Rheinland-Pfalz Überhitzte Säle ein Paradies für Viren

Viele Vorderpfälzer haben derzeit die Grippe.
Viele Vorderpfälzer haben derzeit die Grippe.

«MAINZ/KOBLENZ.» Die Grippe hat Rheinland-Pfalz fest im Griff. Viele Arbeitnehmer haben sich krankgemeldet. Vor allem in der Vorderpfalz liegen viele Menschen auf der Nase. Die aktuellen Meldezahlen aus den Artpraxen zeigen allerdings, dass die Lage im vergangenen Jahr schlimmer war. Dies hat gestern auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) bestätigt. Wegen der Grippewelle haben Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz 2018 öfter gefehlt als im Jahr zuvor.

Fachleute gehen davon aus, dass die Zahlen nach dem Aschermittwoch noch einmal deutlich nach oben schnellen werden. „Für Grippeviren ist ein ungelüfteter überhitzter Saal voller dicht gedrängter schunkelnder Menschen das reine Paradies“, sagte gestern Kerstin Stiefel, Sprecherin des Landesuntersuchungsamtes (LUA). Die Grippewelle rollt ihrer Auskunft nach „ganz ordentlich“ in Rheinland-Pfalz, jedoch deutlich schwächer als in der vergangenen Saison. „Da hatten wir im Januar und Februar in der Summe deutlich mehr Fälle, beispielsweise im Kreis Bad Dürkheim doppelt so viele.“ Die meisten Grippekranken wurden bislang aus Arztpraxen in Ludwigshafen und im Kreis Bad Dürkheim gemeldet. In Ludwigshafen hat es laut LUA seit Anfang Januar 233 Menschen erwischt, im Kreis Bad Dürkheim 150. Dabei handelt es sich um im Labor nachgewiesene Fälle der echten Influenza. In Wirklichkeit gibt es laut LUA noch deutlich mehr Grippekranke, da nicht alle Betroffenen zum Arzt gehen und nicht jede Praxis Patienten mit Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen, Schnupfen und Husten auf Grippe testet. Auch aus dem Rhein-Pfalz-Kreis wurden bereits 135 Grippefälle gemeldet. Im Donnersbergkreis waren 54 Patienten betroffen, im Kreis Germersheim 51, in Frankenthal 30 und im Kreis Südwestpfalz 27. LUA-Sprecher Achim Ginkel glaubt aber nicht, dass die Grippe in der Vorderpfalz tatsächlich heftiger grassiert als anderswo. Seiner Ansicht nach spiegeln die Zahlen nicht die Realität wider: „Im Großraum Ludwigshafen sind einfach mehr Leute krank als in bevölkerungsärmeren ländlichen Regionen.“ Außerdem sei das Meldeverhalten der Ärzte sehr unterschiedlich. Wer sich vor der Grippe schützen möchte, könnte sich laut Ginkel noch impfen lassen. „Es wäre jetzt allerdings höchste Eisenbahn, da es bis zu zwei Wochen dauert, bis der Impfschutz vollständig da ist.“ Es sei allerdings schwierig, noch an Serum zu kommen. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, empfehlen Ärzte viel Bewegung an der frischen Luft und häufiges Händewaschen. 2018 sorgte Anfang des Jahres die starke Grippewelle für einen Anstieg der Fehltage bei den Berufstätigen. Bei den DAK-Versicherten sei jeder Arbeitnehmer im Mittel 13 Tage wegen Grippe oder anderer Beschwerden krankgeschrieben gewesen, so DAK-Sprecher Claus Uebel in Mainz. Für die Analyse seien die Daten der rund 155.000 erwerbstätigen Mitglieder ausgewertet worden. „Die Anzahl der Fehltage wegen schwerer Atemwegserkrankungen stieg innerhalb eines Jahres um rund elf Prozent“, sagte Uebel. Die Techniker Krankenkasse meldete noch mehr Fehltage, ebenfalls beeinflusst durch grippale Infekte. Ihre berufstätigen Mitglieder blieben 2018 durchschnittlich 16 Tage krank zu Hause. Im Februar 2018 hätten sich so viele Erwerbstätige mit Atemwegserkrankungen krankgemeldet wie seit zehn Jahren nicht mehr, hieß es.

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