Rheinland-Pfalz Am Rande: Wie langgediente Chefs verlieren

Abgewählt: Karl-Heinz Seebald.
Abgewählt: Karl-Heinz Seebald.

Wahlabende haben immer Sieger und Verlierer. Doch manche Niederlagen sind bitterer als andere. Bei den Direktwahlen wurden in der Pfalz etliche lang gediente Bürgermeister abgewählt. Haben sie die Lage falsch eingeschätzt? Konnten sie einfach nicht loslassen? Haben sie den Zeitpunkt für einen ehrenhaften Rückzug verpasst? Im Donnersbergkreis hat es den bisherigen Stadtbürgermeister von Rockenhausen getroffen: 31 Jahre war Karl-Heinz Seebald (SPD) im Amt gewesen. Er verlor kurz vor seinem 71. Geburtstag am Sonntag die Wahl gegen den 16 Jahre jüngeren Michael Vettermann (FDP). Was hatte Seebald getrieben, noch einmal anzutreten? Auch nach drei Jahrzehnten sei ihm die Aufgabe nicht langweilig und mache ihm nach wie vor viel Freude, sagte er seinerzeit zu seiner erneuten Kandidatur: „Auf Stadtebene gibt es noch einige Projekte, die ich gerne zu Ende bringen oder zumindest auf die Füße stellen möchte.“ Das klingt ein wenig nach Nicht-loslassen-Können. Nach der Niederlage räumte Seebald ein: „Ich war in den vergangenen Wochen viel unterwegs bei den Leuten und hatte nicht den Eindruck, das es diese Wechselstimmung gibt, die die Gegenseite plakatiert hat. Da habe ich mich offenbar geirrt.“ Kein Einzelfall. In Niederschlettenbach (Kreis Südwestpfalz) traf es Roman Mertz (74), seit 1984 dort Ortsbürgermeister und damit zugleich dienstältester Rathaus-Chef im Landkreis Südwestpfalz. Er hatte Ende 2018 erst angekündigt, nicht mehr antreten zu wollen, dann aber einen Rückzug vom Rückzug gemacht, nachdem neue Kandidaten ins Gespräch kamen, diese aber letztlich doch nicht antraten. Mertz erhielt am Sonntag – als einziger Kandidat – nur 43 Prozent der Stimmen, bei einer hohen Wahlbeteiligung von 83,7 Prozent. In Lauterecken (Kreis Kusel) hat der seit 20 Jahren amtierende Stadtbürgermeister Heinrich Steinhauer (FWG) mit weniger als 20 Prozent bei vier Bewerbern nicht einmal die Stichwahl erreicht. Der 76-Jährige nahm es gefasst auf: Wer zu einer Wahl antrete, der müsse mit einer Niederlage rechnen. In Laumersheim (Kreis Bad Dürkheim) wurde Ortsbürgermeister Thomas Diehl (SPD) nicht wiedergewählt. Er war 15 Jahre lang im Amt und hatte für eine vierte Periode kandidiert. Er bekam nur noch 46,4 Prozent der Stimmen, Sieger ist Arno Wieber von der CDU. „Das ist Demokratie“, sagte Diehl zum Ergebnis: „Ich bin enttäuscht, aber nicht traurig.“

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