Politik Werbung für „Judenhasser“

Dank zielgenauer Werbeformate ein gemachter Mann: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.
Dank zielgenauer Werbeformate ein gemachter Mann: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist der Nachfahre europäischer Juden. Der 33-jährige US-amerikanische Internetunternehmer wurde jüdisch erzogen. Um so widersinniger ist, dass Rechtsradikale seit Jahr und Tag auf Facebook munter ihr Unwesen treiben, hetzen und sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Nach Kritik, auch aus der deutschen Politik, hat Facebook versprochen, bei Anzeige rassistische Einträge zu löschen. Das klappt nicht so gut wie bei Fotos mit nackter Haut, die in den USA so verpönt ist. Aber der gute Wille ist vorhanden. „In unserer Gemeinschaft gibt es keinen Platz für Hass“, tat Zuckerberg kund. Kritiker von Facebook merken trotzdem immer wieder an, das Netzwerk sei nur eine Geldmaschine, deren Besitzer und Macher sogar davon lebten, auch niedere Instinkte zu bedienen. In der Tat ist die Stärke der von mathematischen Formeln gesteuerten Plattform, dass sie den Menschen vor allem das gibt, was ihnen gefällt. Nicht von ungefähr ist die Lieblingsfunktion bei Facebook das „Daumen hoch“-Zeichen. Auf 17 Milliarden Dollar beläuft sich Zuckerbergs Vermögen. So erfolgreich ist Facebook. Neben Google ist es die größte Werbeplattform der Welt. Das Erfolgsgeheimnis der Netz-Giganten: Deren Nutzer geben so viel von sich preis, dass Werbung ungemein zielgenau an den Mann oder die Frau zu bringen ist. Und auch an den Nazi, wie sich jetzt zeigt. Die Nachrichtenplattform ProPublica hat herausgefunden, dass Werbekunden eine Zielgruppe namens „Judenhasser“ anklicken konnten. Auch „Wie man Juden verbrennt“ war ein „Interesse“, das 2274 Facebook-Nutzer bekundet hatten. ProPublica machte die Probe aufs Exempel und schaltete für 30 Dollar eine Anzeige, die die „Judenhasser“ und andere Gruppen derart Verblendeter ansteuern sollte. Binnen 15 Minuten stimmte die Werbeabteilung von Facebook zu. Darauf angesprochen, löschte die Firma die inakzeptablen Kundenkategorien. Keine Absicht, sondern das Werk von Algorithmen, lautete die Erklärung. Klingt nach einer Geschichte zwischen kühlem George-Orwell-Roman und fiebriger Josef-Göbbels-Propaganda. Ist aber unsere Welt. Hier und heute. P.S. Noch ein Facebook-Skandal macht Schlagzeilen: Für 100.000 Dollar wurden im US-Wahlkampf 2016 Anzeigen geschaltet, die von Kunden stammten, die ihre Identität verschleierten und offenbar Verbindungen nach Russland hatten.

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