Hebammen
Wie die Lage in Geburtskliniken entspannter werden soll
Hebammenverbände beklagen seit Langem die hohe Arbeitsbelastung ihrer Mitglieder. Dem Bundesgesundheitsministerium war hier allerdings die Datenlage nicht ausreichend, weswegen es ein Gutachten in Auftrag gab, das Anfang des Jahres vorgestellt wurde. Es zeigte ein sehr unterschiedliches Bild. Während es in kleinen Geburtskliniken in ländlichen Regionen meist recht entspannt zugeht, sieht es in den Städten anders aus: „Gerade in großen Geburtsstationen kommt es zu Belastungsspitzen und Personalengpässen“, sagt Thomas Gebhart (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium.
Für Gebärende hat das mitunter Folgen: Mehr als ein Drittel der befragten Geburtskliniken gab an, dass sie 2018 mindestens in einem Fall Schwangere mit Wehentätigkeiten nicht aufnehmen oder versorgen konnten, weil keine Hebammen oder Räume frei waren. Hochgerechnet geht es deutschlandweit um Tausende Fälle. Diese Frauen mussten eine andere Klinik aufsuchen.
Es geht um 600 Stellen mehr
Um Engpässe zu entschärfen, will das Ministerium ein Förderprogramm auflegen, das pro 500 Geburten im Jahr eine zusätzliche halbe Hebammenstelle finanziert, insgesamt geht es um 600 Vollzeitstellen in den nächsten drei Jahren. Das Vorhaben solle in eines der nächsten Gesetze aus dem Gesundheitsministerium eingefügt werden und Anfang 2021 in Kraft treten, sagt Gebhart, der sich seit seinem Amtsantritt im März 2018 federführend um das Thema Hebammen kümmert.
Der Deutsche Hebammenverband bezeichnet die geplante Förderung zwar als Schritt in die richtige Richtung, zufrieden ist die Interessenvertretung aber nicht: „Eine Hebamme betreut in Deutschland doppelt so viele Frauen während der Geburt wie in anderen europäischen Ländern.“ Die zusätzlichen 600 Stellen änderten daran nur wenig.
Häufig fachfremde Aufgaben
Aber auch in einem anderen Punkt will das Ministerium den Geburtshelferinnen entgegenkommen. Viele von ihnen sind nämlich ziemlich genervt, dass sie oft fachfremde Aufgaben übernehmen müssen wie Assistenztätigkeiten, Materialbeschaffung und Putzdienste. In manchen Krankenhäusern sei das kein Problem, sagt Gebhart, der die Südpfalz als Bundestagsabgeordneter vertritt, aber es gebe da große Unterschiede. Deshalb sollen bis zu 700 Stellen für Assistenzpersonal finanziert werden, allerdings nur für medizinisches Fachpersonal. Putzen müssten Hebammen also weiterhin, wenn das von ihnen verlangt wird.
Das ganze Programm schlägt laut Gebhart nach ersten Schätzungen mit 65 Millionen Euro pro Jahr zu Buche, wenn es denn komplett genutzt würde. Doch wird das überhaupt gelingen?
Hohe Teilzeitquote
Schon jetzt hat laut Gutachten etwa ein Drittel der Kliniken Probleme, seine Hebammenstellen zu besetzen. Der Staatssekretär verweist auf Aussagen der Hebammenverbände, wonach Stellenbesetzungen sich weniger problematisch darstellten, wenn die Arbeitsbedingungen sich verbesserten. Und genau dies wolle man mit dem Förderprogramm ja erreichen, sagt Gebhart, der auch auf die hohe Teilzeitquote bei den Geburtshelferinnen aufmerksam macht. Dem Gutachten zufolge arbeiten fast drei Viertel der angestellten Hebammen nur Teilzeit. Viele von ihnen gaben als Grund die hohe Arbeitsbelastung an. Mit besseren Arbeitsbedingungen könnten einige von ihnen aufstocken, lautet die Hoffnung.