Rheinland-Pfalz An RHEIN UND SAAR: Projektion erinnert an Pogrom

Mit einer Lichtinstallation, einer Kranzniederlegung und einem Gottesdienst ist gestern Abend an die Pogromnacht vom 9. November 1938 in Ludwigshafen erinnert worden. Vor 80 Jahren setzten SS-Trupps die jüdische Synagoge in der Innenstadt in Flammen, die bis auf die Grundmauern niederbrannte. Die Feuerwehr löschte nicht, sondern verhinderte nur ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude. Wohnungen und Geschäfte jüdischer Mitbürger wurden systematisch zerstört. Die Ruine der Synagoge wurde abgerissen. Die Stadt übernahm das Grundstück. In der Nachkriegszeit ist ein Teil des RHEINPFALZ-Verlagsgebäudes auf dem Grundstück der früheren Synagoge errichtet worden. Die Israelitische Kultusgemeinde der Pfalz hatte es an den Verlag verkauft. Eine Gedenktafel erinnert heute an die Synagoge. Auf die Fassade des Verlagsgebäudes wurden gestern Bilder aus der Zeit vor und nach der Zerstörung projiziert. Unser Bild zeigt Arbeiter, die beim Abriss für die Kamera posierten. Friedlich haben gestern in Ingelheim rund 100 Menschen nach dem umstrittenen Vorgehen der Behörden bei der gescheiterten Abschiebung einer schwangeren Iranerin demonstriert. Es sei alles ruhig verlaufen, sagte ein Sprecher der Polizei in Mainz. Die Landrätin des Kreises Mainz-Bingen, Dorothea Schäfer (CDU), habe sich mit Teilnehmern unterhalten. Es geht um den Fall einer 29-jährigen Iranerin, die aus der Mainzer Uniklinik geholt worden war, um abgeschoben zu werden. Mit ihrer Familie wurde sie von der Polizei nach Hannover gefahren, von dort sollte es mit dem Flieger nach Kroatien gehen, wo die Familie einen Asylantrag gestellt hatte. Wegen Widerstands wurde die Abschiebung abgebrochen. Der Ehemann kam wieder ins Abschiebegefängnis nach Ingelheim, die Frau und ihr Sohn wurden mit einem Handgeld von 100 Euro am Hannoveraner Bahnhof zurückgelassen. Der Flüchtlingsrat Rheinland-Pfalz protestierte gegen das Vorgehen, Kritik kam auch von SPD und Grünen. Zu der Kundgebung vor der Kreisverwaltung in Ingelheim hatte der grüne Kreisverband Mainz-Bingen aufgerufen. Ein 15-Jähriger hat gestern in einer Mainzer Schule Pfefferspray versprüht und damit einen größeren Rettungseinsatz ausgelöst. Laut Feuerwehr meldete ein Anrufer 50 Personen mit Atembeschwerden. Nach Angaben der Polizei sagten Zeugen, der Schüler habe offenbar „aus Spaß“ das Spray versprüht. 22 Schüler und Lehrer wurden medizinisch versorgt. Drei kamen ins Krankenhaus. Die Polizei prüft, ob der 15-Jährige sich strafbar gemacht hat.