Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Marienkäfer: Nicht nur Läuse auf dem Speiseplan

Der Siebenpunkt-Marienkäfer zählt zu den heimischen Arten.
Der Siebenpunkt-Marienkäfer zählt zu den heimischen Arten.

Heimische Marienkäfer fressen Blattläuse und einige stehen auf Pilze. Sie sind daher sympathische Helferlein im Gartenbeet und gelten als Glücksbringer. Um selbst glücklich zu sein, brauchen sie gar nicht viel.

Die recht farbenfrohen Marienkäfer schaffen es meistens, uns ein Lächeln zu entlocken. Sie sind auch zu putzig, diese halbrunden Käferchen. Es sieht nicht nach großer Flugkunst aus, wenn sie beim Starten die bunten Deckflügel weg- und die eigentlichen Flügel ausklappen. Gern lässt man sie auf der Hand landen und schaut ihnen beim Einsortieren der Flügel zu.

Der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer ernährt sich auch vom Mehltaupilz.
Der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer ernährt sich auch vom Mehltaupilz.

Mal tragen sie gar keinen Punkt, mal zwei, mal sind es so viele, dass sie kaum auf die kleinen roten, gelben, braunen oder auch orangefarbenen Flügeldecken zu passen scheinen. Selbst innerhalb einer Art kann die zumeist leuchtende Färbung stark variieren. Die Anzahl der Punkte ist dagegen artspezifisch, es macht quasi die Art aus, wie viele Punkte vergeben sind.

Gepunktete Warnsignale

Rund sind die Punkte nicht immer. Bei den einen verwischen sie sich zu einem wahren Schachbrett, so wie bei dem schwarz-gelben Vierzehnpunkt- oder Schachbrett-Marienkäfer (Propylea quatuordecimpunctata). Bei anderen sind es dunkle, weiß umrandete Flecken, was ein bisschen an Augen erinnert, so wie bei unserem größten heimischen Marienkäfer, dem Augenmarienkäfer (Anatis ocellata). Bis zu neun Millimeter groß wird diese Art. Unsere sonst bekannten Arten sind zwischen 1,5 und sieben Millimeter groß.

Ganz ohne Punkte gibt es auch welche. Der Glänzende Schlankmarienkäfer etwa. Er trägt auf seinen rotbraunen Flügeldecken keinen Punkt und ist auch nicht ganz so typisch halbrund, sondern langgestreckt. Im Garten wird er wohl nicht vorbeischauen, er zieht das Leben in Feuchtgebieten vor.

5000 Arten weltweit

Weltweit sind rund 5000 Marienkäferarten beschrieben, in Deutschland sind etwa 80 Arten heimisch, die alle farbenfroh mit unübersehbaren Warnsignalen daherkommen. Die leuchtenden Farben warnen Fressfeinde vor dem Gift der Marienkäfer. So vertragen etwa Jungvögel es nicht, wenn sie mit zu vielen Marienkäfern gefüttert werden.

Der Augenmarienkäfer ist die größte heimische Marienkäfer-Art.
Der Augenmarienkäfer ist die größte heimische Marienkäfer-Art.

Die Larven der Marienkäfer bedecken sich zum Schutz vor Fressfeinden teils mit einem weißen, flockigen Belag. Berührt der Mensch die Käfer unsanft, zeigen sie, wie gut sie sich tot stellen können. Diese Taktik nennen Biologen Thanatose. Der Marienkäfer kann sich diesem Reflex einige Minuten lang hingeben. Aus seinen Beingelenken tritt in dieser Zeit ein gelblicher, bitterer Saft aus, das sogenannte Reflexbluten.

Das große Fressen

Marienkäfer und ihre Larven ernähren sich meist von Blattläusen, und darin sind sie wirklich einsame Spitze. Eine Generation eines Siebenpunkt-Marienkäfers (Coccinella septempunctata) kann im Jahr mehr als 100.000 Blattläuse vertilgen.

Der Siebenpunkt, ein heimisches, eigentlich häufiges „Glückskäferle“, ist nicht immer rot. Es gibt ihn auch mit gelben Flügeldecken, aber immer mit sieben Punkten und einem gewaltigen Appetit. Zwar fressen die Käfer nicht ohne Unterlass. Sie schlafen meistens irgendwo auf einer Pflanze. Aber wehe den Läusen, wenn sie loslegen. Der Siebenpunkt macht dabei auch nicht vor Schildläusen halt. Die mag der Zweipunkt (Adalia bipunctata) auch. Er frisst zudem Spinnmilben und nascht an Pollen.

