Venezuela und USA
Zoff zur Unzeit zwischen Trump und Venezuela
Man fragt sich ja schon, was in den Köpfen von US-Justizminister William Barr und US-Außenminister Mike Pompeo vorging, als sie inmitten der weltweiten Corona-Krise eine politische Bombe für Südamerika platzierten. Am vergangenen Donnerstag schrieben sie Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro zur Fahndung aus und lobten ein Kopfgeld von 15 Millionen Dollar auf seine Ergreifung aus. Ein ziemlich einmaliger Vorgang in der diplomatischen Welt.
Man werfe Maduro vor, mit den kolumbianischen Drogenkartellen zusammenzuarbeiten, die die USA mit Kokain überschwemmt hätten, sagte Pompeo. Unter diesem Vorwurf hatte Washington in der Vergangenheit bereits Verfahren gegen andere Mitglieder der venezolanischen Regierung eingeleitet. Die Frage, warum ausgerechnet jetzt auch Maduro ins Fadenkreuz der US-Regierung geriet, blieb zunächst unbeantwortet.
Waffen für Guaidó entdeckt
Vielleicht hat es mit einem Waffenarsenal zu tun, das wenige Tage zuvor kolumbianischen Polizisten bei einer Routinekontrolle in die Hände gefallen war. Das Kriegsarsenal mit Sturmgewehren, schusssicheren Westen und derlei mehr war offensichtlich für die „Befreiung Venezuelas“ bestimmt, wie der Koordinator des Waffentransports behauptete. Der übergelaufene venezolanische General Clíver Alcalá habe den Waffentransport persönlich mit Oppositionsführer Juan Guaidó verabredet, gab er zu Protokoll.
Beratend zur Seite hätten US-Experten gestanden, versicherte Alcalá in einem Radio-Interview. Diese Nachricht sickerte gerade in Venezuela durch, als die USA überraschend das Kopfgeld auf Maduro aussetzten. Und damit erreichte Washington, dass die peinliche Sache mit dem Waffenfund fast unterging. Der Autokrat Maduro reagierte wie gewohnt, bezeichnete US-Staatschef Donald Trump als „erbärmlich“ und ließ gegen Guaidó ein Ermittlungsverfahren eröffnen.
Kampf gegen Corona politisiert
Der Konflikt wirkt sich derweil auch auf den Kampf gegen das Corona-Virus in Venezuela aus. Keiner der Kontrahenten kann da über den eigenen Schatten springen. Oppositionsführer Guaidó stellte zwar die Bildung einer Notstandsregierung mit Vertretern aller politischen Lager in Aussicht. „Wir müssen verantwortungsvoll sein“, sagte er am Samstag. Der amtierende Staatschef Maduro könne allerdings nicht Mitglied der Notstandsregierung sein. Dabei ist er es, der über Hospitäler, Medikamente und die Test-Kits entscheidet.