Tiere
Katze vermisst: Was tun?
In Deutschland werden jährlich Hunderttausende Katzen zumindest kurzzeitig vermisst. Die Ursachen für das Verschwinden können ganz unterschiedlich sein. Obwohl man nicht immer gleich vom Schlimmsten ausgehen sollte, kann es sich um einen Notfall handeln, der rasches und richtiges Handeln erfordert. Eine Expertin vom Tierschutzverein München gibt Tipps, welche Maßnahmen im Fall der Fälle wichtig sind.
Kommt eine Katze länger als gewöhnlich nicht nach Hause oder ist sie bereits mehr als 24 Stunden nicht mehr auffindbar, so gilt sie in der Regel als vermisst. Zuerst sollte in diesem Fall die direkte Umgebung überprüft und sichergestellt werden, dass sich der Vierbeiner nicht in einem Zimmer oder an einem ruhigen Ort in Wohnung oder Haus versteckt hat. Ist das Tier in den Innenräumen nicht zu finden, sollte im Umfeld des Hauses weitergesucht werden, da sich Katzen gern in Büschen und Sträuchern verstecken.
Abends und nachts suchen
„Grundsätzlich kann man die vermisste Katze jederzeit suchen, allerdings eignet sich die Abend- und Nachtzeit besonders, da es dann ruhiger ist und sich eine verschreckte Katze eher aus ihrem möglichen Versteck heraustraut“, rät Kristina Berchtold vom Tierschutzverein München. Wer abends sucht, sollte dies mit einer Taschenlampe tun, da das Tier beispielsweise in Büschen leichter erkennbar ist, wenn die Augen das Licht reflektieren.
Laut der Expertin gibt es beliebte Verstecke, aber auch regelrechte Fallen, in die Katzen häufig tappen und von selbst vielleicht nicht mehr herauskommen. „In 80 bis 90 Prozent der Fälle sind Katzen irgendwo eingesperrt. Es ist deshalb besonders wichtig, alle Räume, Keller, Schränke, Waschmaschinen, Trockner, Schubläden und Nischen in der eigenen Wohnung zu checken“, so Berchtold. Am besten sollten Türen für längere Zeit offenstehen, um dem Tier die Möglichkeit zu geben, von selbst hinauszulaufen.
Nachbarn um Hilfe bitten
Als nächsten Schritt empfiehlt es sich, umliegende Garagen, Tiefgaragen, Schuppen, Gartenhäuschen, Keller und Dachböden zu überprüfen. Da auch ein Verkehrsunfall nicht ausgeschlossen werden kann, sollten Straßenränder der Umgebung ebenso abgesucht werden. „Tierhalter sollten auch nicht davor zurückscheuen, bei der Nachbarschaft zu klingeln und darum zu bitten, selbst hineinschauen zu dürfen oder dass der Nachbar nachsieht“, erklärt Berchtold.
Ratsam ist es zudem, Wurfsendungen in den Briefkästen der Nachbarn zu hinterlassen, mit der Bitte, die Räumlichkeiten genau zu überprüfen. „Es reicht aber nicht, dass lediglich nach dem Tier gerufen wird. Es muss wirklich genau nachgesehen werden“, so Berchtold. Das Aufhängen von Suchplakaten muss man sich allerdings von der jeweiligen Kommune genehmigen lassen. Ist ein Tier aufgefunden worden, müssen die Plakate entfernt werden.
Heimwegschleppe legen
Manchmal hat sich eine Katze nur verlaufen. Eine Heimwegschleppe ist eine Methode, um die Tiere dabei zu unterstützen, den Weg zurück nach Hause zu finden. Dabei wird eine Geruchsspur gelegt – in der Regel mit stark riechenden Dingen, die der Katze vertraut sind, um sie anzulocken und heimzuführen. „Tierhalter können zum Beispiel ein getragenes Kleidungsstück (Shirt, Socken), das stark nach ihnen riecht, verwenden. Manche Halter verwenden auch benutztes Katzenstreu aus der Katzentoilette“, berichtet die Expertin.
Das Material wird schließlich in einer Schleppe, also als Geruchsspur, vom Ort, wo die Katze letztmals gesehen wurde, oder von ihren gewohnten Wegen bis zurück nach Hause gezogen. „Am besten funktioniert das bei windstillem Wetter oder abends, wenn weniger Gerüche in der Luft sind. Man kann auch mehrere Schleppen rund um das Wohnhaus legen, die sternförmig alle nach Hause führen“, sagt Kristina Berchtold.
Im Idealfall nimmt die Katze den vertrauten Geruch auf und folgt der Spur. Besonders bei orientierungslosen Wohnungskatzen ist die Erfolgsgarantie hoch. Allerdings sollte die Spur nicht zu lang sein, da sie sonst zu schwach werden kann. Eine Futterspur sollte draußen hingegen nicht gelegt werden. „Das zieht Wildtiere oder andere Katzen an und verfehlt damit seinen Zweck“, erläutert Berchtold.
Meldung bei Register
Eine Vermisstenmeldung bei einem Heimtierregister ist äußerst sinnvoll, besonders, wenn das entlaufene Tier gechippt ist. Aber auch ohne Chip und Registrierung ist die Meldung wertvoll, da das Tier mit Foto und genauer Beschreibung trotzdem zur Suche ausgeschrieben werden kann. Wer sein Tier bei einem Heimtierregister wie Tasso und Findefix registriert hat, kann Plakate mit Foto zum Ausdrucken dort erstellen.
„Was viele Tierhalter nicht wissen, ist, dass die Registrierung nicht durch den Tierarzt erfolgt, bei dem der Chip eingesetzt wird. Diese muss selbstständig durchgeführt werden“, erklärt Berchtold. Dies könne aber auch nachträglich online gemacht werden, ebenso wie die Vermisstenmeldung. „Die Katzenbesitzer können zudem auch direkt anrufen, ihr Tier telefonisch registrieren und gegebenenfalls als vermisst melden. Die beiden gängigsten Register sind Tasso und Findefix“, so die Expertin.
Social-Media-Gruppen nutzen
Darüber hinaus sollten bestimmte örtliche Stellen verständigt werden. Dazu zählen Polizei, Autobahnpolizei, Deutsche Bahn, Straßenmeisterei, Tierheim, Tierschutzverein, Tierkliniken, Tierarztpraxen, Ordnungsamt, Gemeinde, umliegende Bauernhöfe sowie etwa die Jägerschaft. „Manche behördlichen Einrichtungen sollte man regelmäßig abtelefonieren, da bei Schichtübergabe nicht alle Vorkommnisse weitergegeben werden“, rät Kristina Berchtold.
Auch die Suche über das Internet, besonders über Social Media, kann sehr hilfreich sein. „Es gibt eine Vielzahl von Gruppen auf Facebook mit vielen freiwilligen Helfern. Man kann dort selbst einen Post erstellen und ihn vom Gruppenadministrator veröffentlichen lassen. Auch Nachbarschaftsplattformen wie nebenan.de sind dafür absolut sinnvoll“, erklärt Berchtold.
Viele Katzen kehren übrigens ohne Hilfe wieder zurück, auch wenn es mal länger dauert. Aber auch, wenn das Tier länger nicht heimkehrt, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben. Immer wieder gibt es Fälle, in denen Katzen sogar nach Jahren aufgefunden werden. Manchmal lebten sie sogar in direkter Nachbarschaft, weil sie dort angefüttert wurden.