Games Immer und überall alles spielen können
Während der Game Developers Conference (GDC) in San Francisco Mitte März hat der Internet-Gigant Google einen eigenen Spiele-Streaming-Dienst angekündigt: Stadia soll es überall unkompliziert möglich machen, aktuelle Spiele ohne eigenen PC oder eigene Konsole zu spielen – nur ein Eingabegerät wie Maus und Tastatur oder ein Gamepad ist noch notwendig. Noch in diesem Jahr soll der Dienst starten. Beim Cloud-Gaming werden die Spiele nämlich nicht auf dem eigenen Rechner berechnet, sondern auf externen Servern der Anbieter. Das dort produzierte Bild wird an das eigene Gerät übertragen und die Steuerbefehle an den Server des Anbieters übermittelt. Das eigene Gerät benötigt als Voraussetzung deshalb nicht mehr als eine Internetverbindung, einen Bildschirm, entsprechende Eingabemöglichkeiten und die notwendige Software, um den Cloud-Gaming-Dienst in Anspruch nehmen zu können. Unterschiedliche Angebote Doch auch das Angebot der bereits am Markt bestehenden Anbieter unterscheidet sich. Der Cloud-Gaming-Dienst Shadow bietet beispielsweise Zugriff auf einen ganzen externen Rechner, der stets mit modernster Hardware ausgestattet ist. Spiele müssen trotzdem noch gekauft und manuell installiert werden, wie man es auch auf dem eigenen Computer machen würde. Sony dagegen bietet den Zugriff auf eine Auswahl von Spielen und ist damit im Prinzip das Gaming-Äquivalent zu Film- und Serien-Streamingdiensten wie Netflix. Die Voraussetzungen, um Cloud-Gaming-Dienste in Anspruch nehmen zu können, sind dabei auch die Hürden, die es zu überwinden gilt. Besonders außerhalb der eigenen Wohnung sei dies eine Herausforderung, erklärt Michael Krosta vom Online-Spielemagazin 4Players: „In der Praxis lässt sich Cloud-Gaming bisher kaum nutzen – sei es wegen ständiger Funklöcher bei Zugreisen oder einer zu niedrigen Bandbreite im Hotel oder öffentlichem WLAN.“ Denn um Spiele in Full-HD und 30 Bildern pro Sekunde spielen zu können, sei eine Internetleistung von mindestens 50 Mbit/Sekunde notwendig. Audiovisuelle Abstriche müsse man wegen der komprimiert verschickten Dateien zusätzlich in Kauf nehmen. Zudem müssten auch die Server des Anbieters verlässlich funktionieren. Man sei also komplett vom Cloud-Gaming-Anbieter abhängig. Spieler wollen unterwegs daddeln Krosta erläutert, dass selbst bei optimalen Umständen stets eine Latenz, also Verzögerung zwischen dem eigenen Eingabebefehl und der Umsetzung dieses Befehls bleibt. So sei dies besonders bei kompetitiven Online-Spielen gegen andere Mitspieler ein Problem. Gerade dann, wenn die Gegenspieler kein Cloud-Gaming benutzen und ohne diese Latenz schneller reagieren könnten. „Einen Gelegenheitsspieler und Fan von Solo-Abenteuern dürfte das allerdings kaum stören.“ Das Potenzial zum großen Trend hat Cloud-Gaming laut Krosta allemal. Der große Erfolg der Nintendo Switch untermauere den Wunsch der Spieler, auch unterwegs mehr als nur seichte Handyspiele daddeln zu wollen. Damit dies im Alltag funktionieren kann, müssten allerdings noch einige Hürden überwunden werden, welche sich einer praktikablen Anwendung in den Weg stellen. Als große Hindernisse sieht Krosta hier unter anderem den „mageren Breitband-Ausbau, den Mangel an einem flächendeckenden mobilen Internet mit hohen Geschwindigkeiten und Handy-Tarife mit mickrigem oder überteuertem Datenvolumen“.