Politik
Wollten US-Söldner Maduro entführen?
Von der Absicht, in Venezuela einen Regimewechsel herbeizuführen, spricht zumindest der von Maduro vorgeführte US-Söldner Luke Denman, der angeblich bei der „Operation Gedeón“ festgenommen wurde. Er behauptete am Mittwoch sogar, hinter dem ganzen Vorhaben steckten US-Präsident Donald Trump und Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó, der Maduro die Macht streitig macht.
In einem rund zehnminütigen Video, in dem der 34 Jahre alte Texaner zu den Hintergründen der Aktion befragt wird, sagt Denman: „Ich wollte den Venezolanern helfen, die Kontrolle über ihr Land zurückzugewinnen.“ Befehligt habe die Truppe Donald Trump und vertraglich involviert sei Juan Guaidó gewesen. Dieser habe die in Florida ansässige Sicherheitsfirma „Silvercorp“, die „strategische Sicherheitsdienste“ anbietet, angeheuert, um Maduro zu stürzen.
Zumindest keine „direkte“ Beteiligung?
Die Aufgabe der rund 60 Mann starken Mini-Invasionstruppe sei es gewesen, den internationalen Flughafen von Caracas in Maiquetia zu besetzen und Maduros Entführung in die USA vorzubereiten. US-Außenminister Mike Pompeo behauptete schon vor Tagen ziemlich kryptisch, es gebe „keine direkte Beteiligung“ der US-Regierung an diesem Unternehmen.
Chef von „Silvercorp“ ist der Ex-US-Elitesoldat Jordan Goudreau. Er meldete sich nach dem Auffliegen der Operation gemeinsam mit dem Ex-Offizier der venezolanischen Nationalgarde, Javier Nieto Quintero, in einem Zeitungsinterview zu Wort. Er behauptete, es sei trotz des Scheiterns der eigentlichen Absicht gelungen, „tief in der Hauptstadt Caracas“ Kampfzellen zu stationieren. Auch in anderen Teilen des Landes seien diese Zellen aktiv und würden den Kampf aufnehmen. Vorübergehend aber sei man auf dem „strategischen Rückzug“, behauptete Goudreau in dem Interview weiter.
Massiv den Druck erhöht
Der Ex-Soldat will Guaidó im Februar 2019 kennengelernt und diesem anschließend seine Dienste bei einem Sturz Maduros angeboten haben. Guaidó verneint aber vehement, dieses Hilfsangebot angenommen zu haben.
Schon zu Beginn der Corona-Pandemie erhöhten die USA massiv den Druck auf Maduro. Ende März schrieben die US-Justizbehörden den venezolanischen Staatschef wegen angeblicher Drogendelikte zur Fahndung aus und setzten ein Kopfgeld auf ihn aus. Da liegt es nicht ganz fern zu vermuten, dass die Söldnertruppe aus ehemaligen venezolanischen Offizieren und früheren US-Spezialtruppen tatsächlich die Entführung des Staatschefs plante.
Umstrittene Wiederwahl
Maduro regiert Venezuela seit mehr als sechs Jahren und behauptet regelmäßig und wechselweise, die kolumbianische Regierung oder die in den USA trachteten ihm nach dem Leben. Tatsächlich hat es seit Maduros umstrittener Wiederwahl von 2018 mit diesem aktuellen Coup insgesamt sechs Versuche gegeben, ihn mit undemokratischen Mitteln aus dem Amt zu befördern. Der umfassendste war am 30. April 2019, als Guaidó und sein Mentor Leopoldo López vergeblich versuchten, die Armee durch einen Putsch auf ihre Seite zu bringen.
Der Vorfall vom Wochenende dient den Machthabern in Caracas gleichzeitig dazu, von der durch die Coronakrise verursachten prekären Situation im eigenen Land abzulenken. Denn der Krisenstaat steht wegen der Pandemie einmal mehr am Rand eines Kollapses. Die Menschen müssen seit rund 50 Tagen zu Hause bleiben, sie haben aber nichts mehr zu essen oder können zumindest die Lebensmittel nicht bezahlen. Die äußerst strenge Benzinrationierung in dem ölreichen Land führt dazu, dass Obst und Gemüse verderben, weil die Bauern es nicht schaffen, ihre Produkte auf die Märkte zu bringen. Die Verzweiflung der Menschen wächst – und es kommt zunehmend zu Plünderungen in dem Land, das wegen seiner Ressourcen eigentlich reich sein müsste.