Rheinland-Pfalz 100 Durchsuchungen wegen Millionenbetrugs

«Ludwigshafen.» Ermittler sind seit Monaten einem Millionenbetrug mit Scheinrechnungen auf der Spur, die Polizei hat deshalb gestern mehr als 100 Geschäfte und Wohnungen vor allem in Ludwigshafen, Mannheim und im Großraum Köln durchsucht. Als Hauptverdächtige gelten drei Ludwigshafener.
Acht Kleinbusse der Polizei stehen am Donnerstagmorgen vor einem Café in der Ludwigshafener Innenstadt, einige der Beamte haben ihre Gesichter mit Sturmhauben verdeckt. Ihr Einsatz ist Teil einer Großrazzia, bei der rund 650 Fahnder mehr als 100 Geschäftsräume und Wohnungen vor allem in Ludwigshafen, Mannheim und im Raum Köln durchsuchen. Vermummte Spezialkräfte der Polizei sind in einigen Fällen mit angerückt, weil sie damit rechnen, auch auf gewaltbereite Menschen zu treffen. Dabei geht es eigentlich um Wirtschaftskriminalität, vor allem in der Baubranche, in Leiharbeitsfirmen und im Reinigungsgewerbe. Drei Hauptverdächtige – laut Staatsanwaltschaft wohnen sie alle in Ludwigshafen – sollen über Jahre hinweg ein Firmennetz aufgebaut haben, das Scheinrechnungen für Unternehmen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen erstellte. Die konnten die falschen Belege dann zum Beispiel benutzen, um Steuern zu hinterziehen oder zu verschleiern, dass sie Schwarzarbeiter beschäftigen. Die Behörden gehen nach monatelangen Ermittlungen des Landeskriminalamts, des Zolls und der Steuerfahnder des Neustadter Finanzamts davon aus, dass der Staat so um Millionen betrogen wurde. Die drei Hauptverdächtigen sitzen jetzt in Untersuchungshaft. Und ein paar Zufallsfunde haben Polizisten bei der Razzia auch noch gemacht. Weil sie bei einem der Einsätze in Ludwigshafen einen Totschläger und einen Elektroschocker entdeckten, wird jetzt wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. Außerdem beschlagnahmten sie mehrere Automaten, die vermutlich für illegale Glücksspiele verwendet wurden.