Gesundheit RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Camp für krebskranke Kinder

Wie WinnetouBei den Waldpiraten wird den Kindern viel geboten. Kanufahren gehört dazu.
Wie WinnetouBei den Waldpiraten wird den Kindern viel geboten. Kanufahren gehört dazu.

Bei den Heidelberger Waldpiraten abenteuern sich an Krebs erkrankte Kinder zurück ins normale Leben.

Nicht nur für Erwachsene ist Sport während und nach einer Krebstherapie enorm wichtig: Auch Kinder, die an Krebs erkrankt sind, profitieren von Bewegung. Seit 2003 gibt es in Heidelberg deshalb das Waldpiraten-Camp von der Deutschen Krebsstiftung. Hier können Kinder, die eine Krebserkrankung hinter sich haben, und deren Geschwister an einer Freizeit teilnehmen. Das Camp ist in dieser Form einzigartig in Deutschland, auch viele Kinder aus Rheinland-Pfalz sind regelmäßig hier.

Ohne ihre Eltern besuchen Kinder ab neun Jahren das Camp. Sie schlafen in Blockhütten, klettern im Hochseilgarten oder auf Bäumen, reiten, fahren Kanu, tauchen, versuchen sich im Bogenschießen, spielen Theater und arbeiten in Werkräumen. „Die Kinder können sich hier von der Zeit im Krankenhaus erholen, neue Erfahrungen sammeln und wieder mehr Selbstvertrauen in sich und ihren Körper bekommen“, sagt Sonja Müller. Müller, die als Kind selbst eine Krebserkrankung überstanden hat, leitet seit Sommer 2017 das Waldpiraten-Camp am Heidelberger Stadtwald.

Die Kinder kämpfen mit den Krankheitsfolgen

Die Einrichtung ist erlebnispädagogisch ausgerichtet, es gibt sportpädagogische Angebote, Spiel und Spaß sollen im Vordergrund stehen. Trotzdem wird auch über die Krankheit und die Zeit im Krankenhaus gesprochen. „Es gibt Gesprächsgruppen und auch Einzelgespräche, alles ganz zwanglos und freiwillig. Wir erleben oft, dass die Geschwisterkinder der Patienten einen großen Redebedarf haben, die verarbeiten ganz viel hier“, erzählt Sonja Müller. Gespräche werden gerne in der Natur geführt, wobei Naturmaterialien als Anschauungsmaterial dienen.

Viele Kinder kämpfen mit den Folgen der Erkrankung. „Eltern berichten häufig, dass ihr Kind sich im Wesen verändert habe. Ein Aufenthalt im Krankenhaus prägt die Kinder, sie spüren die Sorgen der Eltern und Geschwister. Viele leiden nach der Krebserkrankung an einer chronischen Erkrankung. Hier im Camp versuchen wir, die Kinder ein Stück weit zurück in ein normales und lebenswertes Leben zu begleiten“, beschreibt Müller das Anliegen.

Mehr als 6000 Waldpiraten gab es bereits

Ausschlusskriterien gebe es dabei keine, keiner sei zu krank für das Camp und eine Eins-zu-Eins-Betreuung werde möglich gemacht, körperliche Einschränkungen oder ein Rollstuhl sind auch kein Problem. Einzig das Immunsystem muss stabil sein, weshalb die Kinder in der Regel nicht direkt aus dem Krankenhaus nach Heidelberg kommen, sondern erst nach einer Reha. „Ist ein Kind gesundheitlich so stabil, dass es in die Schule kann, kann es auch beim Camp teilnehmen“, erklärt Müller. Neun Tage dauert in der Regel der Aufenthalt, maximal 46 Teilnehmer, im Alter von neun bis 15 Jahren, können von Februar bis Oktober an den Freizeiten am Rand des Heidelberger Stadtwalds teilnehmen. Mehr als 6000 Kinder waren bisher bei den Waldpiraten, mehrfache Teilnahmen sind möglich.

Die Eltern zahlen 65 Euro pro Kind, der Rest wird über Spenden finanziert. Die regionalen Elterngruppen, die unter dem Dach der Deutschen Kinderkrebsstiftung angesiedelt sind, gehören ebenso zu den Unterstützern der Einrichtung wie verschiedene Stiftungen, Unternehmen, Vereine, Schulklassen und auch Einzelpersonen. Neben den Freizeiten gibt es zahlreiche Wochenend-Veranstaltungen. Dazu gehören beispielsweise Junge-Leute- und Familienseminare, Seminare für Alleinerziehende oder für die örtlichen Elterngruppen und Fördervereine sowie Fortbildungen in der pädiatrischen Onkologie.

Mehr Infos:www.waldpiraten.de

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