Tiere
Wasseramseln in der Pfalz beobachten
Die Wasseramsel, ein außergewöhnlicher Vogel, lebt, wie ihr Name schon vermuten lässt, an Bächen und Flüssen. Durch ihre Gefiederfarbe verschmilzt sie recht gut mit ihrer nassen Umgebung. Wird sie gestört oder bedroht, taucht die Amsel einfach ab. Aber auch ihre Nahrung jagt sie vorwiegend während eines Tauchgangs.
Den Bestand der knapp starengroßen Wasseramsel gibt die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor) mit 700 bis 900 Brutrevieren im Land an. Wirklich üppig ist das nicht, sie gilt aber derzeit nicht als gefährdet.
Die Wasseramsel hat Ansprüche
Brutpaare beanspruchen an geeigneten Fließgewässern jeweils drei bis vier Kilometer Bachlänge für sich alleine. Die konkreten Bestandszahlen wurden vor einigen Jahren von Peter Ramachers im Verlauf eines Erfassungsprojektes am Glan, an der Lauter und am Odenbach ermittelt. Ramachers, Landeskoordinator im Monitoring-Programm „Häufige Brutvögel“ und Mitarbeiter in der Gnor, erläutert, dass für ein Brutrevier ganz bestimmte Kriterien erfüllt sein müssten. Die Wasseramsel nimmt es nicht, wie es kommt. An Queich, Isenach, Speyerbach, Spirkelbach, Rodalb und Schwarzbach – nur einige Gewässer in der Pfalz, an denen der Vogel in der Vergangenheit dokumentiert wurde – müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
Dieser Vogel will klare, schnell fließende, nicht zu tiefe Bäche mit schattenspendender Ufervegetation. Ohne flache, sandige, kiesige oder geröllhaltige Uferbereiche in Verbindung mit zahlreichen größeren Steinen und kleineren Felsbrocken im Bachbett, auf denen sie sitzen kann, wird sich die Wasseramsel nicht ansiedeln.
Trippeln am Bachgrund
Ihre Nahrung findet sie vorwiegend unterhalb der Wasseroberfläche. Fressbares, das sich unter flachen Steinen finden lässt, nimmt sie ebenfalls. Gekonnt werden dabei die Steine umgedreht. Fliegende Insekten schnappt sie sich von unten aufsteigend aus der Luft. Das ist aber längst nicht so spektakulär wie ihr Kopfsprung ins Nass. Dabei nutzt der Vogel einen aus dem Wasser ragenden Stein quasi als Sprungbrett. Der Tauchgang kann bis zu 15 Sekunden dauern, wobei die Wasseramsel problemlos in einer Tiefe von einem Meter über den Bachgrund trippelt.
Zusätzliche und elementar wichtige Kriterien für eine Besiedlung sind laut Ramachers Nischen, Löcher, Abbrüche oder ausgewaschener Wurzelfilz in Uferbereichen und an Wasserbauwerken wie Brücken. Hier versteckt die Wasseramsel ihr kugelförmiges Nest, das sie, wenn der Mensch sie lässt, jahrelang nutzt. Werden künstliche Nisthilfen angebracht, nimmt die Wasseramsel sie durchaus an.
Tarnung durch Gefiederfarbe
Ihre Liebe zum Wasser ist es nicht allein, das die Amselart von ihren Verwandten unterscheidet. „Die Wasseramsel war für mich bis vor einigen Jahren nur ein brauner Vogel, bis ich sie aus nächster Nähe gesehen habe. Ihr Gefieder besteht aus drei verschiedenen Brauntönen und einem weißen Kehlfleck. Diese Kombination hat es in sich“, beschreibt Naturschützer und Naturfotograf Alexander Weis, was ihm die Kamera, sein drittes Auge, offenbart hat. Denn die Farbkombination erweist sich als gute Tarnung.
Während einer mehrwöchigen Beobachtungszeit, war es außer dem Tauchen und Schwimmen des Vogels das ständige Knicksen und Blinzeln, das Weis in den Bann zog. Das Knicksen ist eine auffällige und sehr typische Bewegungsweise der kurzschwänzigen Wasseramsel. Sie hebt und senkt den ganzen Körper, ohne sich nach vorne zu neigen. Beim Blinzeln huscht ein weißes Häutchen über das Auge und wischt anhaftende Wasserteilchen von der Hornhaut.
Fett fürs Gefieder
Ohnehin ist die Wasseramsel perfekt an ihre Tauchgänge angepasst. Mit einer kräftigen Brustmuskulatur und kräftigen Beinen kann sie sich schwimmend und tauchend in der Strömung behaupten. Außer dem Augenhäutchen gibt es eine Hautfalte, die unter Wasser die Ohröffnung verschließt. Zudem verfügt die Amsel über eine wesentlich größere Bürzeldrüse als vergleichbare Singvögel. Mit dem Sekret aus der Drüse fettet sie ihr Gefieder immer wieder gründlich und ausgiebig nach und macht es wasserabstoßend. Deshalb kann sie nach dem Tauchgang wie ein Korken aus dem Wasser flutschen und direkt weiterfliegen.
Fliegenlarven als Nahrung
Geselligkeit oder Schwarmbildung? Nichts für die ganzjährig bei uns vorkommende Wasseramsel. Ein strikter Einzelgänger ist sie aber auch nicht. Paare halten sich im Laufe des Jahres zwar zeitweise getrennt im Brutrevier auf, vertreiben aber gemeinsam die Konkurrenz. Schon früh im Jahr beginnt die Wasseramsel mit der Balz und dem Brutgeschäft. Eine zweite Jahresbrut gibt es in der Regel nur, wenn das erste Gelege verloren geht.
Ganz oben auf dem Speisezettel stehen die Larven von Köcher-, Eintags- und Steinfliegen sowie der Kriebelmücken. Wasserkäfer, Wasserschnecken, Wasserasseln und Würmer dürfen es auch mal sein. Gelegentlich werden kleine Fische erbeutet. Beim „Landgang“ nimmt die Amsel Käfer, Ameisen und Spinnen mit. Werden die Köcherfliegenlarven an die Jungen verfüttert, schlägt die Wasseramsel die Larve gezielt aus dem schützenden Köcher.
Brückengeländer als Ausguck
„Es ist eine Freude, die Wasseramsel bei der Nahrungssuche am oder im Bach zu beobachten“, sagt Peter Ramachers. Wer vom Brückengeländer aus oder direkt an einem Stauwehr mit herabschießenden Wasserkaskaden die Uferbereiche absucht, könne durchaus eine Wasseramsel entdecken. Geduld erfordere es aber schon. Das scheue Tier fliege meist schon unbemerkt weg, wenn die menschliche Silhouette am Brückengeländer auftauche, so der Experte.
Er hat aber einen Tipp: Ob eine Wasseramsel an diesem Ort heimisch ist, könne man an den einige Zentimeter großen, weißen, etwas verlaufen aussehenden Kotflecken auf den Steinen im Wasser und im Uferbereich erkennen, so Ramachers Tipp. Die Hinterlassenschaften anderer Wasservögel sind nämlich größer.