Politik Zur Sache: Das Schicksal von Krim und Krimtataren

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Ende Mai 1944 wurden knapp 185.000 Krimtataren vor allem nach Usbekistan, aber auch nach Kasachstan und Tadschikistan deportiert. Stalin warf ihnen Kollaboration mit den Deutschen vor, die die Halbinsel von Oktober 1941 bis Mai 1944 besetzt hatten. Schätzungen zufolge hatten sich rund sieben Prozent der Krimtataren der Wehrmacht angeschlossen. Allerdings kämpften auch viele in der Roten Armee, andere wehrten sich als Partisanen gegen die Besetzung der Krim durch die Wehrmacht. Wie viele Menschen während der Deportationen starben, ist bis heute noch ungeklärt: Offiziell waren es 191, Schätzungen zufolge mehrere tausend Menschen. Auch Griechischstämmige, ethnische Bulgaren und Armenier wurden von der Krim deportiert – insgesamt 30.000 Menschen. Die Krim wurde Teil der Russischen Sozialistischen Sowjetrepublik, 1954 wurde die damals mehrheitlich von Russen bewohnte Krim von Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow dem ukrainischen Staatsgebiet zugeschlagen. So lange Ukraine und Russland Sowjetrepubliken unter dem Dach der UdSSR waren, blieb diese Entscheidung, deren Motive bis heute im Dunkeln liegen, folgenlos. Bis 1974 war es Krimtataren strikt verboten, die Halbinsel zu betreten. Erst nach einem Dekret des Reformers Michail Gorbatschow durften sie ab Ende der 80er Jahre auf die Krim zurückkehren. Vor den Deportationen von 1944 hatten sie dort etwa ein Drittel der Bevölkerung gestellt. Als Anfang der 90er Jahre die Sowjetunion auseinanderbrach, kochte die Nationalitätenfrage auf der Krim wieder hoch. Bereits im Oktober 1991, nur zwei Monate nachdem die Ukraine unabhängig geworden war, forderte der Oberste Sowjet der Krim ein Referendum über die politische Zukunft der Halbinsel. 1992 beschloss das Krimparlament die Unabhängigkeit und eine eigene Verfassung. Doch die schwächelnde Russische Föderation unter Boris Jelzin wollte keinen Konflikt mit der Ukraine riskieren und übte Druck auf das Parlament aus, die Unabhängigkeit aufzugeben. Die Regierung in Kiew erklärte die Beschlüsse des Krimparlaments für ungültig, was sie im Sinne des Völkerrechts auch waren. In einem Freundschaftsvertrag mit der Ukraine erkannte Russland 1997 die bestehenden Grenzen an und einigte sich auf eine weitere Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol. Nachdem die Euro-Maidan-Bewegung im Februar 2014 die Entmachtung des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch erzwungen hatte, demonstrierten am 22. Februar Zehntausende auf der Krim für eine Loslösung von der Ukraine. Am 27. Februar tauchten russische Soldaten ohne Hoheitszeichen auf, um die prorussischen Demonstranten zu unterstützen. Unter der Truppenpräsenz Moskaus fand am 16. März ein Referendum statt, bei dem russischen Angaben zufolge 96,8 Prozent für ein „Wiedervereinigung mit Russland“ stimmten. Zwei Tage später wurde die Eingliederung der Krim in Moskau besiegelt.

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