Rheinland-Pfalz 200 Jahre oder ein halbes Jahrhundert?

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«LUDWIGSHAFEN/HOMBURG.» Am eifrigsten feiert der Saarpfalz-Kreis das runde Jubiläum. Und zwar schon seit dem vergangenen Jahr: Mit einer Wanderausstellung, einem Wandkalender und einer wissenschaftlichen Tagung wurde dort an die Zeit von 1816 bis 1919 erinnert, in der die Saarpfalz zu Bayern gehörte. In diesem Jahr ist bereits eine Kabarettrevue mit dem Titel „Freistaat Saarpfalz“ gestartet, gab es einen Festakt mit Blick auf die Gründung der Landkommissariate vor 200 Jahren. Außerdem hat Landrat Theophil Gallo bereits zwei seiner sieben geplanten Wandertouren absolviert, mit denen an dieses Jubiläum erinnert wird. Das ist aber noch längst nicht alles – die Liste der Festivitäten zum Thema 200 Jahre Landkreis Homburg umfasst drei eng beschriebene DIN-A-4-Seiten. Dabei gehört dieser Kreis, der 1974 zum Saarpfalz-Kreis umgebildet wurde, politisch gesehen längst nicht mehr zur Pfalz, geschweige denn zu Bayern, sondern zum Saarland. Und wie halten es die (rheinland-)pfälzischen Nachbarn, bei denen der bayerische König Maximilian I. Joseph zum 1. April 1818 die übrigen elf Landkommissariate eingerichtet hat? Weder für den Kreis Bad Dürkheim (DÜW), noch für den Rhein-Pfalz-Kreis (RP) oder den Kreis Südliche Weinstraße (SÜW) ist das ein Anlass, die Sektkorken knallen zu lassen. Warum? „Wir halten uns an 1969“, heißt es im Bad Dürkheimer Kreishaus. In jenem Jahr wurden im Zuge einer umfassenden rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform die Landkreise neu zugeschnitten. Der Landkreis SÜW wurde 1969 aus den beiden Landkreisen Bad Bergzabern und Landau gebildet, seinen heutigen Namen trägt er allerdings erst seit 1978. Auch für ihn gilt: Gefeiert wird erst im nächsten Jahr, und zwar sein 50-jähriges Bestehen. Am heftigsten hat die Verwaltungsreform von 1969, aber keineswegs nur sie, die Vorderpfalz umgekrempelt. Die aus den Landkommissariaten Speyer und Frankenthal hervorgegangenen Landkreise Speyer und Frankenthal sucht man heute vergeblich auf der Landkarte. Dafür finden wir dort die größte pfälzische Stadt Ludwigshafen, an die 1818 niemand dachte, weil sie schlicht noch nicht existierte, und natürlich die kreisfreien Städte Speyer und Frankenthal. Der heutige Rhein-Pfalz-Kreis hieß bis 2003 Kreis Ludwigshafen. Er war erst 1886 aus dem einstigen Landkommissariat Speyer, das damals als Bezirk bezeichnet wurde, ausgegliedert worden. Und aus jenem Kreis Ludwigshafen sowie aus dem Kreis Speyer, aus der Osthälfte des Kreises Frankenthal und aus der aus dem Kreis Neustadt stammenden Gemeinde Rödersheim wurde 1969 ein neuer, viel größerer Kreis Ludwigshafen geschmiedet. Eine 200-Jahr-Feier kann es nach alldem erst im Jahr 2086 geben, heißt es im Ludwigshafener Kreishaus. „Das dauert ja noch ein bisschen!“ Aus Teilen früherer Landkommissariate sind aber nicht nur DÜW, RP und SÜW zusammengefügt worden. Auch die Grenzen der heutigen Kreise Kaiserslautern, Kusel, Südwestpfalz und Donnersbergkreis wurden gegenüber 1818 zum Teil völlig neu gezogen. Das hindert sie aber nicht daran, an die bayerische Zeit anzuknüpfen. Wer die Internetseite des Kreises Kaiserslautern aufruft, wird dort direkt auf das Jubiläum und die Veranstaltungen hingewiesen. Dazu zählen unter anderem ein Festkonzert im September, ein Filmevent im Oktober und eine Festveranstaltung im November. Auch im Heimatjahrbuch wird das Thema aufgegriffen. Der Kreis Kusel zeichnet mit einer Sonderausgabe seines jährlich erscheinenden „Westrichkalenders“ ein facettenreiches Porträt seiner Geschichte, seiner Gemeinden, von Wirtschaft und Kultur. Dieses opulente Heimatjahrbuch ist ausdrücklich dem Jubiläum „200 Jahre Landkreis Kusel“ gewidmet und dem Anlass entsprechend ausnahmsweise doppelt so umfangreich wie üblich. Auch im Kreis Südwestpfalz wird das Thema im eigenen Heimatkalender aufgegriffen, für den 20. Oktober ist ein Festabend mit dem Mainzer Historiker Michael Kißener geplant. Beim „Autofreien Wallhalbtal“ im Juni soll ebenfalls an 1818 erinnert werden. Im Donnersbergkreis wird es im Herbst auch einen Festakt mit einem historischen Vortrag geben. Das hindert den Kreis aber nicht daran, im kommenden Jahr an die Verwaltungsreform von 1969, also an 50 Jahre Donnersbergkreis zu erinnern. Dieses Ereignis soll dann „im größeren Stil festlich-fröhlich gefeiert werden“, heißt es im Kreishaus in Kirchheimbolanden. Wenn es um die Festivitäten aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums geht, kann nur einer mit dem Saarpfalz-Kreis mithalten: Der Kreis Germersheim lässt schon auf seiner Internetseite keinen Zweifel daran, dass 2018 für ihn ein besonderes Jahr darstellt. Dort ist auch ein Flyer mit den Veranstaltungen im Jubiläumsjahr zu finden. Außerdem gibt es einen Fotowettbewerb, einen Festakt für geladene Gäste und im Oktober einen Jubiläums-Zapfenstreich beim Tag der Feuerwehren und Hilfsorganisationen. Auch mehrere „Begegnungen aus 200 Jahren mit den Nachtwächtern“ stehen auf dem Programm, jetzt im Mai wird es an mehreren Orten szenische Lesungen geben. Und, und, und. Der Landkreis Germersheim stellt die einzige Verwaltungseinheit dar, die flächenmäßig nahezu unverändert die 200 Jahre überdauert hat. Lediglich die Gemeinde Hayna musste er 1974 als Folge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform an den heutigen SÜW-Kreis abtreten. Und durch die Rheinbegradigung von Tulla hat sich auch die Rheingrenze hier und da etwas verschoben. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Landkommissariate 1818 mit einer einheitlichen Personalausstattung starteten: Dem „Land-Commissär“ gestand der bayerische König einen Actuar (Stellvertreter), zwei Schreiber und einen Boten zu. Zum Vergleich: Der Kreis Kaiserslautern hat heute knapp 500 Mitarbeiter. Der bis heute berühmteste „Land-Commissär“ der ersten Generation tat übrigens in Homburg Dienst: Philipp Jakob Siebenpfeiffer sollte sich 14 Jahre später als Mitinitiator des Hambacher Festes einen Namen machen. Einwurf

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