Rheinland-Pfalz Busunglück: „Viele sind traumatisiert“

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Nach dem Busunglück an der Autobahn 4 bietet sich den Rettungskräften ein Anblick des Grauens: Menschen sind aus dem abgestürzten Bus geschleudert worden, andere schreien vor Schmerzen – das furchtbare Ende einer Silvesterfahrt für eine Reisegruppe aus der Pfalz und der Rhein-Neckar-Region.

Bad Hersfeld/Hanhofen. Die Scheiben des weißen Busses sind zerborsten, das Heck steht zwischen Tannen, nur ein Seil der Feuerwehr sichert den Reisebus dagegen ab, noch weiter den Abhang hinabzurutschen – ein Bild des Schreckens am Tag vor Silvester an der Autobahn 4 in Osthessen. Die Insassen des Busses – 27 Frauen und 17 Männer, die überwiegend aus der Süd- und Vorderpfalz sowie aus dem Raum Mannheim/Heidelberg kommen – hatten sich auf einen unbeschwerten Trip zum Jahreswechsel nach Leipzig gefreut. Doch für vier Ausflügler wird es eine Reise in den Tod. „Als wir ankamen, konnte ich sehen, es sind Personen aus dem Bus herausgeschleudert worden“, berichtet die Kreisbrandinspektorin von Hersfeld-Rotenburg, Tanja Dittmar. Verletzte hätten geschrien, es sei eine sehr dramatische Situation gewesen. Offenbar hatte ein Autofahrer die Katastrophe ausgelöst: Er kommt mit seinem BMW in einer langgezogenen Kurve zwischen dem Autobahndreieck Kirchheim und der Anschlussstelle Bad Hersfeld in Fahrtrichtung Osten ins Schleudern, rammt den Bus. Der walzt anschließend auf einer Länge von etwa 75 Metern die Leitplanke nieder und stürzt etwa 50 Meter tief die Böschung hinab. Das Auto, dessen Fahrer offenbar den Bus aus der Spur gebracht hat, soll aus Landau stammen – ob es eine Verbindung zu dem Reisebus aus der Pfalz gibt, ist unklar. Der BMW-Fahrer versucht selbst noch, erste Hilfe zu leisten, erleidet dann aber einen Schock. Vier Menschen sterben, 40 weitere Insassen werden teils schwer verletzt. Lange ist ungewiss, ob unter dem Bus noch Opfer liegen. „Es gab eine Unstimmigkeit zwischen der Anzahl der Passagiere und der Passagierliste“, sagt Polizeisprecher Rodemer. Mehr als 100 Helfer, darunter mehrere Feuerwehren aus umliegenden Landkreisen und drei Rettungshubschrauber, eilen zur Unglücksstelle und suchen nach den Opfern. „Die Hauptschwierigkeit war die extrem hohe, steile Böschung“, erklärt Kreisbrandmeister Udo Mohr. Denn der Abhang ist so steil, dass sich die Retter nur über Leitern auf und ab bewegen können. Später liegen Leichen abgedeckt neben dem Bus. Nach Stunden sind die Schwerverletzten in sieben verschiedene Krankenhäuser gebracht. Die Polizei sichert Spuren. Die Staatsanwaltschaft Fulda nimmt die Ermittlungen zum Unfallhergang auf. Reiseveranstalter der Tour ist „Palatina-Reisen“ in Hanhofen (Rhein-Pfalz-Kreis). Mit dem Unternehmen war auch ein zweiter Bus mit Pfälzer Teilnehmern unterwegs, der ebenfalls nach Leipzig wollte und kurz nach der Kollision an dem Unglücksort eingetroffen war. „Palatina-Reisen“ ist auf Kunst- und Kulturreisen spezialisiert, etwa 50 solcher Touren organisiert das vorderpfälzische Unternehmen im Jahr. Die viertägige Silvesterreise zum Jahreswechsel nach Leipzig ist seit Jahren im Programm. „Viele Leute kennen sich von anderen Fahrten her, das ist unsere Stammkundschaft“, sagt Geschäftsführerin Mathilde Nuber. Im Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf dem Wehneberg in Bad Hersfeld werden Betroffene betreut. „Wir versorgen hier mehr als 60 Menschen“, erklärt Reinhard E. Matthäi vom Krisenmanagement des DRK. Viele der Überlebenden und dem Unglück Entkommene seien allerdings traumatisiert, berichtet Matthäi. Notfallseelsorger leisteten hier erste Hilfe, unter anderem bei der Witwe eines Unfallopfers. Die Leichtverletzten werden später mit einem Ersatzbus zurück in die Pfalz gebracht. Der zweite Bus setzt dagegen am Nachmittag seine Fahrt zur Silvesterfeier nach Leipzig fort. „Wir sind sehr, sehr betroffen“, sagt „Palatina“-Geschäftsführerin Mathilde Nuber. Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner reagieren bestürzt: „Das ist schrecklich und kaum zu ermessen, was es für die Betroffenen und deren Familien bedeutet.“ Der Internationale Bustouristik Verband RDA kritisiert unterdessen die Leitplanken in dem Bereich der Autobahn 4: „RDA-Experten gehen davon aus, dass die nur 70 Zentimeter hohen Leitplanken für einen rund drei Meter hohen Hochdecker-Bus zu niedrig und nicht stabil genug sind, um abweisend zu wirken.“ Den Busfahrer treffe keine Schuld. Bei der Bergung des Busses kommt es am Abend zu Schwierigkeiten, als das Seil des Abschleppkranes reißt. Um 18 Uhr muss die Autobahn deshalb erneut voll gesperrt werden.

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