Meinung
Wie in einem Endzeitfilm: Eine Miliz kapert den Libanon
Eine bewaffnete Gruppe organisiert die Treibstoffversorgung eines Landes, während sich die gewählten Politiker ihrem Hang zu Intrigen, Postengeschacher und Machtkämpfen hingeben: Was sich derzeit im Libanon abspielt, erinnert an das Drehbuch für einen Endzeit-Film.
Ein gescheiterter Staat
Sieben Millionen Menschen leben in einem gescheiterten Staat, der längst nicht mehr für das Wohl seiner Bürger sorgen will oder kann. Die radikal-schiitische Hisbollah übernimmt mit dem Import von Diesel für die Stromerzeugung staatliche Aufgaben und kann sich als Retter feiern lassen. Hinter ihr steht der Iran, der von einem „schiitischen Bogen“ vom eigenen Staatsgebiet über den Irak und Syrien bis zum Mittelmeer träumt. Jetzt ist dieser Traum zum Greifen nah. Selbst wenn die USA, der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank dem Libanon jetzt noch mit Erdgaslieferungen oder Milliardensummen helfen sollten, wird die Hisbollah die Macht nicht mehr hergeben.
Das könnte Folgen nicht nur für den Libanon haben, sondern für die ganze Region: Die Hisbollah wird sich nach ihrem Erfolg möglicherweise ermutigt fühlen, den Dauerkonflikt mit Israel neu anzufachen. Schon jetzt bombardiert die israelische Luftwaffe immer wieder die Stellungen iranischer Milizen in Syrien, die sich in der Nähe der Golan-Höhen festsetzen wollen. Der Zusammenbruch des libanesischen Staates macht den Nahen Osten noch gefährlicher, als er schon ist.