Läuse und Larven

Es gibt auch Arten, die außer Läusen auch Larven von Schmetterlingen fressen wie etwa der Augenmarienkäfer. Und es gibt Mehltaupilz fressende Marienkäfer wie den zitronengelben Zweiundzwanzigpunkt (Psyllobora vigintiduopunctata). Im Grunde genommen hat er sogar 27 Punkte. Je elf auf den Flügeldecken und fünf weitere auf dem ebenfalls gelben, manchmal weißlichem Halsschild. Im Gebüschsaum kann schon mal der Zwölffleckige Pilz-Marienkäfer (Vibidia duodecimguttata) entdeckt werden, der ebenfalls den Echten Mehltau abfrisst. Er trägt auf seinen orange-braunen Flügeldecken jeweils sechs weißliche Flecken und hat auffallend schwarze Augen.

Es gibt auch vegetarisch veranlagte Arten unter den Marienkäfer. Mit ihrer Lust auf Pflanzen zählen sie durchaus zu den Schädlingen. Der bekannteste ist wohl der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata), der sich von Nelken, Dahlien, Klee, Rüben, Kartoffeln, Lupinen oder Luzerne ernährt. Da eher selten nur ein einziges Kerlchen vorbeischaut, sondern ganze Großfamilien kommen, ist er nicht gern gesehen. Da entstehen schon Schäden. Nicht immer hat er erkennbar alle 24 Punkte dabei, mitunter fehlen welche oder sind auf den rotbraunen Flügeln miteinander verschmolzen.

Es gibt wenige weitere Pflanzenfresser unter den Marienkäfern, etwa den Zaunrüben-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata). Er trägt zwölf scharf abgegrenzte schwarze Punkte, ist orangerot gefärbt und leicht haarig. Deshalb fehlt ihm auch der typische Glanz. Der Bursche frisst Gurken, Melonen, Rüben, und er profitiert vom Klimawandel, fühlt sich langsam auch in bisher kühleren Gegenden wohl.

Der Harlekin beißt

Mittlerweile werden viele Gärten stark vom Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) besiedelt. Er hat besonders viele Punkte und mehr als 80 verschiedene Färbungen. Am häufigsten sind die orangefarbenen Arten. Mit bis zu acht Millimetern sind Asiatische Marienkäfer meist größer als einheimische Arten. Als sicheres Erkennungsmerkmal gilt das schwarze „M“ auf hellem Grund, das am Halsschild der meisten Asiatischen Marienkäfer prangt. Das Problem: Der auch als Harlekin bezeichnete Käfer vermehrt sich explosionsartig, frisst heimische Arten und infiziert sie obendrein mit einem Parasiten, gegen den er selbst immun ist. Fühlen sie sich vom Menschen bedroht, können sie zubeißen. Eingeführt wurde der Asiat einst als Blattlausbekämpfer. Darin sind die Harlekine tatsächlich einsame Spitze.

Die Pflanzenfresser unter den Marienkäfer sind nicht das, was wir im Garten unbedingt haben wollen. Aber sie sind nicht die Mehrheit, das sind unsere „Glückskäferle“, und die gilt es zu schützen. Einmal setzt ihnen der Harlekin ordentlich zu, zum anderen finden sie mitunter keinen Lebensraum mehr. Dabei braucht es gar nicht viel, um ihnen zu bieten, was sie brauchen. Ein kleines bisschen weniger Gartenarbeit, ein paar unaufgeräumte Ecken – das ist schon ganz viel Marienkäferschutz. Unsere heimischen Arten durchlaufen eine Generation pro Jahr und überleben meist nur einen Winter. Den verbringen sie oft in geselligen Gruppen in Laub- und Steinhaufen, hinter Rinde oder in Mauerritzen. Manchmal suchen sie zum Überwintern auch den Weg ins Haus. Ohne wettergeschützte Hohlräume haben sie kaum eine Chance, das sollte bedacht werden, bevor Großreinemachen im herbstlichen Garten ansteht.

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