der Eifel gekommen, die Spitzenkandidatin Julia Klöckner nicht. Sie blieb in ihrem Wahlkreis in Bad Kreuznach, bis sie im SWR-Studio an der Reihe war. Das Abschneiden der AfD bereitet der Bauchgrimmen, aber auch die Darstellung der möglichen Regierungsbildungen in der ARD. „Da kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch einen schwarz-blauen Balken hinmalen. Es war ausgeschlossen und es bleibt ausgeschlossen. Es wird mit denen keine Zusammenarbeit geben.“, sagt Schnieder.

Lange Gesichter bei der SPD

Bei der SPD setzte auch mit Verzögerung kein Jubel ein. Die Genossen verfolgen den historisch schlechten Wahlabend in den Gewölben unter der Zitadelle in der Mainzer Oberstadt. In der ersten Reihe verfolgen unter anderen Landesinnenminister Michael Ebling, Finanzministerin Doris Ahnen und die Landespartei- sowie Fraktionsvorsitzende im Landtag, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, wie die ersten Prognosen auf den aufgestellten Bildschirmen eintrudeln. Als der rote Balken bei 16 Prozent stehen bleibt und klar wird, dass wohl auch die AfD vor der SPD landen wird, entfährt dem ein oder anderen im Saal ein „Oh“ oder „Uiuiui“.

Bätzing-Lichtenthäler findet kurz nach den ersten Prognosen klare Worte: „Das ist ein sehr bitteres, schlechtes Ergebnis für die SPD.“ Auf die Ampelkoalition in Mainz werde die Wahl keine direkte Auswirkungen haben. Die rheinland-pfälzische Spitzenkandidatin, Tanja Machalet, wünscht sich, dass es in der neuen Bundesregierung weniger Streitereien gibt, als in der Ampel. Jetzt sei aber erstmal Friedrich Merz am Zug. „Er muss den ersten Schritt machen.“

Konfetti und Rotkäppchen-Sekt

In den Fraktionsräumen der AfD im Mainzer Landtag liegt glitzerndes Konfetti auf dem Boden, die eine oder andere Flasche Rotkäppchen-Sekt steht auf dem Tisch. Iris Nieland, die Landtagsabgeordnete, bald in den Bundestag einziehen wird, blickt gebannt auf die Auszählungen in Pirmasens, wo sie über den Abend mehrfach hoffen darf, das Direktmandat zu holen. Selbstbewusst gibt Jan Bollinger, der Landeschef der Partei, der zugleich Fraktionschef im Landtag ist, noch schnell ein Interview, bevor er sich auf den Weg zum SWR macht. „Wir sind die einzigen, die die Probleme seit Jahren erkennen und Lösungen vorschlagen“, nimmt er für seine Partei in Anspruch.

Als „Comeback des Jahres“ hat die rheinland-pfälzische Linken-Co-Vorsitzende Rebecca Ruppert die den Hochrechnungen zufolge starken Zuwächse ihrer Partei bezeichnet. „Vor weniger als eineinhalb Jahren wurden wir bereits abgeschrieben“, sagte sie. Mit dem Einzug von voraussichtlich mindestens zwei Bundestagsabgeordneten aus Rheinland-Pfalz sei der Landesverband auch wieder stärker als bisher in der kommenden Bundestagsfraktion vertreten, teilte der Co-Vorsitzende Dave Koch mit.

Gemischte Stimmung bei der FDP

Für die FDP ist es ein eigenartiger Wahlabend. In Mainz sehen die Liberalen in der Innenstadt, wie der gelbe Balken in den Prognosen mal knapp über, mal knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde liegt. Überschattet wird die Bundestagswahl vom überraschenden Tod des Landesjustizministers Herbert Mertin am Freitag. „Es wäre in seinem Sinne gewesen, dass wir heute Abend zusammenkommen. Es herrscht eine gemischte Stimmung“, sagt die Landeswirtschaftsministerin und Vize-Landesvorsitzende Daniela Schmitt.

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