Mannheim
Buga: Awo-Auftritt nach Sombrero-Streit
„Wir freuen uns so sehr, wie viele gekommen sind, das tut so gut“, sagt Erika Schmaltz, als sie die Hauptbühne auf dem Mannheimer Bundesgartenschau-Gelände unter großem Applaus betritt. Die Leiterin der Seniorinnen-Tanzgruppe der Arbeiterwohlfahrt (Awo) steht mit ihren Mittänzerinnen vor rund 500 Menschen, die sich das vieldiskutierte Programm – konkret den Tanz „Weltreise mit einem Traumschiff“ – ansehen wollen.
Als die Awo-Seniorinnen die Zusage für einen Platz im Bühnenprogramm der Bundesgartenschau (Buga) bekamen, konnten sie noch nicht ahnen, was für eine große Aufmerksamkeit ihre kleine Gruppe von 14 Tänzerinnen zwischen 60 und 85 Jahren auf sich ziehen wird – und das noch vor ihrem ersten Auftritt.
Sechs Kostüme wurden kritisiert
Der Grund: Kurz vor der ursprünglich geplanten Vorführung am 19. April war eine Diskussion um das Thema kulturelle Aneignung ausgebrochen. Die Verantwortlichen des Buga-Bühnenprogramms äußerten „vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Sensibilität für kulturelle und religiöse Codierungen Bedenken an der Wirkung einiger Kostüme“.
Konkret monierten die Organisatoren sechs Kostüme, die bei dem Tanzprogramm zum Einsatz kommen sollten. Sie störten sich etwa an den Verkleidungen, die sinnbildlich für die Länder Japan, Mexiko und Ägypten stehen sollten.
Programm auf die Hauptbühne verlegt
Schmaltz jedoch beharrte auf dem geplanten und schon einstudierten Programm. Nachdem der Auftritt somit zwischenzeitlich auf der Kippe gestanden war, fanden Buga-Gesellschaft, Awo und Tanzgruppe einen Kompromiss. An drei Kostümen wurden Änderungen vorgenommen, „die dem kulturellen Anspruch des jeweiligen Landes entsprechen“, teilte eine Buga-Sprecherin damals mit.
Das ebnete den Weg dafür, dass die Gruppe ihr Programm am Mittwochnachmittag nun – ungefähr fünf Wochen später als geplant – doch noch aufführen konnte. Und das vor deutlich größeren Publikum als geplant, denn der Auftritt wurde auf die Hauptbühne verlegt.
Großer Beifall und fliegende Sombreros
Nach einer ersten Tanzeinlage kündigt Schmaltz „die schon fast berühmte Weltreise“ an. Darunter ist auch der Auftritt, auf den das Publikum wohl am meisten gewartet hat: Der Tanz der Mexikanerinnen – die zwar mit Ponchos, aber ohne Sombreros aufgetreten sind.
Unter großem Jubel und stehendem Applaus führen die Damen ihren Tanz auf, während sogar einige Sombreros durch die Luft geworfen werden. „Wir haben die Sombreros aus Protest und Solidarität mit den Frauen aufgezogen, die sich so viel Mühe mit den Kostümen gegeben haben“, erklärt eine Dame aus Dannstadt-Schauernheim die Kopfbedeckung von sich und ihren sieben Begleiterinnen. Sie könnten die Diskussion nicht nachvollziehen. Das Programm habe ihnen aber auch ohne die Sombreros sehr gut gefallen. Ebenso wie dem restlichen Publikum auf dem Buga-Gelände – den „Zugabe“-Rufen und dem kräftigen Applaus zum Abschluss der Show nach zu urteilen.
„Es geht nicht nur um die Kostüme“
Und auch die Awo-Tänzerinnen sind zufrieden. „Endlich konnten wir zeigen, was wir können“, sagt Marianne Nanig. „Es geht nämlich ja nicht nur um die Kostüme, sondern auch um das Tanzen und die Choreographie, dass man das in dem Alter überhaupt noch so kann“, betont die 74-Jährige. Leiterin Schmaltz ergänzt: „Das werde ich nie vergessen, wie die alle gejubelt haben, als wir den Mexiko-Tanz getanzt haben.“ Und immerhin eines hatte die Diskussion im Vorfeld für sich: Die Gruppe ist nach eigenen Angaben vor dem größten Publikum aufgetreten, das sie je hatten.